Nepals Hauptstadt stark getroffen Mehr als 1000 Tote bei Himalaya-Erdbeben

Schweres Erdbeben mit vielen Toten im Himalaya: Vor allem Nepals Hauptstadt Kathmandu wird hart getroffen. Die heftigen Erdstöße waren auch in Indien, China, Pakistan und Bangladesch zu spüren.

Die größten Naturkatastrophen der letzten Jahre
HagupitTaifun „Hagupit“ tobt mit heftigen Winden und starken Regenfällen auf den Philippinen. Nur quälend langsam zieht der Sturm Richtung Westen und hinterlässt im Durchzugsgebiet erhebliche Zerstörung. Millionen Menschen waren ohne Strom. Nach einer ersten Bilanz der Katastrophenbehörden machten sich die Massenevakuierungen aber bezahlt. Allerdings sei eine Frau in Catarman auf der Insel Samar ertrunken, teilten sie mit. Zwei weitere Todesopfer wurden gemeldet, diese hatten aber nicht unmittelbar mit dem Taifun zu tun. Unter ihnen war ein Mädchen, das nach hohem Fieber in einem Notaufnahmelager starb. Zwei Menschen seien verletzt worden, als ein Baum auf ihr Moped stürzte. „Hagupit“ war in der Nacht zu Sonntag (Ortszeit) bei Dolores in Samar an Land gekommen. Quelle: dpa
HaiyanRund 110 Kilometer südlich bei Guiuan war Taifun „Haiyan“ am 8. November 2013 angekommen und hatte bei der Überquerung des Inselstaates in einer mehr als 100 Kilometer breiten Schneise schwere Verwüstungen angerichtet. 6300 Tote und fast 1000 Vermisste ließ der Sturm zurück. Nach „Haiyan“ hatten Zehntausende Überlebende tagelang vergeblich auf Hilfe gewartet. Quelle: AP
Zyklon EvanDer Zyklon Evan hat im Dezember 2012 im pazifischen Inselstaat Samoa Zerstörungen angerichtet. Sturmböen und starker Regen peitschten nach Angaben von Augenzeugen den ganzen Freitag über die Hauptstadt Apia. Dort hatte Evan innerhalb von 24 Stunden Hunderte Bäume entwurzelt und Strommasten umgerissen. Drei Menschen kamen Medienberichten zufolge ums Leben. Zwei von ihnen sind Kinder, die ein reißender Strom fortriss. Quelle: dapd
Hurrican SandyDer Wirbelsturm Sandy tobt im Oktober 2012 über den Osten der USA. Etliche Gebäude wurden zerstört, zwischenzeitlich viel in großen Teilen für mehrere Tage der Strom aus. Etwa 120 Menschen kamen ums Leben. Quelle: dapd
März 2011: Das schwerste Erdbeben in der Geschichte Japans und ein Tsunami haben Zerstörungen unabsehbaren Ausmaßes angerichtet. Experten sprechen bei dem Erdbeben, das mit einer Stärke von 8,9 das Land erschütterte, von einem der stärksten seit Menschengedenken. Das japanische Erdbeben ist jüngste Naturkatastrophe der vergangenen zehn Jahre. In Chile, Haiti, China, Indien und Pakistan kosteten Beben und Flutwellen immer wieder unzählige Menschenleben Quelle: dpa
August 2011: Während des heißen Sommers brennen in Russland große Flächen auf dem Land. Zwischenzeitlich brachen über 250 neue Feuer an nur einem Tag aus, 174.000 Hektar brannten nieder. Quelle: dpa
Erst kürzlich am 22. Februar 2011 erschütterte ein Erdbeben in der zweitgrößten neuseeländischen Stadt Christchurch die Erde. Etwa 10.000 Häuser sind nach dem Beben abbruchreif, 100.000 weitere beschädigt. Bislang wurden 166 Tote geborgen. Quelle: dpa
Januar 2010: In Australien stehen große Landesteile nach einer Jahrhundertflut unter Wasser. Die heftigen Niederschläge im Bundesland Queensland kosteten mindestens 30 Menschen das Leben. Mehrere hunderttausend Menschen mussten aufgrund der weitläufigen Überschwemmungen evakuiert werden. Quelle: dpa
Das schlimmste Erdbeben der Neuzeit ereignete sich am 12. Januar 2010 in Haiti. Das Beben um die Region der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince kostete 222.570 Menschen das Leben. Ein Drittel der etwa zehn Millionen zählenden Bevölkerung Haitis war vom Beben unmittelbar beeinträchtigt, etwa zwei Millionen Menschen wurden infolge des größten Bebens in der Geschichte Südamerikas obdachlos. Quelle: dpa
Mai 2008: Das Erdbeben in der chinesischen Provinz Sichuan war mit einer Stärke von 7,9 das stärkste Beben in China in den vergangenen 30 Jahren und kostete 84.000 Menschen das Leben. Quelle: AP
Mai 2008: Der Zyklon Nargis riss in Myanmar offiziell 80.000 Menschen in den Tod. Schätzungen gehen sogar von bis zu 128.000 Verstorbenen aus. Quelle: AP
Im Oktober 2005 wurden Pakistan und Indien von einem schweren Erdbeben heimgesucht. Eines der schwersten Erdbeben in der Geschichte der beiden Länder sorgt für mehr als 80.000 Tote. Quelle: REUTERS
Im August 2005 brechen in New Orleans infolge des Hurrikans Katrina die Dämme. In kurzer Zeit werden 80 Prozent der Stadt von den Wellen überflutet. Infolge der Katastrophe verließen die meisten Bewohner New Orleans, die Stadt glich daraufhin einer Geisterstadt. Quelle: dapd
Weihnachten 2004: Im indischen Ozean vor der Küste Sumatras sorgt ein Erdbeben der Stärke 9 für eine Folge von Tsunamis. Die Wellen haben Auswirkungen in Indonesien, Sri Lanka, Indien, Thailand, Myanmar, die Malediven, Malaysia und Bangladesch und selbst noch in Nordostafrika. Die Tsunamis sorgten für eine der größten Katastrophen in der Geschichte und rissen mehr als 230.000 Menschen in den Tod. Quelle: AP

