Personalie Bundesbank-Vorstand Dombret tritt ab

Das Bundesbank-Vorstandsmitglied Andreas Dombret scheidet zum 1. Mai 2018 aus dem Führungsgremium der Notenbank aus. Quelle: imago

Das Bundesbank-Vorstandsmitglied strebt nun keine weitere Amtszeit an. Der 58-Jährige hinterlässt bei der Notenbank eine Lücke.

Eines der präsentesten Mitglieder der Bundesbank tritt ab. Der für die Bankenaufsicht zuständige Vorstand Andreas Dombret scheidet mit Ablauf seiner Amtszeit am 1. Mai aus dem Führungsgremium der Notenbank aus.

Der 58-Jährige Deutsch-Amerikaner steht aufgrund seiner Lebensplanung für eine Verlängerung seines Vertrages nicht zur Verfügung, erfuhr das Handelsblatt aus Regierungskreisen. Die Bundesbank bestätigte dies auf Anfrage. „Wir bedauern die Entscheidung von Herrn Dombret und respektieren sie“, sagte ein Sprecher.

Im Umfeld heißt es, dass die Entscheidung seit längerem gereift sei. In den vergangenen Monaten hatte man allerdings durchaus den Eindruck, dass Dombret auch gerne weitergemacht hätte, die Politik jedoch seinen Posten gerne neu besetzen würde.

Die Wegmarken der deutschen Währungsgeschichte
1957: Gründungsjahr der BundesbankAm 1. August tritt die Bundesbank an die Stelle der von den Besatzungsmächten geschaffenen Bank deutscher Länder (im Bild). Das Bundesbank-Gesetz sagt, dass sie keine Weisungen der Politik befolgen muss. Kanzler Konrad Adenauer war gegen diese Unabhängigkeit der Notenbank. Quelle: Deutsche Bundesbank
1967: Die Grundsteinlegung des Gebäudes der ZentraleAm 10. November 1967 wurde der Grundstein für den Neubau des Dienstgebäudes der Deutschen Bundesbank und der heutigen Zentrale in Frankfurt am Main gelegt. Im Hintergrund der damalige Bundesbankpräsident Karl Blessing. Quelle: Deutsche Bundesbank
1971: Die D-Mark wird flexibelNach dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems der festen Wechselkurse gewinnt die Bundesbank geldpolitischen Spielraum. Sie orientiert sich am Konzept des Monetarismus, beobachtet und steuert also vor allem die Geldmenge. Quelle: dpa
1979: Start des Europäischen WährungssystemsAuf Initiative von Helmut Schmidt und Valérie Giscard d´Estaing beschließen acht EU-Staaten, dass ihre Wechselkurse nur in bestimmten Bandbreiten schwanken dürfen und notfalls die Notenbanken intervenieren müssen. Recheneinheit wird die Kunstwährung Ecu. Quelle: AP
1990: Die D-Mark wird gesamtdeutschDie deutsch-deutsche Währungsunion macht die D-Mark zur nationalen Einheitswährung. Die Bundesbank karrt in einem Kraftakt 440 Millionen Banknoten und 102 Millionen Münzen in die neuen Bundesländer. Quelle: dpa
1998: Der Euro kommt IBundeskanzlers Helmut Kohl bei der Gründungsfeier der EZB, 1998 Quelle: Deutsche Bundesbank
1999: Der Euro kommt IIZunächst wird die Gemeinschaftswährung nur als Buchgeld eingeführt. Frankfurt am Main begrüßt den Euro am 01. Januar 1999 mit einer Welcome-Party. Quelle: Deutsche Bundesbank, Matthias Endres

Neben Dombrets Vertrag läuft auch der von Carl-Ludwig Thiele aus. Über die anstehenden Personalien im Vorstand der Notenbank soll Bundesbank-Präsident Jens Weidmann kürzlich mit Bundesfinanzminister Peter Altmaier (CDU) gesprochen haben. Dabei dürfte der Proporz zwischen den politischen Parteien eine große Rolle spielen.

Eine Stelle – seinerzeit auch die von Dombret – wird traditionell von den Bundesländern besetzt. Diesmal kommt es vor allem auf Niedersachsen an: Das Bundesland favorisiert offenbar den CDU-Europapolitiker Burkhard Balz. Da Dombret ebenfalls als CDU-nah gilt, wäre jedoch für beide zusammen wohl kein Platz. Über den zweiten Posten entscheidet die Bundesregierung. Es ist wahrscheinlich, dass die SPD den Posten beanspruchen wird, wenn aus Niedersachsen ein CDU-Mann geschickt wird.

In seiner achtjährigen Amtszeit war Dombret zunächst für den Bereich Finanzstabilität verantwortlich, den er mit aufgebaut hat. Als Sabine Lautenschläger 2014 aus dem Bundesbank-Vorstand ins Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) wechselte, übernahm er von ihr das Schlüsselressort Bankenaufsicht. In dieser Funktion begleitete er den Übergang der größeren Banken in Deutschland unter die Aufsicht der EZB.

Dombret fungierte als eine Art Außenminister der Bundesbank und vertrat die Notenbank oft auch beim Internationalen Währungsfonds. Er hat die Banken früh dazu gemahnt, sich auf die Brexit-Folgen vorzubereiten. Außerdem führte er von deutscher Seite maßgeblich die Verhandlungen über das Regelwerk Basel III zur Regulierung von Banken.

Bei der Bundesbank hinterlässt er eine Lücke. Zum einen, weil er ein wichtiges Sprachrohr der Notenbank in der deutschen Öffentlichkeit war. Zum anderen, weil der Vorstandposten für die Bankenaufsicht besonders sensibel ist. Wenn hier Fehler passieren, haben diese eine besondere Tragweite. Was Dombret nach seiner Tätigkeit bei der Bundesbank machen wird, ist noch nicht bekannt.

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