Oliver Bäte präsentiert Zahlen für 2017 Auf diese fünf heiklen Punkte in der Allianz-Bilanz sollten Sie achten

Am Freitagmorgen präsentiert der Versicherer seine Zahlen für das abgelaufene Jahr. Erwartet wird ein zweistelliger Milliardengewinn.

Beim Umbau des Versicherungsriesen trat Bäte – hier bei seiner ersten Bilanzpressekonferenz als Allianz-Chef 2016 – seit seinem Amtsantritt gewaltig aufs Gas. Quelle: Reuters

MünchenEs hat einen einfachen Grund, dass Oliver Bäte am Freitagmorgen bereits um 8.30 Uhr die Zahlen der Allianz zum abgelaufenen Jahr präsentiert: Er hat einen wichtigen Anschlusstermin. Die Münchener Sicherheitskonferenz startet ebenfalls an diesem Tag nur wenige Fahrminuten von der Allianz-Zentrale entfernt.

Für den Netzwerker Bäte ist die Veranstaltung seit Jahren ein Pflichttermin. Die hohen Sicherheitsvorkehrungen um das Tagungshotel „Bayerischer Hof“ erfordern aber auch von Wirtschaftspromis wie ihm beim Einlass Geduld.

Bäte startet also früh und wird sich zur Unterstützung bei der Vorstellung der Zahlen und der künftigen Strategie gleich drei Vorstände zur Seite holen, die allesamt für die neue Ausrichtung des 128 Jahren alten Versicherers stehen. Die Südafrikanerin Jacqueline Hunt, der Österreicher Günther Thallinger und der Italiener Giulio Terzariol werden mit ihm alles Wichtige rund um die Allianz präsentieren.

Die drei eint, dass sie noch unter 50 Jahre alt und dazu international sehr erfahren sind. Besonders auf Terzariol werden die Augen gerichtet sein. Er ist zwar schon seit 20 Jahren im Haus, trat aber erst zum Jahreswechsel in die großen Fußstapfen seines Vorgängers Dieter Wemmer auf der wichtigen Position des Finanzvorstands.

1. Der Gewinn

Was beim größten europäischen Versicherungsunternehmen 2017 unterm Strich übrigblieb, dürfte auch im vergangenen, einem nicht ganz einfachen Jahr, mehr als auskömmlich ausgefallen sein. Das operative Ergebnis wird im oberen Bereich der Zielspanne von 10,8 Milliarden Euro – plus oder minus 500 Millionen Euro – erwartet. Wer also mit rund elf Milliarden Euro rechnet, liegt sicher nicht falsch.

Etliche Analysten blicken bereits nach vorn und gehen mit ihren Prognosen für das laufende Jahr an die Öffentlichkeit. Die Mehrheitsmeinung bildet dabei Peter Eliot ab, Aktienexperte bei Kepler Cheuvreux. Er rechnet auch in Zukunft mit dem gewohnt konservativen Ausblick des Versicherers. Zumal sich der neue Finanzchef Giulio Terzariol nicht gleich bei seinem ersten großen öffentlichen Auftritt besonders aus dem Fenster lehnen wird.

Analyst Eliot geht deswegen für 2018 von einem operativen Gewinn in Höhe von 11,3 Milliarden Euro aus, dazu ebenfalls wie gewohnt eine Spanne von 500 Millionen Euro rauf oder runter. Eliot selbst ist eine Spur optimistischer und plant mit 11,9 Milliarden Euro.

Entscheidend dafür wird jedoch sein, wie sehr es der Allianz auch in Zukunft gelingen wird, großen Schadensfällen aus dem Weg zu gehen. Das gilt besonders für die teuren Naturkatastrophen. Das gelang zuletzt. Als im vergangenen Spätsommer schwere Stürme über den USA, der Karibik und im Golf von Mexiko wüteten, musste die Allianz lediglich für Schäden in Höhe von 529 Millionen Euro gerade stehen.

2. Die Dividende

Gerade für Allianz-Aktionäre ist die jährliche Gewinnausschüttung oftmals der Grund für ihre langjährige Treue zum Unternehmen. Mit 7,95 Euro je Aktie rechnen Analysten im Schnitt für das abgelaufene Jahr. Zwölf Monate davor konnten sie sich über 7,60 Euro freuen.

Hochgerechnet auf den aktuellen Kurs von knapp 190 Euro je Aktie ergibt sich daraus eine Dividendenrendite von über vier Prozent. Im Vergleich zu den kaum mehr wahrnehmbaren Zinsen bei festverzinslichen Wertpapieren ist das geradezu eine üppige Rendite.

Dass sich an der großzügigen Ausschüttungspolitik in Zukunft etwas ändert, gilt als unwahrscheinlich. Geld ist reichlich in der Kasse, daran dürfte es also nicht scheitern. Die Solvency II-Quote, mit der von der Aufsicht die Finanzkraft eines Versicherers gemessen wird, stieg vom Ende des zweiten bis zum Ende des dritten Quartals von bereits sehr guten 219 Prozent auf 227 Prozent. Durchaus denkbar, dass sie jetzt noch höher steht.


