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Karriereleiter In vier Schritten zur Wohlfühlstimme

Eine entspannte, tiefe Stimme ist ein Erfolgsfaktor. Und die Wohlfühl-Stimme schont sogar unsere Stimmbänder. So lernen Sie, Ihre Stimme in vier Schritten ganz entspannt auf Wohlfühl-Höhe runtersinken zu lassen.

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Unser Kolumnist Marcus Werner ist Fernsehmoderator und Buchautor und arbeitet als Berater für Kommunikation und Persönlichkeitsentwicklung.

Bevor wir an unserer souveränen Stimme arbeiten, eine Frage vorab: Gehören Sie auch zu denen, die, wenn sie sich selber auf einem Handyvideo sprechen hören, denken: „Ich kann immer noch nicht glauben, dass meine ganze Umwelt mich mit dieser fremden, komischen Stimme hört“?

Ich frage, weil: Ich erinnere mich an die 80er-Jahre, in denen wir als Kinder auf dem Kassettenrekorder die dicke rote Taste und PLAY gleichzeitig runtergedrückt haben, um unsere eigenen Geschichten auf eine Aufnehm-Kassette zu sprechen. Witze oder Märchen und Sketche und so. Wir haben uns damals gewundert: Diese Stimme soll ich sein?

Unsere Stimme klingt für andere anders, als für uns selber. Denn unsere eigene Stimme dringt ja nicht nur wie bei allen, die uns hören, von außen an unser Ohr, sondern sie nimmt noch die Abkürzung innen durch die ganzen Höhlen und Knochen in unserem Schädel bis ins Ohr. Und innen schwingt der Schall eben anders. Wir hören uns also über zwei Wege. Von außen und durch uns hindurch. Das zusammen ergibt die uns vertraute eigene Stimme.

Deshalb setzen sich viele von uns nicht gerne mit dem Klang unserer Stimme auseinander, wie ihn andere hören. Diese äußere Stimme klingt einfach ungewohnt und blöd. Lass mich damit in Ruhe. Meine Stimme ist, wie sie ist. Machen wir uns aber klar: Allen anderen ist diese uns fremde Stimme bestens vertraut. Ihre Kollegen, die Familie, Ihre Freunde, alle werden die Stimme, die nur Sie selbst hören können, niemals kennenlernen. Deshalb: Keine Angst vor der eigenen Stimme aus dem Lautsprecher. Das ist Ihre wahre Stimme in der Welt.

Haben Sie auch keine Scheu, sich selber mit dem Handy aufzuzeichnen, um Ihre eigene Stimme zu verinnerlichen, sie sogar lieb zu gewinnen, und bei Bedarf, auch an ihr zu arbeiten. Die Stimme muss nicht bleiben, wie sie ist. Wir können sie besser machen.

Und das wollen wir gleich tun. Finden Sie Ihre sonore Wohlfühlstimme, die sogenannte Indifferenzlage Ihrer Stimme. Üben Sie dann, auf dieser Lage zu sprechen, schonen Sie damit Ihre Stimmbänder und wirken Sie auch noch kompetenter. Also, wenn das kein tolles Paket voller Vorteile ist, was dann?

Der Klang der Stimme hat eine enorme Macht, wenn es Ihnen darum geht, andere von Ihrem Anliegen zu überzeugen. Und mit einer entspannten, sonoren Stimme setzen Sie sich am besten durch.
Mehrere Studien kommen unterm Strich zu folgenden Ergebnissen:

  • Helle Männerstimmen wirken auf Frauen wie auf Männer eher weich und schwach, tiefe respekteinflößend.

  • Männer mit sonoren Stimmen klingen stark, testosterongesättigt und allein schon körperlich durchsetzungsfähig.

  • Hohe Frauenstimmen lösen eher Beschützerinstinkte bei den Männern aus. Hohe Stimmen bewirken also genau das Gegenteil von dem, was Frauen zusätzliche Autorität verschaffen würde.

  • Aber tiefe Frauenstimmen wirken auf andere selbstbewusst.

Und jetzt kommt der Knaller: Im Vergleich zu früher ist die durchschnittliche Stimmhöhe der Frauen signifikant tiefer geworden. Das beweist eine Studie der Uni Leipzig. Früher galt: Die männliche Stimme schwingt weltweit im Durchschnitt bei 110 Hertz, die der Frauen bei 220 Hertz, sprich eine Oktave höher. Die Uni Leipzig konnte aber durch eine Stimmfeldmessung zeigen, dass die Frauen heute im Schnitt nun mit 165 Hertz sprechen; der Abstand zur männlichen Stimme hat sich mittlerweile also halbiert. Das habe keine biologischen Gründe, sondern gesellschaftliche. Wer erfolgreich und selbstbewusst ist, spricht tiefer. Und heute sind Frauen gerade in den westlichen Gesellschaften ja selbstbestimmt und selbstbewusster als noch vor Jahrzehnten. Die tiefsten Stimmen haben heute übrigens die Skandinavierinnen. Und die leben in besonders fortschrittlichen Gesellschaften.

Ist das nicht unglaublich? Mehr Selbstbewusstsein führt direkt zu einer tieferen Stimme. Und deshalb ist umgekehrt klar: Hat jemand eine tiefere Stimme, klingt er selbstbewusster. Machen wir also einen Haken dran: Tief ist gut.

Tief heißt aber nicht knödelig, gepresst, mit den Kinn angezogen an den Kehlkopf, mit so einer Benjamin-Blümchen-Stimme. Sondern entspannt tief. Die Stimme soll immer echt sein. Unverstellt. Sie sollen dahinterstehen. Jeder so, wie es bei ihm locker klingt.

