WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Neuer Euro-Krisenfonds IWF fordert 100 Milliarden von Deutschland für Euro-Rettung

Der IWF hat einen großen Plan: Ein milliardenschwerer Schlechtwetterfonds soll den Euro stärken. Allein Deutschland soll zehn Milliarden Euro pro Jahr zahlen.

IWF fordert 100 Milliarden von Deutschland für die Euro-Rettung Quelle: AP

Christine Lagarde hat den Ort natürlich mit Bedacht ausgewählt. Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) wählte Berlin, Europas heimliche Hauptstadt, um ihren spektakulären Vorschlag zu präsentieren. Die Deutschen dürfen sich damit gebauchpinselt fühlen – aber das wird kaum etwas daran, dass der Vorschlag aus Washington in Berlin für reichlich Ärger sorgen dürfte.

Denn in der Diskussion um die Reform der Euro-Zone macht der IWF einen brisanten Vorschlag: Er will einen Schlechtwetterfonds für die Euro-Zone gründen. Wenn in Zukunft ein finanzschwaches Euro-Land in eine Wirtschaftskrise gerät, soll es daraus automatisch Milliardenhilfen in seinen Haushalt überwiesen bekommen. „Um eine schmerzhafte Wiederholung der Krise zu verhindern, braucht die Euro-Zone eine zentral Fiskalkapazität“, sagte Lagarde in Berlin.

Planungen für einen solchen Schlechtwetterfonds gibt es auch in Europa. Soweit ist der Vorschlag nicht neu. Neu ist aber das Volumen des Hilfstopfs, den der IWF schaffen will: Jedes Land soll im Jahr 0,35 Prozent seiner Wirtschaftsleistung im Jahr einzahlen. Für Deutschland wäre das gut zehn Milliarden Euro. Innerhalb von zehn Jahren müsste die Bundesrepublik also 100 Milliarden Euro für den Topf aufbringen. Außerdem soll die neue Fiskalkapazität im Notfall auch noch eigene Schulden am Finanzmarkt aufnehmen dürfen. All das dürfte in Deutschland, aber auch in anderen Euro-Staaten, schwer zu vermitteln sein.

Das ist der IWF-Chefin natürlich klar. Sie will unter allen Umständen den Eindruck verhindern, der Topf führe in eine europäische Transferunion. Die Länder müssten auch in Zukunft „Eigenverantwortung“ übernehmen, sagte sie in ihrer Rede in Berlin extra auf Deutsch. Außerdem der Topf sehe klare Mechanismen vor, die verhindern sollen, dass sich Staaten auf der Hängematte ausruhen und andere Länder für sie zahlen lassen.

Der IWF will mit seinem neue Schlechtwettertopf eine Abwärtsspirale wie zwischen 2010 und 2012 verhindern, als mit Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und Zypern ein Land nach dem anderen am Rand der Staatspleite trieb. In Zukunft dürfe so eine schwere Krise gar nicht erst in Gang kommen, begründen IWF-Experten ihren Vorschlag. Der IWF schlägt daher vor, Ländern mit hoher Arbeitslosigkeit Geld aus dem Hilfstopf zukommen zu lassen. Wenn die Arbeitslosenquote in einem Jahr um mehr als ein Prozent über das Mittel der letzten sieben Jahre steigt, fließt Geld. Nach Modellrechnungen des IWF lassen sich so Tiefe und Dauer von Rezessionen um bis zu 50 Prozent abkürzen.

Damit der Topf nicht zur Hängematte für hoch verschuldete Staaten in guten Zeiten wird, will der IWF Auszahlungen an das vorherige Einhalten von Schuldenregeln koppeln, die am besten gleich mit reformiert werden sollen. Die Regeln seien inzwischen viel zu komplex geworden, findet der IWF. Vor allem aber müsste ein Staat, der Hilfen bekommen hat, nach Abflauen der Krise höhere Beiträge an den neuen Hilfstopf abführen. Dies soll das Entstehen einer Transferunion vermeiden und Fehlanreize vermeiden, dass Staaten sich von anderen alimentieren lassen.

Die IWF-Ökonomen sind sicher: So konzipiert würde der Topf die Euro-Zone stabilisieren und vermeiden, dass Länder wieder so schnell in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Und gleichzeitig würde eben keine neue Transferunion entstehen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%