WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

100 Tage vor der Wahl Amerika auf Crashkurs

Die Wirtschaft lahmt, die Zahl der Arbeitslosen stagniert und immer mehr Städte kollabieren aufgrund ihrer Schuldenlast. Auch für den Bund sieht es 100 Tage vor der Präsidentschaftswahl immer bedrohlicher aus. Kann die Supermacht den Kollaps noch verhindern?

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Amerika verliert an Glanz. Das amerikanische Wort in der Welt verliert an Gewicht, zudem sind zwischen Kalifornien und New York zig Städte und Staaten in finanzieller Not. Quelle: dpa

Das Dokument des Scheiterns ist 211 Seiten dick. In alphabetischer Reihenfolge sind dort die mehr als 5000 Gläubiger notiert, denen die kalifornische Stadt Stockton Geld schuldet. Darunter sind Schuldner wie die US-Bank Wells Fargo, die mehr als 250 Millionen US-Dollar bekommt, das Bau-Unternehmen CC Meyers, dem die Stadt 18,5 Millionen Dollar schuldet, aber auch eine Firma namens Elk Grove, die eine offene Rechnung in Höhe von zwei Dollar angibt.

Insgesamt ist die Küstenstadt, die 140 Kilometer östlich von San Francisco liegt, mit 700 Millionen Dollar verschuldet. Eine Summe, die Stockton nicht mehr begleichen kann. Vor wenigen Wochen erklärte die Stadt ihre Zahlungsunfähigkeit. Mit ihren fast 300.000 Einwohnern ist es die größte Stadt der USA, die je für bankrott erklärt werden musste. Inzwischen verhandelt die Stadt mit ihren Gläubigern über einen Schuldenschnitt.

Das dicke Ende droht

Stockton ist mehr als ein Einzelfall. Zig Städte in den USA sind hoffnungslos überschuldet. Auch Bundesstaaten wie Kalifornien oder Florida stehen vor der Pleite. Und der Zentralstaat muss inzwischen im Jahresrhythmus die Schuldenobergrenze anheben, um über die Aufnahme neuer Schulden seine Rechnungen begleichen zu können. Die USA, die Supermacht der vergangenen 60 Jahre, stehen mit über 15 Billionen US-Dollar in der Kreide. Nun droht das dicke Ende.

Wissenswertes über die USA

In 100 Tagen wird ein neuer Präsident gewählt. Vieles spricht dafür, dass mit der Wahl die letzten Tage der USA als Supermacht anbrechen. Denn direkt mit dem Amtsantritt muss der neue Mann im Weißen Haus das erste große Problem umschiffen, den "fiscal cliff" – also das Auslaufen von Steuerbegünstigungen bei gleichzeitigem Eintreten von drastischen Etatkürzungen im öffentlichen Haushalt.

Rasenmäher-Methode bedroht die Wirtschaft

Rückblick: Im November 2011 konnte sich das "Super-Komitee", eine Gruppe von Demokraten und Republikanern, nicht über einen Sparplan über 1,5 Billionen US-Dollar einigen. Kommt keine neue Bewegung in die Diskussion, treten im Januar kommenden Jahres automatische Haushaltskürzungen in Kraft. Per Rasenmäher-Methode werden bis auf wenige Ausnahmen alle Etats gekürzt – im Sozialen genauso wie beim Militär. Und das zu einer Zeit, zu der auch Steuervergünstigungen auslaufen.

"Es ist offensichtlich, dass das politische System in den USA nicht mehr funktioniert – Kongress und Präsident blockieren sich gegenseitig", sagt Josef Braml, USA-Experte der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, der die prekäre wirtschaftliche und politische Lage der USA in dem Buch "Der amerikanische Patient" (Siedler-Verlag) analysiert hat. "Die Gräben zwischen Republikanern und Demokraten sind sehr tief. Ich sehe nicht, dass sich die Parteien noch einigen – obwohl klar ist, dass die Rasenmäher-Methode sehr viel von der Wirtschaftskraft nehmen wird."

Dramatisch hohe Arbeitslosigkeit

Eine Frau wird in einem Job-Center in New York beraten Quelle: dpa

Werden die Steuerprogramme nicht verlängert, droht eine zusätzliche Belastung des Staatshaushaltes von insgesamt rund 600 Milliarden Dollar Anfang 2013. Im Durchschnitt würden rund 80 Prozent der US-Haushalte mit einem Steueraufschlag von 3700 Dollar rechnen müssen, erklärt der Thinktank Tax Policy Center aus Washington. US-Starökonom Nouriel Roubini schätzt, dass der "fiscal cliff" das Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr um 4,5 Prozent nach unten reißen könnte. Amerika wäre damit innerhalb von drei Jahren zum zweiten Mal in der Rezession – und laut Moody’s auch sein Triple-A-Rating los.

