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Oberster Notenbanker „Der Bitcoin ist Blase, Schneeballsystem und Umweltdesaster“

Der Chef der Bank der Zentralbanken, Agustin Carstens, warnt eindringlich vor Bitcoin. Die Kryptowährung sei der Versuch, Geld aus dem Nichts zu schaffen. Notenbanken und Regulierer müssten einschreiten.

BIZ-Chef Augustin Carstens warnt vor Bitcoin Quelle: Reuters

FrankfurtDie Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hält sich mit politischen Statements normalerweise zurück. Wenn es aber um das Thema Bitcoin geht, legt ihr Chef Agustin Carstens seine Zurückhaltung ab. „Der Bitcoin ist inzwischen zu einer Mischung aus Blase, Schneeballsystem und einem Desaster für die Umwelt geworden“, warnte er am Dienstag in einem Vortrag an der Universität Frankfurt. „Es hat immer Versuche gegeben, Geld aus dem Nichts zu schöpfen, und das scheint hier der Fall zu sein.“

Carstens forderte die Notenbanken dazu auf, einzuschreiten: „Zentralbanken müssen bereit sein, falls nötig zu intervenieren“, sagte er. Schließlich würden Kryptowährungen wie der Bitcoin die institutionelle Infrastruktur des Finanzsystems nutzen. Dies verleihe ihnen Anzeichen von Glaubwürdigkeit.

In den vergangenen Tagen sind Kryptowährungen stark unter Druck geraten. Am Dienstag fiel der Bitcoin, die älteste und bekannte Digitalwährung, auf der Handelsplattform Bitstamp erstmals seit November unter die Marke von 6.000 US-Dollar. Seit Jahresbeginn hat der Bitcoin mehr als die Hälfte seines Werts verloren. Ein Grund für die Kursabschläge ist auch die Furcht vor mehr Regulierung.

Bislang haben sich Notenbanker sehr kritisch über Bitcoin geäußert, aber auch darauf verwiesen, dass sie kaum direkte Eingriffsmöglichkeiten hätten. EZB-Präsident Mario Draghi sagte etwa vor dem Europaparlament, dass die Notenbank keine Möglichkeiten habe, um ein Verbot oder eine Regulierung von Bitcoin durchzusetzen.

Carstens dagegen sieht durchaus Punkte, wo die Notenbanken ansetzen könnten. Dies sei kein Feld für „Laissez-faire-Experimente“. „Eine gute Möglichkeit, um zu regulieren, gibt es an der Schnittstelle zwischen Bitcoin und dem normalen Geldsystem“, so Carstens.

Es sei in gewisser Weise ein Widerspruch, dass Bitcoins ausgerechnet auf Börsen angewiesen seien, wo es doch eigentlich darum gegangen sei, den Zahlungsverkehr zu dezentralisieren. Hier aber müssten die Regulierer ansetzen. Sie müssten darauf achten, dass die Verbindungen von Kryptowährungen zu wirklichen Währungen nicht „parasitär“ würden. Zudem müsse das Prinzip gelten: „gleiches Risiko, gleiche Regulierung“. Es dürften keine Ausnahmen erlaubt werden.

Kryptowährungen geben laut Carstens nur vor, Währungen zu sein. Sie erfüllten jedoch keine der grundlegenden Geldfunktionen, die in Lehrbüchern für Geld genannt werden. Die hohe Schwankungsanfälligkeit erschwere etwa die Nutzung als Zahlungsmittel und als Wertspeicher. Auch als Recheneinheit kämen Kryptowährungen nicht infrage.

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