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New York Bars und Restaurants verstecken sich um mehr Kunden anzulocken

Ein Rundgang durch die Läden New Yorks, die nicht viel auf Marketing geben. Sie tun alles, um keine Aufmerksamkeit zu erregen.

Statt mit Neonzeichen seinen Namen kundzutun, verstecken sich zahlreiche Bars und Restaurants in New York. Ungewissheit steigert die Anziehungskraft. Quelle: AP

New YorkEine Telefonkabine in einem Würstchenladen? Dahinter steckt doch was, denkt sich der aufmerksame Besucher vom Crif Dogs im East Village. In der Tat: Wer sich ans rote Telefon klemmt und die Eins wählt, dem öffnet sich prompt eine Tür zu einer Cocktailbar. Eine junge Frau nimmt Reservierungen an, Wartezeiten von mehreren Stunden sind am Wochenende nichts Ungewöhnliches.

Der Name der Bar „PDT“ ist ein Hohn. Die Abkürzung steht für „Please Don`t Tell“. Aber an die Weisung „Bitte nicht weitersagen“ hält sich kein Mensch. Im Internet kann jeder die Anweisungen zur Geheimbar nachlesen. Und wer sich ein heißes Würstchen holt und sich an einen der Tische setzt, der weiß bald Bescheid.

Geheim! Es ist ein Verstoß gegen das Grundgesetz der Werbung, möglichst vielen seine Dienste anzupreisen. Statt mit Neonzeichen seinen Namen kundzutun, verstecken sich zahlreiche Bars und Restaurants in New York. Ungewissheit steigert die Anziehungskraft, das wissen nicht nur der Flirt an der Theke oder der Türsteher von Tanzläden.

Den Trend gibt es in New York schon seit vielen Jahren. Mit den Cocktailbars fing es an, ganz genau mit dem legendären Milk and Honey in der Lower East Side. Getarnt als Schneiderei, kam man dort nur mit einer Reservierung herein, für die man eine bestimmte Telefonnummer wissen musste. Die war lange wirklich geheim, bis das Internet das Spiel zerstörte und jeder die Durchwahl kannte. Die Bar machte nach vielen Jahren 2013 zu, allerdings gibt es neue Dependancen im Flatiron District und in London.

Wer dem Geist von Milk and Honey nachspüren will, sollte aber besser einen Gold Rush in Attaboy trinken. Die exzellente Bar serviert in den gleichen Räumen. Auch geht es weniger geheimniskrämerisch und elitär zu. Einfach klingeln und seinen Namen mit Telefonnummer hinterlassen, oft gibt es nach ein paar Minuten einen Platz.

Das Konzept des Versteckens schauen sich andere ab, auch Restaurants. Wer im teuren Parker Hotel auf der 56th Straße übernachtet, übersieht leicht ein kleines Schild mit einem Hamburger-Zeichen. Hinter einem Vorhang eröffnet sich eine andere Welt. Statt auf schickem Marmor und Mahagoni steht der Besucher in einer heruntergekommenen Hamburger-Bar.

Kann in diesen Burgerladen praktisch jedermann gehen, ist es bei anderen Restaurants wie dem Bohemian auf der Great Jones Street so gut wie gar nicht möglich. Versteckt hinter einer Metzgerei, ist der teure Japaner seit vielen Jahren höchst begehrt. Hat man es geschafft, die geheime Telefonnummer und eine Empfehlung eines früheren Gastes zu bekommen, erwartet einen ein kleiner Garten mit Wasserfall, winzige Holztempel, eklektische Möbel.

Übrigens: Wer an der Theke des „PDT“ sitzt, der kann nicht nur gute Cocktails trinken – sondern natürlich auch die Hotdogs von Crif Dogs bestellen. Die sind wirklich nicht schlecht – das alles muss aber, bitte, unter uns bleiben.

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