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Netzbetreiber 50Hertz Chinesen scheitern beim Einstieg ins deutsche Stromnetz

Der Fall hatte die Politik alarmiert: State Grid aus China wollte beim deutschen Netzbetreiber einsteigen. Daraus wird jetzt aber nichts.

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50Hertz: SGCC aus China misslingt Einstieg bei Netzbetreiber Quelle: dpa

Düsseldorf Seit Jahren kaufen chinesische Firmen in Deutschland ein. Dieser Fall hatte aber die Politik besonders alarmiert: Das chinesische Unternehmen State Grid wollte sich am deutschen Netzbetreiber 50Hertz beteiligen. Erstmals hätte sich Chinesen an „kritischer Infrastruktur“ beteiligt.

Daraus wird jetzt aber nichts: Der belgische Stromnetzbetreiber Elia, der schon jetzt 60 Prozent an der 50Hertz-Muttergesellschaft Eurogrid International SCRL kontrolliert, erwirbt weitere 20 Prozent. Den Anteil hatte der australische Investor IFM zum Kauf gestellt – und den hätte State Grid gerne übernommen.

Elia übte aber ein Vorkaufsrecht aus, wie 50Hertz am Freitag mitteilte. Die Belgier bezahlen nach eigenen Angaben für das Paket 976 Millionen Euro IFM. IFM bleibt weiter mit 20 Prozent beteiligt.

50 Hertz ist einer der vier großen deutschen Übertragungsnetzbetreiber, die den überregionalen Stromtransport organisieren. Das Netz des Unternehmens erstreckt sich über eine Fläche von 110.000 Quadratkilometern im Osten Deutschlands und hat eine Länge von rund 10.000 Kilometern. Das entspricht nach Angaben des Unternehmens etwa der Strecke von Berlin nach Rio de Janeiro. Rund 18 Millionen Kunden sind über die Leitungen angebunden.

Mit ihren Höchstspannungsleitungen sind die Übertragungsnetzbetreiber nicht nur für die Versorgungssicherheit mit verantwortlich. Ihnen kommt insbesondere bei der Energiewende eine zentrale Rolle zu. Mit milliardenschweren Investitionen müssen sie dafür sorgen, dass die Erneuerbare Energie ins Netz integriert wird – und vor allem die Schwankungen im Stromangebot aufgefangen werden.

Deshalb sah die Bundesregierung die Pläne kritisch. Nach Informationen des Handelsblatts hatte das Wirtschaftsministerium selbst Kontakt mit Elia aufgenommen, um die Belgier zum Kauf des Pakets zu bewegen.
Elia und IFM hatten das Unternehmen 2010 vom Energiekonzern Vattenfall gekauft. Damals hatte Elia den 60-Prozent-Anteil noch für 486 Millionen Euro bekommen.

50Hertz-Chef Boris Schucht begrüßte den Deal: „Wir freuen uns, dass sich unser Mehrheitsgesellschafter Elia dazu entschlossen hat, die Kaufoption zu ziehen.“ Das sei ein starkes Signal, die Energiewende in Deutschland und auch in Europa weiter voranzubringen. Mit Elia und IFM Investors engagierten sich damit weiterhin die beiden Shareholder, die das Unternehmen auch in den zurückliegenden acht Jahren konstruktiv unterstützt hätten.

Elia sagte zu, trotz des Kaufs die geplanten Investitionen aufrecht zu halten. Für die kommenden fünf Jahre seien in Belgien Investitionen von 2,3 Milliarden Euro geplant und 3,3 Milliarden Euro in Deutschland. „Das Geschäft ermöglicht uns, die Zusammenarbeit zwischen Belgien und Deutschland weiter zu verstärken“, sagte Chris Peeters, Chef der Elia Group: „Damit wird unser Anspruch, eine der führenden Übertragungsnetzbetreiber-Gruppen Europas zu sein, unterstrichen.“

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