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Öffentliche Banken Sparkassen sichern Milliarden an Kreditrisiken über Pools ab

Deutschen Sparkassen drohen Kreditausfälle aufgrund der wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise. Eine 20 Jahre alte Idee hilft, die Risiken abzufedern.

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Sparkassen müssen sich auf steigende Insolvenzen bei ihren Firmenkunden einstellen. Quelle: dpa

Wie hart die deutschen Geldhäuser von den wirtschaftlichen Turbulenzen getroffen werden, in die ihre Kunden wegen der Coronakrise geraten, ist noch schwer zu beurteilen. Denn noch wirken die Finanzhilfen des Bundes und die temporär verlängerte Aussetzung der Insolvenzantragspflicht in vielen kleinen und mittelgroßen Unternehmen stabilisierend.

Doch werden die Insolvenzen und Wertberichtigungen in Zukunft steigen, sagte erst vor ein paar Tagen Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch bei der Vorstellung des Finanzstabilitätsberichts der Notenbank.

Sparkassen könnte in dieser Situation ein Mechanismus helfen, den außerhalb der Finanzgruppe kaum jemand kennt: sogenannte Kreditbaskets. Mit ihnen sichern die Sparkassen Risiken in Milliardenhöhe ab.

Die Baskets funktionieren wie Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit. Zunächst bringen Sparkassen ausgewählte Kreditrisiken in einen Pool ein. Kommt es dann später zu Ausfällen, stehen die am Pool teilnehmenden Sparkassen für die Verluste gemeinsam gerade.

Ende des Jahres werden rund drei Milliarden Euro an Kreditrisiken deutscher Sparkassen über die dann fünf laufenden Kreditbaskets abgesichert sein, erklärte Thomas Steinmeyer, Abteilungsdirektor bei der BayernLB.
„Gerade in der aktuellen wirtschaftlichen Situation, in der viele Institute mit Ausfällen rechnen müssen, kann das sehr hilfreich sein – und wirkt stützend für die Sparkassen-Finanzgruppe'“, sagte er in einem Bloomberg-Interview.

Die einmal pro Jahr aufgelegten Kreditbaskets, die allen Sparkassen offenstehen, werden gemeinsam von der BayernLB und der Helaba verwaltet. Die Pools helfen den Sparkassen, „ihr Risiko über Regionen und Branchen hinweg zu diversifizieren“, sagte Steinmeyer. „Hohe Abschreibungen von Krediten, die auf das Ergebnis drücken, können vermieden werden.“

Bislang hatten unter anderem die 51 Sparkassen aus Baden-Württemberg vor den Folgen der Coronakrise gewarnt. „Unabhängig davon, wie sich die Pandemie weiterentwickeln wird, hat sie schon jetzt ein viel höheres Krisenpotenzial, als es zum Beispiel die Finanzkrise hatte“, sagte Peter Schneider, Präsident des dortigen Sparkassenverbands, Ende Juli.

Auch bei den zwölf größten Banken des Landes, darunter die Deutsche Bank, sind Ausfälle ein Thema. Bei ihnen hatte sich die Risikovorsorge für notleidende Kredite im ersten Halbjahr auf 4,1 Milliarden Euro verfünffacht, zeigte eine Bloomberg-Auswertung.

Alternative zu Kreditausfallversicherungen

Angestoßen wurde die Schaffung der Kreditbaskets einst vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband, der Anfang 2000 den Sparkassen eine Möglichkeit bieten wollte, Firmenkredite gegen Ausfälle abzusichern. „Denn Kreditausfallversicherungen – sogenannte CDS – gibt es nur für sehr große Unternehmen am Markt, nicht aber für den Mittelstand, den die Sparkassen bedienen“, sagte Steinmeyer.

Über die Baskets können die Sparkassen einzelne Risiken über einen Zeitraum von drei, vier oder fünf Jahren absichern. Allerdings wird längst nicht jedes Engagement in die Pools aufgenommen. Die Schuldner müssen eine gewisse Mindestbonität aufweisen, die auch geprüft wird. „Es geht hier nicht darum, unmittelbar ausfallgefährdete Kredite abzusichern“, sagte Steinmeyer.

Seit dem Jahr 2004 sind seinen Angaben zufolge gut 110 Millionen Euro an Kreditausfällen über die Pools ausgeglichen worden. Davon profitierten 36 Sparkassen. Auch in diesem Jahr wird es einen neuen Basket gegeben, voraussichtlich ab November.

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