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Niedrigzinspolitik Gewinn bei bayerischen Sparkassen sackt ab

Den bayrischen Sparkassen macht die Nullzinspolitik der EZB zu schaffen. Kunden müssen sich deshalb auf Preiserhöhungen oder eingeschränkte Leistungen einstellen.

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In einer Welt ohne Zinsen fehlt den Sparkassen die Grundlage für ihr Geschäftsmodell: der Preis für Geld, heißt es von Seiten der bayrischen Sparkassen. Quelle: dpa

Die bayerischen Sparkassen schlagen nach einem erneuten Gewinnrückgang Alarm und üben scharfe Kritik an der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Bei den 64 Instituten im Freistaat sank der Jahresüberschuss 2020 nach vorläufigen Berechnungen um gut 18 Prozent auf 309,7 Millionen Euro, wie der Sparkassenverband Bayern am Donnerstag mitteilte.

Angesichts der sehr schwierigen Rahmenbedingungen sei man zwar zufrieden mit dem Ergebnis und rechne mit Stabilisierung im Jahresverlauf, sagte der neue Verbandspräsident Ulrich Reuter. „Dennoch ist der Ergebnisrückgang dramatisch.“ Wenn sich die Entwicklung aber mit denselben Rahmenbedingungen fortsetze oder gar noch verschärfe, sei ein Krisenszenario nicht weit entfernt.

Vielen Geldhäusern macht die Niedrigzinspolitik der EZB zu schaffen, denn ihr größter Ertragsbringer – der Zinsüberschuss – sinkt seit längerem. Bei den bayerischen Sparkassen stiegen 2020 zwar die Einlagen um 7,2 Prozent auf fast 188 Milliarden Euro, wie der Verband mitteilte. Doch zugleich sank der Zinsüberschuss um 3,1 Prozent auf knapp 3,16 Milliarden Euro.

Durch die EZB-Politik sei diese Hauptertragsquelle der Institute „nachhaltig und mit Blick nach vorne dramatisch rückläufig“, so Reuter. In einer Welt ohne Zinsen fehle den Sparkassen schlicht die Grundlage für ihr Geschäftsmodell: der Preis für Geld.

Zudem müssten die Institute Verwahrentgelte – also Negativzinsen – zahlen, wenn sie selbst überschüssige Liquidität bei anderen Kreditinstituten oder der Bundesbank parkten.

„Gesamtpersonalkosten wie Boni Boni-Pool mancher Großbank“

„Der Virus, der uns mindestens genauso drückt wie der, gegen den es bereits eine Impfung gibt, ist also der Negativzins“, betonte der Verbandschef. Hier sei in der Pandemie auch nicht mit einer Trendwende zu rechnen.

Auf Dauer werde es so für die Geldhäuser noch schwieriger, den Rückgang des Zinsüberschusses über andere Ertragsquellen und Kostensenkungen aufzufangen. „Inzwischen sind deshalb immer mehr Sparkassen durch das Handeln der EZB gezwungen, selbst Verwahrentgelte zu erheben,“ sagte Reuter mit Blick auf die zunehmende Verbreitung von Strafzinsen.

Die Sparkassen-Kunden in Bayern müssen sich demnach auf Preiserhöhungen oder eingeschränkte Leistungen einstellen. „Wir werden nicht umhinkommen, weiter an unseren Preis-Leistungsmodellen zu arbeiten und schmerzhafte Schritte zu prüfen beziehungsweise letztlich zu vollziehen“, räumte der Verbandschef ein.

Zugleich setzten die Sparkassen selbst auf Kostensenkungen und verringerten 2020 den Personalaufwand um 1,4 Prozent. „Mit diesen Gesamtpersonalkosten von rund zwei Milliarden Euro für 35.813 Beschäftigte könnte man übrigens gerade den Boni-Pool mancher Großbank in Deutschland füllen.“

Reuter setzt bei Erfolg der Impfkampagne auf eine Belebung der Wirtschaft ab Jahresmitte und zeigte sich trotz aller Schwierigkeiten zuversichtlich für 2021: „Als Sparkassen werden wir insgesamt gut unterwegs sein.“ Der Zinsüberschuss werde zwar weiter sinken, doch an den Kosten werde weiter gearbeitet.

Er rechne damit, dass die Sparkassen in Bayern ihre Ergebnisse 2021 stabilisieren können. Der Rückgang des Betriebsergebnisses werde sich verlangsamen, weil viele Maßnahmen griffen. Im vergangenen Jahr schrumpfte das Betriebsergebnis vor Bewertung um 1,4 Prozent auf 1,61 Milliarden Euro. 

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