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Neue Probleme für Achleitner Wichtiger Stimmrechtsberater empfiehlt Deutsche-Bank-Aktionären, Aufsichtsrat nicht zu entlasten

Der wichtige Stimmrechtsberater Ivox Glass Lewis macht Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Achleitner Vorwürfe wegen des Rauswurfs von Vorstandschef Cryan.

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Deutsche Bank: Aktionärsberater Glass Lewis gegen Entlastung von Paul Achleitner Quelle: dpa

Frankfurt Nach dem Chaos der vergangenen Wochen steht die Deutsche Bank wieder einmal vor einer chaotischen Hauptversammlung. Denn der wichtige Stimmrechtsberater Ivox Glass Lewis empfiehlt den Anteilseignern offenbar, den Aufsichtsrat des größten heimischen Geldhauses nicht zu entlasten. Das könnte vor allem für den Vorsitzenden des Kontrollgremiums, Paul Achleitner, zum Problem werden.

Achleitner habe möglicherweise nicht im besten Interesse der Investoren gehandelt, als die Bank im April überraschend ihren Vorstandschef John Cryan gegen den bisherigen Privatkundenvorstand Christian Sewing ausgetauscht hat, zitiert die Nachrichtenagentur Bloomberg aus dem Bericht von Ivox, der deutschen Tochter des US-Stimmrechtsberaters Glass Lewis. Deshalb sollten die Aktionäre dem Aufsichtsrat bei der Hauptversammlung am 24. Mai die Entlastung verweigern.

Außerdem sollten die Anteilseigner „sorgfältig prüfen“, ob sie nicht einen Antrag zur Ablösung Achleitners stellen. Ivox kritisiert, dass die Bank in nur sechs Jahren drei Mal ihre Vorstandschefs ausgetauscht habe. Damit stelle sich die Frage über die Auswahl der Kandidaten und die Zusammenarbeit Achleitners mit der Vorstandsspitze. Die Deutsche Bank will die Vorwürfe nicht kommentieren.

Ivox Glass Lewis ist der erste große Aktionärsberater, der seine Empfehlung zur Hauptversammlung der Deutschen Bank abgegeben hat. Aber ähnliche Kritik ist auch von anderer Seite zu hören. Kurz nach Ostern hatte die Deutsche Bank mit dem bisherigen Privatkundenvorstand Christian Sewing einen neuen Vorstandschef installiert. Sein Vorgänger Cryan musste gehen, weil ihm wichtige Großaktionäre und auch Aufsichtsratschef Achleitner Entscheidungsschwäche vorwarfen.

Cryan sei bei harten Eingriffen zu zögerlich gewesen und habe zu lange gebraucht, um die für die Sanierung der Bank nötigen Entschlüsse in die Tat umzusetzen. Zusammen mit den schwachen Zahlen für das erste Quartal verkündete der neue Vorstandschef Sewing in der vergangenen Woche nun einen Strategieschwenk.

Die Deutsche Bank gibt endgültig ihren Anspruch als globale Investmentbank auf und zieht sich teilweise aus dem Investmentbanking zurück, vor allem in den USA. Stattdessen will Sewing künftig stärker auf stabilere Geschäftsbereiche wie das Privatkundengeschäft, das Assetmanagement und das Transaction Banking setzen.

Durch den chaotischen Führungswechsel und den Kursrutsch an der Börse geriet auch Achleitner wieder in die Diskussion. Große Aktionäre werfen ihm vor, dass er Cryan selbst als Vorstandschef installiert habe und die bisherige Ausrichtung der Bank mitgetragen habe. Hans-Christoph Hirt vom einflussreichen britischen Aktionärsberater Hermes EOS kritisiert, dass Achleitner „als Aufsichtsratschef eng in die Entwicklung der Strategie der Bank eingebunden und damit mitverantwortlich für eine Reihe von Kehrtwenden ist.“

Michael Hünseler, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Assenagon, wirft dem Aufsichtsratschef vor, dass er angesichts der schwachen Ergebnisse der vergangenen Quartale Cryan nicht früher abgelöst habe. Das Fazit des Fondsmanagers: „Nach allem, was in der Zwischenzeit passiert ist, muss ich sagen, dass ich enttäuscht von Herrn Achleitner bin“.

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