Notenbankchef Irland schlägt Lane für EZB-Vizeposten vor

Die irische Regierung hat Philip Lane als Vizepräsidenten der Europäischen Zentralbank vorgeschlagen. Bislang ist er Chef der irischen Notenbank. Als Gegenkandidat ist bereits Luis de Guindos bekannt.

Die beiden könnten bald im EZB-Präsidium zusammenarbeiten. Quelle: CLODAGH KILCOYNE

DublinIrland wirft für die Neubesetzung des Vizechef-Postens der Europäischen Zentralbank (EZB) den Hut in den Ring. Die Regierung schlage Notenbank-Chef Philip Lane dafür vor, teilte Finanzminister Paschal Donohoe am Dienstag mit und bestätigte damit frühere Reuters-Informationen. Bislang war Spaniens Wirtschaftsminister Luis de Guindos der einzige öffentlich bekannte Kandidat. Die Personalie dürfte Folgen haben für die 2019 anstehende Neubesetzung des EZB-Chefpostens. Sollte der Nordeuropäer Lane Vizepräsident werden, könnte dies die Aussichten von Bundesbank-Chef Jens Weidmann trüben, Nachfolger von EZB-Präsident Mario Draghi zu werden. Bislang war Irland im sechsköpfigen EZB-Direktorium noch nie vertreten.

Der Posten des EZB-Vizepräsidenten muss neu besetzt werden, weil die Amtszeit des Portugiesen Vitor Constancio Ende Mai nach acht Jahren endet. Die Euro-Länder können ihre Kandidaten noch bis zum 7. Februar vorschlagen. Die Finanzminister werden dann voraussichtlich am 19. Februar über die Personalie abstimmen.

Mit der Neubesetzung werden Insidern zufolge bereits wichtige Weichen für den anstehenden Wechsel des EZB-Präsidenten gestellt. Ende Oktober 2019 scheidet der Italiener Draghi nach acht Jahren aus dem Amt. Wie stets bei europäischen Spitzenpositionen muss unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Interessen der Länder ein Kompromiss gefunden werden. Nach Auskunft von Personen, die mit der Angelegenheit vertraut sind, wird der Präsidentenposten wahrscheinlich für einen Vertreter aus dem Norden reserviert sein, sollte der Vize-Posten an eines der südlichen Länder im Währungsraum gehen. Sollte Deutschland den Vorzug erhalten, gilt Bundesbank-Präsident Jens Weidmann als der naheliegende Kandidat für die Draghi-Nachfolge.

Doch falls Irland nun bei der Constancio-Nachfolge zum Zuge kommt, könnte dies Weidmanns Chancen schmälern. So hatten Vertreter der französischen Regierung privat Unterstützung für den irischen Kandidaten signalisiert - in der Hoffnung, mit einem Nordeuropäer auf dem Vizechef-Posten könnte das Ringen um die Draghi-Nachfolge offener werden. Ob dann auch der Chef-Posten an einen Vertreter Nordeuropas gehen kann, gilt zumindest als fraglich. Der 48-jährige Lane ist seit Oktober 2015 Gouverneur der irischen Notenbank. Der promovierte Volkswirt wurde zuletzt auch als ein möglicher Kandidat für den Posten des EZB-Chefvolkswirts gehandelt. Auch diese wichtige Stelle muss im kommenden Jahr neu besetzt werden. Die Amtszeit des Belgiers Peter Praet endet im Mai 2019.

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