Ostdeutsche Institute Die Musterknaben der Sparkassen

Eigentlich müssten die ostdeutschen Sparkassen ähnlich unter dem niedrigen Zinsniveau leiden wie ihre Schwesterinstitute im Westen. Doch irgendetwas läuft bei ihnen anders, wie die Bilanz für das Jahr 2016 zeigt.

Das Logo der Sparkasse Quelle: dpa

Kaum ein Kreditinstitut, das in diesen Tagen seine Zahlen vorlegt, lässt sich die Steilvorlage der Europäischen Zentralbank (EZB) entgehen. Die in der Regel schrumpfenden Gewinne werden mit Niedrigzinsen der EZB begründet. Sparkassen und Volksbanken sind dabei überdurchschnittlich stark betroffen, da bei ihnen der Zinsüberschuss die mit Abstand wichtigste Ertragssäule ist.

Das ist bei den 45 Mitgliedssparkassen des Ostdeutschen Sparkassenverbands (OSV) nicht anders. Aber sie haben es im vergangenen Jahr geschafft, den gesunkenen Zinsüberschuss durch einen deutlich höheren Provisionsüberschuss nahezu auszugleichen. Das ist beispielsweise den ebenfalls gut verdienenden Sparkassen des Verbands Westfalen-Lippe nicht gelungen.

Die höheren Provisionseinnahmen führt OSV-Verbandsgeschäftsführer Wolfgang Zender zum einen auf höhere Gebühren und neue Kontomodelle zurück. Ferner profitierten die Sparkassen von höheren Wertpapierumsätzen und Provisionen aus internetbasierten Diensten.

Deutschlands beste Sparkassen – aus Kundensicht
Platz 10 – Stadtsparkasse AugsburgSo schlimm wie dieser zerstörte Schriftzug andeutet, ist es um das Ansehen der Stadtsparkasse Augsburg nicht bestellt. Im Gegenteil: Das Geldhaus erreicht mit einer Gesamtwertung von 3,62 Punkten Platz zehn der Rangliste, die das Bewertungsportal WhoFinance erhoben und die „Bild am Sonntag“ veröffentlicht hat. Ein Punkt bedeutet im Ranking eine miese Beratung, fünf Punkte sind die Bestnote. Die Ergebnisse der Stadtsparkasse Augsburg im Detail: Altersvorsorge (3,85), Geldanlage (3,88), Baufinanzierung (3,88), Konto & Kredit (3,84). Quelle: DPA
Platz 9 – Sparkasse MainzDas Rheinufer in Mainz: Mit ihren Bewertungen kann sich das Geldinstitut ebenso sehen lassen. Die Gesamtbewertung von 3,65 Punkten setzt sich zusammen aus Altersvorsorge (3,98), Geldanlage (4,17), Baufinanzierung (4,03), Konto & Kredit (3,83). WhoFinance hat mehr als 300.000 Bewertungen in der Datenbank. Für das Ranking wurden dabei Banken mit mindestens zehn bewerteten Filialen und 500 Bewertungen berücksichtigt. Quelle: DPA
Platz 8 – Nassauische SparkasseDie Nassauische Sparkasse hat ihren Hauptsitz in der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden – und schiebt sich mit einer Bewertung von 3,65 Punkten nur knapp am Sparkasse-Nachbarn aus Mainz vorbei. Die Teilbewertungen: Altersvorsorge (3,82), Geldanlage (3,83), Baufinanzierung (3,78), Konto & Kredit (3,82). Hierbei sei angemerkt: Die Gesamtnote ist nicht gleich dem Durchschnitt der Teilnoten. In die Gesamtnote fließt auch die allgemeine Bewertung der Bank ein, da nicht jeder Kunde eine präzise Teilbewertung abgibt. Quelle: PR
Platz 7 – Sparkasse DortmundEine von zwei Sparkassen aus dem Ruhrgebiet unter den Top-Sparkassen: Die Sparkasse Dortmund erreicht eine Gesamtwertung von 3,69 Punkten. Die Teilbewertungen: Altersvorsorge (3,74), Geldanlage (3,68), Baufinanzierung (3,69), Konto & Kredit (3,72). Quelle: DPA
Platz 6 – Sparkasse BielefeldKnapp vor Dortmund kommt Bielefeld: Die dortige Sparkasse wird von ihren Kunden häufig weiterempfohlen. Die Teilbewertungen: Altersvorsorge (3,87), Geldanlage (3,83), Baufinanzierung (3,82), Konto & Kredit (3,87). Quelle: DPA
Platz 5 – AachenDer Aachener Kaiserdom: Die Sparkasse der Stadt an der Grenze zu Belgien überzeugt viele Kunden. Die Gesamtbewertung liegt bei 3,72 Punkten. Besonders mit der Geldanlage scheinen die Bewertenden bei WhoFinance zufrieden: Altersvorsorge (3,89), Geldanlage (3,95), Baufinanzierung (3,80), Konto & Kredit (3,86). Quelle: DPA
Platz 4 – BW BankDie Baden-Württembergische Bank erreicht eine Gesamtwertung von 3,77 Punkten und schrammt damit knapp am Treppchen vorbei. Die Einzelwertungen: Altersvorsorge (3,99), Geldanlage (4,00), Baufinanzierung (3,97), Konto & Kredit (3,94). Quelle: DPA

„Wir sind gut durch das Jahr 2016 gekommen“, sagte Verbandspräsident Michael Ermrich. „Besser als erwartet“, fügte er hinzu. Schon immer gehörten die Sparkassen in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Sachsen zu den Topverdienern unter den Sparkassen. Das durchschnittliche Betriebsergebnis vor Bewertung lag mit 1,3 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau. Um einen Euro Ertrag zu erzielen, müssen die Ost-Sparkassen nur 59,1 Cent aufwenden – auch das ist ein Spitzenwert. Bei den privaten Banken liegt dieser Wert bei etwa 80 Cent.

Das haben die ostdeutschen Sparkassen auch einem straffen Kostenmanagement zu verdanken. So wurden rund 1000 Arbeitsplätze abgebaut, so dass die Zahl der Beschäftigten jetzt bei knapp 21.600 liegt.

Viel weiter spannen lässt sich der Bogen aber wohl nicht. „Weder die Einsparungen bei den Kosten noch der Spielraum bei Preisanhebungen sind grenzenlos wiederholbar“, warnte Ermrich. Zudem haben die ostdeutschen Sparkassen ein Anlageproblem. Die Kundeneinlagen summierten sich im vergangenen Jahr auf 96,3 Milliarden Euro (plus 3,4 Milliarden Euro), während der Kreditbestand um 3,8 Milliarden Euro auf 50,4 Milliarden Euro zulegte.

Die Sparkassen haben also beträchtlichen Anlagebedarf. Und die gut verzinsten Kapitalanlagen laufen aus und können nur zu schlechteren Konditionen angelegt werden. Folglich werden die Zinserträge aus Eigenanlagen sinken.

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