Job-Abbau könnte weiter gehen

3. Der Umbau

Konzernchef Oliver Bäte gilt als einer, dem Bedenkenträger ein Graus sind. Beim Umbau des Versicherungsriesen trat er in den vergangenen Jahren gewaltig aufs Gas. Allein in die Digitalisierung und bessere Online-Angebote steckt der Konzern pro Jahr 650 Millionen Euro.

Bäte selbst gilt als technikaffin und mächtigster Fürsprecher eines oft radikal neuen Denkens. Dass damit langfristig weniger Beschäftigte nötig sind, ist in der Branche jedermann klar – speziell, wenn es um Themen geht wie Schadensbearbeitung oder Verwaltung. Bereits am Freitag könnte es Hinweise und Zahlen zu einem weiteren Job-Abbau geben.

An den Kapitalmärkten erwarten Investoren und Analysten seit längerem Hinweise auf eine größere Übernahme im Bereich Sachversicherung. Leisten könnte sich die Allianz einiges, Konzernchef Bäte bremst angesichts der hohen Preise im Moment jedoch immer wieder zu hoch gesteckte Erwartungen. Die Börsianer schlucken dieses Argument seit geraumer Zeit, wissen sie doch selbst genau, wie überteuert derzeit vieles ist.

Im vergangenen Sommer gab es zumindest die Übernahme des mittelgroßen britischen Sachversicherers Liverpool Victoria für 770 Millionen Euro. Zudem verkündete Bäte die Komplettübernahme des Kreditversicherers Euler Hermes, an dem die Allianz bis dato schon 63 Prozent hielt. Das könnte den Versicherer bis zu 1,85 Milliarden Euro kosten.

4. Die Schwellenländer

Genau wie der Bereich Technik fasziniert Bäte das enorme wirtschaftliche Potenzial von Entwicklungsländern. Beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos vor wenigen Wochen legte er seine Schwerpunkte exakt auf diese beiden Themen und sagte dafür sogar die Einladung zum Abendessen mit US-Präsident Donald Trump ab.

Besonders den afrikanischen Kontinent beobachtet Bäte sehr genau. Der Anteil des Kontinents am gesamten weltweiten Geschäft der Allianz liegt aktuell bei gerade einmal einem halben Prozent.

Schlüssel zu weiterem Wachstum ist die Präsenz in den vier Kernmärkten Ägypten, Marokko, Nigeria und Kenia. Nimmt man das wirtschaftlich starke Südafrika aus, dann sind diese vier Länder für die Hälfte des Versicherungsvolumens der Branche auf dem Kontinent verantwortlich, die andere Hälfte entfällt auf die 49 anderen Länder.

Das Problem der Allianz war indes bis vor kurzem, dass sie nur in Ägypten als Nummer zwei am Markt eine führende Position hatte. In Nigeria und Marokko wurde deswegen zugekauft – in Marokko wurde in diesem Jahr das Geschäft der Zurich Versicherung übernommen. Seither steht die Zentrale für den Kontinent in Casablanca.

In Kenia ist man mit einem hauseigenen Start-up unterwegs, das in diesem Jahr die ersten Policen verkauft hat. Kenia ist dabei der Hub für die weitere Expansion in ganz Ostafrika, also auch in Uganda, Tansania und Ruanda. Dass die Herausforderungen angesichts von Armut, Analphabetismus, Korruption, politischen Risiken und einer oftmals unklaren Rechtslage ganz anders sind als in Westeuropa, versteht sich.

5. Die Kohlebranche

Das Geschäft mit dem ungeliebten fossilen Brennstoff bringt die Allianz immer wieder negativ in die Schlagzeilen. Deswegen erwarten Investoren am Freitag von Oliver Bäte klare Worte zum weiteren Vorgehen in Sachen Kohle.

Immer wieder musste sich der Versicherer zuletzt kritisieren lassen, er würde sich zwar nach außen als Saubermann darstellen, weil keine Eigeninvestments mehr in den fossilen Energieträger fließen. Das Versicherungsgeschäft mit Kohleunternehmen sowie verwaltete Drittgelder von Kunden fließt jedoch weiterhin in diesen klimaschädlichen Bereich.

Zumindest das Versicherungsgeschäft mit Kohleunternehmen könnte deswegen noch in diesem Jahr eingestellt werden, ist von Insidern aus dem Haus zu hören. Das Thema habe intern zuletzt deutlich an Brisanz gewonnen.

Bei der Verwaltung von Kundengeldern, bei der man häufig für andere Großinvestoren tätig ist, ist man jedoch weiter an deren Weisungen gebunden, heißt es. Insofern dürfte sich hier vorerst nichts ändern, so dass diese Gelder auch in Zukunft weiter in Kohleunternehmen fließen werden.

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