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Notenbanken EZB-Chefökonom Philip Lane deutet Geldpolitik-Pause an

Aus Sicht des EZB-Chefvolkswirts haben sich die Finanzmärkte inzwischen stabilisiert. Nach massiven Stützungsschritten werde die EZB wohl nun zunächst abwarten.

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Aus Sicht des EZB-Chefvolkswirts zeichnet sich eine wirtschaftliche Erholung im Euro-Raum ab. Quelle: Reuters

Die EZB wird womöglich nach den massiven Stützungsschritten zur Eindämmung der Corona-Krise zunächst einmal ihre Füße still halten.

Aus Sicht von EZB-Chefvolkswirt Philip Lane haben sich die Finanzmärkte inzwischen stabilisiert und es zeichnet sich eine wirtschaftliche Erholung im Euro-Raum ab, wie der frühere irische Notenbankchef im Gespräch mit Reuters erläuterte. Es werde aber noch viele Monate dauern bis klar sei, wie die Erholung genau ausschauen werde.

Angesichts einer drohenden Rekord-Rezession stockte die EZB erst unlängst ihr PEPP getauftes Anleihe-Kaufprogramm auf 1,35 Billionen Euro auf. Dessen Laufzeit wurde zudem bis mindestens Ende Juni 2021 verlängert.

„Wir haben eine Menge getan. Wir haben im Kern diesen Horizont von einem Jahr,“ sagte Lane. Aus seiner Sicht ist diese Zeitspanne womöglich auch erforderlich, bis klar wird, wie sich der wirtschaftliche Erholungsprozess im Euro-Raum gestaltet.

Die EZB hatte angesichts eines bislang beispiellosen Konjunktureinbruchs ihre geldpolitischen Hilfen bereits mehrmals in diesem Jahr ausgeweitet.

„Das zweite Quartal ist definitiv der tiefste Punkt, aber schon in diesem Quartal hatten wir einen signifikanten ersten Schritt im Erholungsprozess“, sagte der Volkswirt.

Lane zufolge haben die geldpolitischen Schritte der EZB, wozu supergünstige Kredite für Geschäftsbanken und der Ankauf von kurzlaufenden Anleihen (Commercial Paper) zählen, die Finanzmärkte seit März stabilisiert. Das Bankensystem sei zudem „sehr liquide“, sagte er.

Lane bleibt vorsichtig

Obwohl die jüngsten Konjunkturindikatoren etwa zum Geschäftsklima wieder ein etwas positiveres Bild der Wirtschaft im Euro-Raum zeichnen, bleibt Lane vorsichtig.

Es könne eine „lange Zeit“ positive Daten geben, sagte der ehemalige Wirtschaftsprofessor vom Dubliner Trinity College. Der jetzige Umschwung sage aber nur wenig aus über die allgemeine Erholung der Wirtschaft.

Da könne es auch immer mal wieder zu Unterbrechungen kommen. „Diese Wochen des anfänglichen Umschwungs geben nicht wirklich eine Orientierung, was im Winter passieren wird“.

Erwartungen an den Finanzmärkten zu Beginn der Krise, dass die EZB womöglich bald auch Ramsch-Firmenanleihen erwerben werde, dämpfte der oberste EZB-Volkswirt.

Lane rechnet derzeit nicht mit einer bevorstehenden Welle an Herabstufungen. „Die Daten sind nicht zwingend, um zu sagen, es sollte viel mehr Herabstufungen geben.“ Die aktuellen Ratings sehe er in einer vernünftigen Balance.

Inflationsrate bleibt wohl positiv

Einige Experten rechnen damit, dass die Inflation im Währungsraum in den nächsten Monaten wegen der fallenden Ölpreise auf unter Null Prozent sinken wird. Lane geht eher nicht davon aus.

„Das Risiko einer negativen Inflation ist da, aber in unseren Szenarien bleibt die Inflation sehr niedrig, dabei bleibt sie im positivem Bereich.“ Die EZB verfehlt ihr Inflationsziel von knapp zwei Prozent seit sieben Jahren trotz immer tieferer Leitzinsen und massiven Wertpapierkäufen in Billionenhöhe. Der Schlüsselzins zur Versorgung der Banken mit Geld liegt seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent.

Argumente, die EZB sei inzwischen in ihrer ultralockeren Geldpolitik gefangen und könne aus ihr nicht mehr aussteigen, ohne die Schuldentragfähigkeit in Ländern wie Italien zu gefährden, wies der 50-Jährige zurück.

„Die Idee, dass uns die Schuldenniveaus gefangen halten, kann ich einfach nicht sehen.“ Aus dem geldpolitischen Ausblick der Notenbank ließen sich zudem Ausstiegsstrategien ablesen. „Unsere Forward Guidance ist voller Exit-Strategien.“

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