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Niedrigzinsen Lebensversicherer wollen Garantiezins ab 2022 drastisch senken

Die Zinsen am Kapitalmarkt bleiben niedrig. Lebensversicherer wollen darum nicht nur den Garantiezins senken, auch die 100-Prozent-Beitragsgarantie steht auf dem Spiel.

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Die anhaltende Niedrigzinsphase wird zur Belastung für die Lebensversicherung. Quelle: dpa

Die deutschen Lebensversicherer sollen ihren Kunden von 2022 an maximal noch eine Verzinsung von 0,25 Prozent auf neue Policen versprechen dürfen. Die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV), der Verband der Versicherungsmathematiker, schlug am Mittwoch die drastische Absenkung des Höchstrechnungszinses vor, der bisher bei 0,9 Prozent liegt.

DAV-Vorstand Guido Bader, im Hauptberuf Vorstand der Stuttgarter Lebensversicherung, begründete die Empfehlung damit, dass die Zinsen am Kapitalmarkt in der Coronakrise noch einmal um 0,2 bis 0,5 Prozentpunkte gesunken seien. Die Versicherer könnten die Verzinsung in der bisherigen Höhe mit sicheren Papieren nicht mehr garantieren. „Zudem hat die Europäische Zentralbank kürzlich angekündigt, dass sie Spielraum fü weitere Zinssenkungen sieht“, sagte Bader.

Zudem raten die Versicherungsmathematiker der Assekuranz, künftig auf Garantien für den vollständigen Erhalt der gezahlten Beiträge zu verzichten. „Produkte mit einer 100-Prozent-Beitragsgarantie sind in der heutigen Negativzinswelt aktuariell nicht mehr sinnvoll“, sagte Bader. „Sie verengen die Spielräume für eine Kapitalanlage im Sinne der Versicherten.“

Marktführer Allianz hat bereits angekündigt, bei neuen Policen ab 2021 nur noch 60, 80 oder 90 Prozent der Einzahlungen zu garantieren. Andere Versicherer dürften folgen. Die Abkehr von der 100-Prozent-Garantie würde auch eine Reform der Riester-Rente nach sich ziehen, die die Bundesregierung ohnehin plant. Dort ist der Beitragserhalt bisher noch obligatorisch.
Die Finanzaufsicht BaFin und das Bundesfinanzministerium folgen in der Regel den Empfehlungen der DAV. Die Aktuare hatten vor einem Jahr eine Senkung des Garantiezinses auf 0,5 Prozent empfohlen, zu einer Neuregelung war es aber in den Turbulenzen rund um die Corona-Pandemie nicht gekommen. Politik und Aufsicht hatten aber im Frühjahr damit geliebäugelt, die maximale Verzinsung noch stärker abzusenken.

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    Höchstrechnungszins verliert an Bedeutung

    Die BaFin hatte bereits klargemacht, dass sie neue Lebensversicherungs-Produkte mit einer garantierten Verzinsung von 0,9 Prozent nicht mehr erlauben werde. Viele Versicherer könnten sie sich wegen der Niedrigzinsen am Kapitalmarkt schlicht nicht mehr leisten.

    Die Aktuare drängen die Bundesregierung zu einer raschen Entscheidung. Sie müsse „unbedingt“ spätestens bis März fallen, damit sie Versicherer genügend Zeit hätten, ihre Produkte neu zu kalkulieren, forderte Bader.

    Der Höchstrechnungszins hat zuletzt an Bedeutung verloren, weil immer mehr Lebensversicherer unter dem Druck der „Solvency II"-Regulierung und der niedrigen Zinsen nur noch Produkte ohne oder mit geringeren Garantien anbieten. Nach Schätzungen bietet ein Drittel der gut 80 Lebensversicherer in Deutschland Policen mit Garantiezins an. Branchenweit machen sie nach Daten des GDV aber noch fast ein Drittel des Neugeschäfts aus. An laufenden Verträgen, für die die Lebensversicherer in der Vergangenheit zum Teil Zinsgarantien von vier Prozent ausgesprochen hatten, ändert sich durch eine Neuregelung nichts.

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