WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Karriereleiter So gelingt der perfekte Einstieg in die Präsentation

Wenn Sie Ihr Publikum von vorne herein maximal mitreißen wollen, um es von Ihrem Standpunkt zu überzeugen, dann verzaubern Sie es mit einem gekonnten originellen Einstieg. Damit schaffen Sie sofort Aufmerksamkeit.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:


Unser Kolumnist Marcus Werner ist Fernsehmoderator und Buchautor und arbeitet als Berater für Kommunikation und Persönlichkeitsentwicklung.

Mit dem Einstieg in einen tollen Vortrag ist das ja immer so eine Sache. Meistens ginge der viel besser. Aber wie bei so vielen Dingen, die man nicht studiert sondern sich nebenher angeeignet hat, haben wir uns auch beim Einstieg in eine Präsentation angewöhnt, es so zu machen, wie es unsere Lehrer, die Profs und die erfahrenen Kolleginnen immer schon vorgemacht haben. So verharren wir im Alten. Und bleiben unter unseren Möglichkeiten.

Denn beim Aufbau unseres Vortrages darf auf keinen Fall der Maßstab sein: Wie werde ich den Erwartungen der anderen gerecht? Wenn wir so denken, dann wird unser großer Auftritt eben erwartbar. Das beeindruckt keinen.

Machen wir uns immer und immer wieder klar, wozu wir uns überhaupt die Mühe machen, uns stundenlang vorzubereiten und uns dann vor Publikum dem Stress auszusetzen, von allen angestarrt zu werden: Wir wollen alle überzeugen. Wir wollen, dass alle sagen: Jaaaa! 

Hätte sich im Laufe der Jahrzehnte in Abermillionen von Vorträgen auf der ganzen Welt herausgestellt, dass wir mit dem Erwartbaren am besten überzeugen, dann sollten wir immer genau das liefern, was alle sich schon denken können. 

Aber das ist ja nicht so. Wer Erwartbares liefert, langweilt. Und wer gelangweilt ist, schweift gedanklich ab und hört nicht mehr zu. Dann kommen unsere Botschaften schlicht nicht mehr an. Wir könnten dann genauso lächelnd schweigen und die Bürokekse auf dem Konferenztisch vor uns aufessen.

Schlimm ist auch: Wer langweilt, verspielt seine Autorität. Überprüfen wir uns selber: Erinnern Sie sich an eine Situation im Leben, in der Sie gesagt haben: Der oder die war zwar langweilig, aber ich fand den und die richtig überzeugend? So! Das Prädikat „langweilig“ ist ein Makel. Wer langweilt, verspielt unnötig Reputation. Inhaltlich mag alles richtig sein, aber es zündet nicht. Es überzeugt die Leute nicht richtig. 

Wie aber verhindern wir, dass wir die anderen einlullen und damit nicht mehr überzeugen?

Die Zuhörer müssen uns 1. an den Lippen kleben und 2. das, was wir sagen, toll finden. Diese Aufteilung ist aber eigentlich klar. Wer direkt anfängt, die Anwesenden der Reihe nach zu beleidigen oder zu ohrfeigen, der wird ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit ernten, aber die Leute werden dies nicht sonderlich mögen. 

Graben wir uns also mal gedanklich rein: Wie steigen wir optimal ein? 

Ich würde es so machen. Fragen wir uns: Wie läuft ein üblicher Einstieg? Und dann versuchen wir, es anders zu machen, um die Aufmerksamkeit der Zuhörer von der ersten Sekunde an zu ergattern. Nach dem Motto: Das ist ja mal was anderes. 

Also, wie läuft es üblicherweise?

„Ja, guten Tag, meine Damen und Herren, ich freue mich, dass Sie mich eingeladen haben. Erlauben Sie mir, dass ich mich erst einmal vorstelle…“ 

Und dann kommen 90 Sekunden zu „Wer bin ich?“ als der erste Aspekt Ihres Überzeugungsangriffs. Das bedeutet also, Sie glauben: Die Leute wissen nicht, wer Sie sind, und ohne das zu wissen, glauben die Ihnen kein Wort. Weil Ihnen deshalb die Autorität als Redner fehlt. Es muss erst einmal Ihre Glaubwürdigkeit aufgebaut werden. 

Stellen Sie sich vor, ein Modell läuft über den Laufsteg und muss dazu sagen: „Ich bin hier, weil ich gut aussehe.“

Nein. Wir kennen den Effekt aus den Casting-Shows im Fernsehen. Da kommt ein No Name auf die Bühne, stellt sich ans Mikrofon, fängt an zu singen und innerhalb von drei Sekunden jubelt das Publikum. Überzeugt! Da wird gerade ein Stern geboren. Völlig egal, wie der heißt, wo der herkommt oder was der für ein Abschlusszeugnis hat. 

Wenn wir uns erst einmal rechtfertigen müssen dafür, dass wir hier reden dürfen, dann läuft etwas schief. Deshalb: Sorgen Sie vor. Damit Sie entspannt den perfekten ersten Aufschlag hinlegen können, versorgen Sie vorab, wenn nötig auf anderem Weg, die Zuhörer mit den nötigen Infos über Sie. Lassen Sie die Fakten etwa vorab auf der Leinwand einblenden, bevor Sie auf die Bühne gehen. Oder noch besser: Bitten Sie den Gastgeber, ein paar Worte darüber zu verlieren, warum genau Sie die Rednerin oder der Redner der Stunde sind. Seien Sie nicht zu bescheiden: Schreiben Sie dem Gastgeber das gerne dezidiert auf. Das ist nicht eitel, das ist professionell im Sinne Ihres Anliegens. 

Allerdings lässt sich das im Alltag nicht immer so schön eintüten. Das gebe ich zu. Dann also doch erstmal eine Kurzvita vorab? Denken wir mal schräg (und damit wird es spannend): Was, wenn Sie wie der Sänger in der Show als No Name anfangen und in kürzester Zeit sich alle fragen: Wer ist das eigentlich, der mich da so mitreißt? Wäre das so schlimm?

Ich hatte diese Situation vor etwa einem Jahr. Ich hatte die Aufgabe, vor der Führungsriege eines großen deutschen Konzerns eine Keynote zum Thema Veränderungs-Management zu halten. Einem Teil des Publikums war ich ein Begriff, einem anderen Teil nicht. Locker vorab vereinbart war deshalb, dass mich der Gastgeber kurz vorstellt. Aber dann hatte der sich das offenbar spontan anders überlegt, vielleicht hatte er auch einfach vergessen, sich zwei, drei Dinge aufzuschreiben. Auf der Bühne hat er zumindest gesagt: „Marcus, stellen Sie sich doch einfach am besten selber kurz vor.“

Und dann hat er mich auf die Bühne gewunken. Jetzt musste ich schnell entscheiden: Einstieg umwerfen und mich selber erklären? Ich habe mich dann anders entschieden. Ich habe dann etwas gesagt wie: „Komme ich gleich zu“ und habe dann angefangen, wie ich es vorhatte. In der Hoffnung, die Leute merken schnell: Das ist ein Kommunikations-Fritze, der weiß, wovon er redet. Und erst nach und nach habe ich dann ein paar Infos einfließen lassen, die erklärt haben, was ich sonst so mache im Sinne von: „Wenn ich sonst Workshops zum Thema Kundenkommunikation gebe…“ oder „wenn ich mit Leuten Kameratraining mache…“ und so weiter. 

Auf diese Weise umgehen auch Sie die Selbst-Inszenierung vorab. Und haben Luft für Spannenderes.

 

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%