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100 Prozent Grupp Deutschland sollte Amerika mit Vorsicht genießen

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Probleme mit dem neuen Insolvenzrecht

Über diese Themen streiten sich Europa und die USA
Ein Fracht-Container wird in eine Airbus-Maschine gleaden Quelle: AP
NSA-AbhörskandalWegen der Bespitzelung von europäischen Politikern durch den US-Geheimdienst NSA will Frankreich - ohnehin schwierigster Partner bei den Verhandlungen um die Freihandelszone - die Gespräche vorerst auf Eis legen. Den Franzosen schwebt eine mindestens zweiwöchige Verhandlungspause vor, um alle Informationen, die bislang vorliegen, auszuwerten. Der französische Präsident François Hollande forderte ein sofortiges Ende des Lauschangriffs. „Wir können ein solches Verhalten nicht hinnehmen“, sagte er. Weitere Gespräche will er erst führen, wenn die USA garantiere, die Bespitzelungen einzustellen. "Wir wissen, dass es Systeme gibt, die kontrollieren müssen, unter anderem im Kampf gegen den Terrorismus. Aber ich denke nicht, dass dieses Risiko in unseren Botschaften oder der Europäischen Union besteht", so Hollande. Quelle: dpa
Tim Cook spricht auf einer Pressekonferenz Quelle: REUTERS
Ein chinesischer June begrüßt ein landendes Flugzeug Quelle: REUTERS
US Soldaten Quelle: REUTERS
US-Dollar-Scheine werden gezählt Quelle: REUTERS
Iraner feiern auf der Straße nachdem sich das Fußball-Team für die WM qualifiziert hat Quelle: AP

Wer nach einer Pleite fröhlich weitermacht, verdient meiner Meinung nach keineswegs die Hochachtung des Publikums, wie uns seit ein paar Jahren von den USA aus suggeriert wird. So einer hat ganz viele andere geschädigt, Banken und ihre Sparer, Geldgeber, Lieferanten, Arbeitnehmer, die Steuerzahler. Eine Hymne auf jemanden, der dessen ungeachtet ein neues Business startet, ist nicht nur unangebracht. Sie verkehrt sogar ein Grundprinzip der Marktwirtschaft, nämlich in guten Zeiten Gewinne einstreichen zu dürfen und in schlechten für das Misslingen einzutreten. Wer erkennt, dass sein Geschäft nichts mehr bringt, muss es aus eigener Kraft abwickeln und darf seine Verluste nicht durch den Gang zum Insolvenzgericht anderen vor die Füße werfen. Ich bin dagegen, für die Gläubiger kein Mitleid haben zu sollen und stattdessen den Pleitier zu bewundern, wenn er etwas Neues anfängt. Das hat für mich mit gesunden Menschenverstand nichts tun.

Darum habe ich auch meine Probleme mit dem neuen Insolvenzrecht, das  sogar den bisherigen Managern erlaubt, ein zahlungsunfähiges Unternehmen in Eigenverwaltung weiterzuführen und Schulden auf die Allgemeinheit abzuladen. Auch das kommt aus den USA, wo es ja den sogenannten Chapter 11, also den Paragraphen im Insolvenzecht, der Unternehmen vor allem vor den Gläubigern schützt und dem Management hilft, Verpflichtungen los zu werden.

Derlei verkennt den Kern der Pleite, nämlich dass deren Folgen weit über die Schäden für die unmittelbar Betroffenen hinaus. Nehmen wir den Bankrott des schwäbischen Unterwäscheherstellers Schiesser in Radolfzell am Bodensee 2009. In der Insolvenz konnte das Unternehmen problemlos von den ehemals 3.500 Mitarbeitern die restlichen 400 Mitarbeiter hinauswerfen sowie alle Pensionsverpflichtungen loswerden. Gleichzeitig wurde das Warenlager zu Niedrigstpreisen verschleudert.

Wer wie ich mit Trigema im Markt blieb, litt unter der unfairen Konkurrenz. Als ich meine Pensionsverpflichtungen reduzieren musste, blieb mir nur die Pensionskasse einzustellen. Dadurch sparte ich aber nur neue Verpflichtungen. Meinen bis dahin aufgelaufenen Verpflichtungen muss ich selbstverständlich weiter nachkommen, zudem muss ich weiter in den Sicherheitsfonds der deutschen Wirtschaft einzahlen und so für die alten Verpflichtungen von Schiesser mit aufkommen. Dass ein Unternehmen aus Israel Schiesser 2012 für ein paar Euro kaufen und weiterführen konnte, ist keine bewundernswerte Leistung, sondern ein Coup auf Kosten vieler anderer. Das hat mit Marktwirtschaft nichts zu tun.

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