Es geht uns jetzt also nicht darum, die Stimme runter zu pressen. Sondern das Gute ist: Die meisten von uns haben locker Potenzial nach unten und können ihre Stimme entspannt fallen lassen. Denn wir reden oftmals im Alltag unentspannt hoch, wegen Stress, weil wir laut klingen wollen, weil wir denken, dass wir dann sympathischer wirken oder weil wir unentspannt atmen. Und all das müssen wir einfach nur sein lassen. Das schont dann auch die Stimmbänder, gerade, wenn wir lange vor anderen reden. Unsere Stimme kracht nicht mehr weg und unser Kehlkopf tut dann nach langer Rede nicht mehr weh.

Einfach mal „Mmmmmmmmmh“ üben

Finden wir jetzt also endlich unsere Wohlfühlstimme. Die Indifferenzlage unserer Stimme. Und da kommen jetzt Stimmübungen auf Sie zu. Genießen Sie die, genieren Sie sich nicht und haben Sie einfach Spaß. Es geht los.

Schritt 1
Was für ein Geräusch machen wir, wenn wir unser Lieblingsgericht vor uns auf dem Teller haben und dürfen gleich reinhauen? Genau: Mmmmmmmmmh!

Machen Sie dieses Geräusch mal. So richtig wohlig aus dem Bauch raus. Mmmmmmmmmmh! Lieber tiefer als höher. Nicht zu leise. Und gerne lang. Gönnen Sie sich den Spaß - auch wenn das ungewohnt ist für Sie. Wenn Sie hören wollen, wie das bei mir klingt, dann klicken Sie in den Podcast rein. Nochmal. Schön lang. Mmmmmmmmh!

Schritt 2
Finden Sie innerhalb dieses Mmmmmmmmh eine schöne tiefe Stelle mit einem Ton, von dem Sie sagen: Der kommt so richtig schön locker raus. Mmmmmmh! Das könnte dann schon Ihr persönlicher Wohlfühlton sein. Ihre Indifferenzlage. Herzlichen Glückwunsch! Erhöhen Sie dann den Ton leicht und senken Sie ihn. Und achten Sie mal genau darauf, wie sich Ihr Kehlkopf dabei anfühlt. Spüren Sie, dass es sich irgendwie mühsamer anfühlt, den Ton zu erhöhen? Oder ihn künstlich zu senken? So, als würde Spannung in Ihren Kehlkopf einziehen? Dann schnell zurück zum Wohlfühlton. Spüren Sie, wie sich der Kehlkopf wieder entspannt? Dann liegen Sie richtig. Dann ist Ihr Mmmmmmh mit ziemlicher Sicherheit Ihr Wohlfühlton.

Schritt 3
Sprechen Sie zur Übung konsequent in Ihrem Wohlfühlton. Auf dieser einen Tonhöhe wie ein Roboter. Aber natürlich nicht so blechern sondern ganz warm und entspannt und sonor. Irgendwas. Sie sind ja allein. Wie geht es mir? Worauf freue ich mich? „Mmmmmmmmmh. Ich finde es faszinierend, dass ich gerade bewusst in meiner Wohlfühltonstimme spreche. Das fühlt sich toll an und ganz entspannt und tief und souverän. Wenn auch etwas monoton.“ Machen Sie das ruhig mal eine Minute lang.

Nutzen Sie immer mal wieder ruhige Momente, um das alles zu üben. Den lockeren tiefen Ton aufgabeln und dann in dieser Stimmhöhe monoton sprechen. Und immer überprüfen: Knödele ich jetzt gepresst nach unten oder ziehe ich unnötig nach oben weg? Wenn ja, dann ganz entspannt zurück. So lernen Sie, schnell in Ihre Indifferenzlage zu finden.

Schritt 4
Setzen Sie Ihren Wohlfühlton im Alltag ein. Ein typischer Moment dafür ist der am Telefon. Wenn wir dem anderen, der gerade redet, durch ein kurzes aufsteigendes Mmm-Hm signalisieren: Ich bin noch dran, interessant, interessant. Mmm-Hm im Sinne von Aha.

Dieses Mmm-Hm beginnt im Idealfall auf Ihrem Wohlfühlton und wird zum Ende hin höher. Hören Sie sich das im Karriereleiter-Podcast an. Dann erkennen Sie genau, was ich meine. Und daran merken wir: Der Wohlfühlton ist unsere Tonhöhen-Basis, von der wir natürlich munter hoch und runter wandern können. Wie im fassungslos gesprochenen Satz: „Das darf doch wohl nicht wahr sein.“ Dieser Satz schwingt schön auf dem Wohlfühlton. Aber bei „wahr“ ziehen wir hoch. Das Wort „Sein“ sinkt dann wieder auf den Wohlfühlton runter. Und so kann es auch bei allem anderem laufen, was wir den ganzen Tag sagen. Wir schwingen drüber und drunter. Aber die Indifferenzlage ist unser wohliges stimmliches Zuhause.

So! Alle Übungen können Sie jetzt mit einer Audio-Recorder-App aufzeichnen. Beim iPhone heißt diese App „Sprachmemos“, bei Android zum Beispiel „Diktiergerät“. Trauen Sie sich und hören Sie sich mit einem Schmunzeln selbst bei der Wohlfühlton-Suche zu. Lesen Sie sich selber Texte vor, improvisieren Sie irgendwas, schwingen Sie entspannt um den Wohlfühlton. Und hören Sie sich das einfach mal an.

Machen Sie Ihren Wohlfühlton zu Ihrem Freund im Berufsalltag. Der Sie stärker, souveräner, kompetenter und erfolgreicher wirken lässt. Was Sie dann erfolgreicher werden lässt. Und schonen Sie ganz nebenher Ihre Stimmbänder. Viel Erfolg und bis bald.

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