Im Himalaya hat ein gewaltiges Erdbeben Hunderte Menschen das Leben gekostet. Allein in Nepal wurden nach offiziellen Angaben mindestens 600 Menschen getötet und mehr als 400 Menschen verletzt, als überall im Land Häuser in sich zusammenstürzten. Auch im angrenzenden Indien, in der chinesischen Region Tibet und in Bangladesch waren Tote zu beklagen. Nach Angaben des Deutschen Geoforschungszentrums (GFZ) in Potsdam und der US-Erdbebenwarte hatte der Erdstoß am Samstag eine Stärke von 7,8. Es kam zu Nachbeben. Erste Hilfsmaßnahmen sind angelaufen.

Am schwersten betroffen war die 700 000 Einwohner zählende nepalesische Hauptstadt Kathmandu. Das Epizentrum des Bebens lag laut GFZ nur etwa 80 Kilometer entfernt, in etwa 18 Kilometern Tiefe. Überall in der Stadt stürmten die Menschen auf die Straßen. Nach Augenzeugenberichten trauten sie sich stundenlang nicht in ihre Häuser zurück, weil Nachbeben den ganzen Nachmittag über die Erde weiter erzittern ließen. Vor allem alte Gebäude, Gemäuer und historische Tempel stürzten ein. Der Verkehr kam zum Erliegen, weil die Straßen aufrissen.

„Wir fürchten, dass noch viele Menschen unter alten Häusern und Gebäuden begraben sind“, sagte Nepals Innenministeriumssprecher Laxmi Dhakal der Deutschen Presse-Agentur. Wegen des Erdbebens löste sich eine Lawine am Mount Everest und verschüttete mehrere Bergsteiger. Zunächst sei unklar gewesen, wie viele Kletterer betroffen waren, sagte Tempa Tsheri Sherpa von der Organisation Dreamers Destination. Indische Behörden sprachen von vier Toten auf indischer Seite. In China starb laut staatlichen Medien eine 83-Jährige, als ihr Haus einstürzte. Auch in Bangladesch kam eine Frau ums Leben. 25 Textilarbeiterinnen wurden nach offiziellen Angaben außerdem verletzt, als sie aus ihrer Fabrik in Savar vor den Toren der Hauptstadt Dhaka flüchteten. Aus Pakistan wurden zunächst keine Toten gemeldet.

Der kulturell wichtige Durbar-Platz im Zentrum Kathmandus - ein Unesco-Weltkulturerbe - sei nicht mehr wiederzuerkennen, sagte der Autor Kashish Das Shrestha von vor Ort. Er twitterte Bilder, auf denen nur noch Holzhaufen zu sehen sind, wo einst historische Gebäude standen. Auch der neunstöckige Dharahara-Turm, der schon einmal durch ein Erdbeben beschädigt wurde, sei in sich zusammengestürzt. „Wir haben uns schon so lange vor dem großen Beben gefürchtet“, sagte Liz Satow, Nepal-Büroleiterin der Hilfsorganisation World Vision. Nun sei es eingetreten. Die Betroffene Pooja Lama sagte nach einem Telefonat in ihren nepalesischen Heimatort Ranipauwa, ihr Haus sei komplett zerstört. „Aber immerhin sind wir am Leben.“

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Nepals einziger internationaler Flughafen, der wegen der Nachbeben zwischenzeitlich geschlossen war, wurde am Nachmittag teilweise wieder geöffnet. Indiens Luftwaffe schicke ein Flugzeug mit Nahrungsmitteln, Wasser, Rettungsausrüstung, Spürhunden, Ärzten und Krankenpflegern, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Neu Delhi. Auch aus Deutschland kamen erste Hilfszusagen: Man werde sofort ein medizinisches Einsatzteam auf den Weg bringen, teilte die Hilfsorganisation aus Kaufbeuren am Samstag mit. „Unsere Erfahrung zeigt, dass es bei Beben dieser gewaltigen Stärke sofort zu handeln gilt“, sagte der Leiter der Not- und Katastrophehilfe, Raphael Marcus, laut Mitteilung. Weil viele Menschen in sehr instabilen Häusern lebten, könne das Erdbeben für die Region weiterhin schlimme Folgen haben.

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