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Pkw-Maut Wer im Stau steht soll doppelt zahlen

Bisher konnte sich eine Pkw-Maut in Deutschland nicht durchsetzen - doch Logistik-Experten entwickeln bereits Modelle für die Autobahngebühr. Eine neue Studie fordert Maut für alle: wer im Stau steht, zahlt sogar doppelt.

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Stau auf deutscher Autobahn: Wer auf einen einen kaum befahrenen Umweg ausweicht, wird nach dem neuen Maut-Modell belohnt. Quelle: dpa

Düsseldorf Jeder Taxi-Kunde kennt das ärgerliche Gefühl: Die Fahrt geht im Stau nur schleppend voran, aber die Uhr läuft, die Summe steigt. Verkehrsexperte Ralf Jahncke ist Chef der Wiesbadener Beraterfirma für Logistik, Transcare, und als Querdenker in der Branche bekannt: Er will dieses hässliche Gefühl im Taxi künftig allen Autofahrern zumuten.

Jahncke hat in einer Studie ein Szenario entwickelt, wie man mit einer Pkw-Maut den Dauerstau auf deutschen Autobahnen vermindern kann. Sein Kalkül: Wenn im Stau künftig für alle Autofahrer die Uhr tickt und die Kosten steigen, dann suchen sie sich vielleicht das nächste Mal weniger befahrene Wegstrecken, oder sie fahren zu einer günstigeren Zeit.

„MobiTax“, ein Fahrzeugdisplay, ist nach Jahnckes Vorstellungen dabei ein zentrales Steuerungsinstrument. Die Einrichtung im Pkw-Cockpit soll via Satelliten-Information permanent das aktuelle Nutzungsentgelt für die Fahrt anzeigen - wie im Taxi eben. Und das kann teuer werden. Denn wer sich in den Stau stellt, zahlt einen kräftigen Zuschlag - wer dagegen auf einen wenig befahrenen Umweg ausweicht, wird mit Rabatt belohnt. Das ist zwar Zukunftsmusik, löst aber garantiert helle öffentliche Empörung bei Automobilverbänden und Politikern aus.

Doch Jahncke glaubt an sein nach dem Firmensitz benanntes „Wiesbadener Modell“ von einer Maut für Lkw, Pkw und Motorräder, die seiner Meinung nach auf allen deutschen Straßen erhoben werden sollte. Die Fachleute von Transcare haben im Prinzip nur die Fakten auf den Tisch gebracht. „Allein zur Erhaltung der bestehenden Verkehrsinfrastruktur fehlen jährlich drei bis sechs Milliarden Euro“, sagt Jahncke. Riesige Staus zur Rush-hour und chaotische Verkehrsverhältnisse zu Feiertagen und Ferienanfängen gibt es schon heute. Und selbst wenn mehr Geld da wäre, ein weiterer Ausbau der Straßennetze ist kaum noch ökonomisch sinnvoll - es würde Kapazität nur noch für Spitzenstunden geschaffen.


Nur wer wirklich fährt, zahlt

Das Wiesbadener Modell will nun mit der Maut für alle und überall einerseits die Infrastrukturnutzung effizienter machen, andererseits „sozialgerecht“ bezahlen lassen. Dazu soll jeder Autofahrer künftig jederzeit nachvollziehen können, was ihn seine Autofahrt gerade kostet. Das soll „belastungsabhängig“ und „nutzungsabhängig“ geschehen. Also: Nur wer wirklich fährt, zahlt. Und wer durch Engpässe fahren will, muss eben mehr zahlen. Das Gebührensystem soll berücksichtigen, ob mehrere Menschen im Auto sitzen. Und es soll sparsame Fahrzeuge wie Öko-Autos oder E-Mobile begünstigen.

Für Wilhelm Pällmann, vor Jahren Chef der nach ihm benannten Kommission zur Verkehrsinfrastrukturfinanzierung, ist das Wiesbadener Modell eine späte Bestätigung seiner Vorschläge - „neutral und unbeeinflusst von Partei- und Verbandspolitik“. Außerordentlich wichtig sei, so Pällmann, dass der durchschnittliche deutsche Autofahrer bei Nutzung eines weitgehend umweltgerechten Pkws keine Mehrbelastungen habe. Denn die Studie schlägt vor, die KFZ-Steuer und einen kleinen Teil der Energiesteuer durch die Maut zu ersetzen. Autofahrer sollten ihr Verhalten ändern, wenn's ihnen zu teuer werde, sagt Jahncke. Damit tragen sie zur Entzerrung von Verkehrsspitzen bei, vielleicht auch zur Verlagerung etwa auf den öffentlichen Nahverkehr.

Eine „MobiCard“ wäre die Smartcard-Lösung, mit der Alternativ-Angebote von der anderen Streckenführung über den günstigen Park+Ride-Parkplatz bis zum Bus- und Bahn-Ticket geboten werden - ohne dass Automaten-Kleingeld oder gar Tarifkenntnis notwendig wird.

Detthold Aden, Chef des europaweiten Logistikers BLG, lobt, dass die Studie die Forderungen der Verkehrswirtschaft intelligent umsetzt. Die Gesellschaft wünsche sich zwar einen hohen Grad an Mobilität, so Aden, „aber sie wehrt sich gegen die Belastungen des Verkehrs. Dieser Widerspruch muss aufgelöst werden.“

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