Notenbank SNB hält trotz Teuerungsschub an expansivem Kurs fest

Die SNB rechnet vorerst mit hohen Energiepreisen. Quelle: Reuters

Der Leitzins der Notenbank bleibt bei minus 0,75 Prozent, während auch in der Schweiz die Inflation steigt. Die SNB erhöht die Inflations- und senkt die Wachstumsprognose.

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Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hält trotz des jüngsten Inflationsanstiegs an ihrer bisherigen expansiven Geldpolitik fest. „Die Unsicherheit hat sich infolge der russischen Invasion der Ukraine weltweit stark erhöht“, erklärten die Währungshüter am Donnerstag. „In dieser Situation sichert die Nationalbank mit ihrer Geldpolitik die Preisstabilität und unterstützt die Schweizer Wirtschaft.“

Der Leitzins und der Zins auf Sichteinlagen bei der Notenbank bleiben bei minus 0,75 Prozent. Den Franken stufte die SNB weiter als hoch bewertet ein. Und die SNB ist weiter bereit, bei Bedarf mit Devisenmarktinterventionen eine wirtschaftsschädliche Aufwertung der Landeswährung zu unterbinden.

Andere große Notenbanken steigen wegen der hohen Inflation, die durch die im Sog des Kriegs in der Ukraine hochschießenden Energiepreise noch angeheizt wird, aus dem jahrelangen Krisenmodus aus oder signalisieren eine geldpolitische Wende. Die US-Notenbank Fed hatte jüngst mit der ersten Zinserhöhung seit Jahren auf die hohe Inflation reagiert und will kräftig nachlegen. Und die Europäische Zentralbank (EZB) bereitete jüngst den Boden für eine Zinswende.

Zwar zieht die Teuerung auch in der Schweiz an. Im Februar stiegen die Verbraucherpreise im Jahresabstand um 2,2 Prozent – so stark wie letztmals 2008 und stärker als von der Notenbank angepeilt, die eine Teuerung zwischen null und zwei Prozent anstrebt.

Im Ausland ist die Teuerung indes deutlich höher: In der Euro-Zone, dem größten Exportmarkt der Schweiz, betrug die Inflation rekordhohe 5,9 und in den USA 7,9 Prozent. Die SNB steht damit weniger stark unter Zugzwang als Fed und EZB.

Die SNB passt die Inflationsprognose an

Den Hauptgrund für die anziehende Teuerung ortet die SNB im deutlichen Preisanstieg von Erdölprodukten und von Waren, die von Lieferengpässen betroffen sind. „Die angespannte Situation bei diesen Gütern dürfte wegen des Kriegs in der Ukraine in den nächsten Monaten bestehen bleiben“, erklärte die Zentralbank.

Sie rechnet im gesamten Jahr 2022 neu mit einer Inflation von 2,1 Prozent, nachdem im Dezember noch 1,0 Prozent veranschlagt wurden. 2023 werden dann 0,9 (bislang: 0,6) Prozent erwartet und die erstmals veröffentlichte Prognose 2024 geht ebenfalls von 0,9 Prozent aus.

Die SNB erwartet, dass die Energiepreise vorerst hoch bleiben, es aber in den großen Wirtschaftsräumen nicht zu akuter Energieknappheit kommt. Die Inflation werde daher kurzfristig weiter steigen.

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Die Konjunkturerholung dürfte sich global und in der Schweiz trotz des Kriegs in der Ukraine fortsetzen, wenn auch etwas gedämpft, weil die höheren Rohstoffpreise den Konsum belasten und die Produktionskosten für die Unternehmen erhöhen. Die Notenbank rechnet 2022 neu nur noch mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um rund 2,5 Prozent, nachdem sie im Dezember noch von rund drei Prozent ausgegangen war. Sie verweist aber darauf, dass die Prognoseunsicherheit groß sei. „Die Wachstumsrisiken sind bedeutend und nach unten gerichtet.“

Von Reuters im Vorfeld der vierteljährlichen geldpolitischen Lagebeurteilung der Zentralbank befragte Volkswirte hatten übereinstimmend unveränderte Zinsen prognostiziert. Das dreiköpfige Direktorium um SNB-Präsident Thomas Jordan setzt seit bald sieben Jahren auf Negativzinsen und Fremdwährungskäufe, um eine wirtschaftsschädliche Aufwertung des Franken zu unterbinden.

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