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Neue Technologie Forschungsministerin Karliczek stellt ersten deutschen Quantencomputer für 2021 in Aussicht

Die Forschungsministerin glaubt, dass Deutschland und Europa den derzeitigen Vorsprung von IBM und Google bei der Zukunftstechnologie aufholen können.

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Der IBM Q System One ist der weltweit erste schaltungsbasierte kommerzielle Quantencomputer, der im Januar 2019 von IBM eingeführt wurde. Quelle: IBM

2021 soll nach Angaben von Forschungsministerin Anja Karliczek der erste deutsche Quantencomputer gebaut werden. „Wir haben uns vorgenommen, dass wir im nächsten Jahr einen ersten Rechner stehen haben“, sagte die Forschungsministerin in einem am Freitag veröffentlichten Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters.

Dies werde zwar noch ein experimenteller Computer sein. Aber in fünf bis zehn Jahren könne die neue Technologie dann auch für die Industrie eingesetzt werden. Deutschland und Europa könnten den derzeitigen Vorsprung der US-Konzerne IBM und Google bei dieser Zukunftstechnologie aufholen.

Karliczek kündigte an, dass noch im Sommer die Entscheidung falle, welche Konsortien die vom Koalitionsausschuss Anfang Juni beschlossenen zwei Milliarden Euro für die Aufholjagd in der Quantentechnologie bekommen sollen. Die extrem leistungsfähigen Computer könnten Probleme berechnen, „die wir mit heutigen Rechnerkapazitäten nur über Jahrzehnte oder vielleicht sogar über Jahrhunderte lösen können“, sagte Karliczek.

Absehbar sei der Einsatz etwa in der Chemie- oder Pharma-Industrie. Die Technologie, für deren Entwicklung nicht nur US-Konzerne, sondern auch China hohe Summen ausgibt, gilt auch als geostrategisch für bedeutend. Die Bundesregierung wolle während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft das Thema im künftigen EU-Forschungsrahmen verankern. „Denn das ist eine ganz entscheidende Frage für die europäische technologische Souveränität“, mahnte Karliczek. Die Kosten seien aber so hoch, dass sie kein Staat alleine stemmen könne.

Deutschland und Europa hätten gute Chancen bei dieser Aufholjagd, weil noch nicht entschieden sei, auf welcher Basis sich Quantencomputer am besten entwickeln ließen. Außerdem gebe es eine Vielzahl von Forschern und Start-Ups, die in diesem Bereich forschten - und für die man bereits Anfang des Jahres eine eigene Förderlinie aufgelegt habe. „Deshalb ist der Rückstand, den es sicher gibt, aufzuholen. Unsere Kunst ist die Vernetzung der einzelnen Komponenten, die wir haben.“ Dazu gehörten etwa Software, Sensorik, und die Hardware.

Regierung will Bau von Supercomputern fördern

Allerdings ist die technologische Entwicklung kompliziert. Karliczek verwies darauf, dass man etwa über keine Industrie verfüge, die Quantenchips herstellen könne. Also müsse man auch diesen Bereich entwickeln - ebenso wie die für Quantencomputer notwendige andere Software. Dabei zeige sich erneut ein Finanzierungsproblem. Im Gründungsbereich sei Deutschland durchaus gut.

Es gebe aber Probleme der Start-ups bei der Finanzierung der Wachstumsphase, sagte Karliczek mit Blick auch auf fehlendes Risikokapital. Deshalb sei die staatliche Hilfe so wichtig, weil viele Unternehmen das Risiko bei der Erforschung von Technologien scheuten, die erst in einigen Jahren anwendungsreif seien. Die Forschungsministerin ist aber überzeugt, dass am Ende auch die großen Konzerne in Deutschland mitspielten. Dies sei nach anfänglichem Zögern auch bei der europäischen Cloud Gaia X so gewesen, in der künftig etwa Forschungsdaten gespeichert werden sollen.

Um mehr technologische Souveränität zu erreichen, will die Regierung aber auch den Bau sogenannter Supercomputer fördern. Bisher finden viele der Berechnungen der Forscher auf US-Supercomputern statt. „Wir wollen am Ende drei Höchstleistungsrechner in Deutschland haben“, kündigte die Forschungsministerin an. Die Forscher an Unis und in außeruniversitären Einrichtungen brauchten ausreichend Rechnerkapazitäten für ihre Arbeit.

Zudem müsse man aufpassen, dass die Ausbildung keine Entwicklungsbremse werde. „Im Herbst bieten wir eine erste Weiterbildung für junge Leute an, die in dem Bereich arbeiten wollen“, sagte die Bundesbildungsministerin mit Blick auf die Quantentechnologie.

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