Für die US-Wirtschaft kommt dieses Droh-Szenario zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Mit einem Wachstum von lediglich zwei Prozent hat die US-Konjunktur bereits im ersten Halbjahr 2012 deutlich an Tempo verloren. Noch im zweiten Halbjahr 2011 hat das Plus bei 2,5 Prozent gelegen. Noch schlimmer sieht es auf dem Arbeitsmarkt aus. Hier gibt es gar keine positive Entwicklung. Die Arbeitslosenquoten stagniert bei 8,2 Prozent – für US-Verhältnisse eine schmerzlich hohe Zahl.

Die größten Pleitekandidaten der USA

"Wenn man genau hinschaut, ist die Quote sogar noch deutlich höher. Die Statistiken sind geschönt", sagt Braml. Langzeitarbeitslose und Jung-Erwachsene, die umschulen, würden etwa gar nicht erfasst. "Die wahre Arbeitslosigkeit liegt zwischen 16 und 18 Prozent", so Braml.

"Der Export funktioniert nicht"

"Die Arbeitslosigkeit ist so hoch, weil der Export nicht wie gewünscht funktioniert und immer mehr Jobs ins Ausland verlagert werden", erklärt Martin Thunert, Dozent und Politikwissenschaftler am Center for American Studies (HCA) der Universität Heidelberg. Durch die Euro-Krise fragt vor allem Europa deutlich weniger Produkte nach als noch vor zwei Jahren. Die Exporte von Waren und Dienstleistungen amerikanischer Unternehmen in die Europäische Union sind im April um 11,1 Prozent auf 22,3 Milliarden Dollar eingebrochen. "Die Europäische Union ist der zweitgrößte Markt für die US-Exporteure. Deshalb fleht US-Präsident Barack Obama die Europäer ja auch förmlich an, die Schuldenkrise in den Griff zu bekommen", so Thunert.

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Die USA sind noch immer der dynamischte Markt der Welt. Unternehmen wie Apple und Google werden weltweit bewundert. Die Absolventen der Elite-Universitäten sind innovativ und mutig. Der technische Fortschritt in der Welt ist nach wie vor "made in USA". Amerika steht nicht vor dem Niedergang im griechischen Stil, doch das Land muss sich auf tief greifende Veränderungen einstellen.

App-Branche boomt, doch Jobs entstehen woanders

Passanten gehen über die Starßen der kalifornischen Stadt Stockton Quelle: REUTERS

So hat sich zwischen Kalifornien und New York eine ganze App-Branche entwickelt, die inzwischen bis zu 300.000 Jobs sichert. Doch Fakt ist auch: Die Jobs, die hier entstehen, können nicht annähernd die Arbeitsplätze ersetzen, die in der klassischen Industrie weggefallen sind. "Die Margen kommen nur einer kleinen Elite zugute", sagt Braml. "Die meisten, schlechter ausgebildeten Amerikaner haben nichts vom Erfolg der High-Tech-Branche."

Siehe Apple: Der Konzern beschäftigt nach eigenen Angaben rund 47.000 Angestellte in den USA, aber 70.000 im Ausland, allen voran beim Produzenten Foxconn. "In der High-Tech-Branche haben die USA weltweit führende Firmen. Aber die Produktion findet im Ausland statt", unterstreicht Thunert. "Obama hat versucht mit finanziellen Anreizen gegenzulenken, aber das wird das Problem nicht lösen. Die Produktion wird nicht zurückkommen."

Die größten US-Konzerne – und wie viele Jobs sie stellen

Wie sich eine hohe Arbeitslosigkeit auf die Gesellschaft auswirkt, zeigt sich in Stockton. Zu Beginn des Jahrtausends hatte die heutige Pleite-Stadt einen Boom erlebt. Durch die gute Anbindung ans Verkehrsnetz und günstige Lage zwischen San Francisco und Sacramento siedelten sich viele Unternehmen in der Stadt an, insbesondere Logistikunternehmen. Die Häuserpreise schossen von 2000 bis 2006 auf das Vierfache in die Höhe, die Verwaltung verbuchte stetig steigende Steuereinnahmen. Stockton nahm das Geld in die Hand, lieh sich zusätzliche 300 Millionen Dollar und baute Parks, eine Uferpromenade und ein neues Verwaltungsgebäude.

"Die elendste Stadt der USA"

Doch noch ehe die städtischen Angestellten an ihren neuen Arbeitsort umziehen konnten, erreichte die Rezession die kalifornische Stadt. Firmen gingen insolvent, die Arbeitslosigkeit stieg 2008 innerhalb weniger Monate auf mehr 15 Prozent. Die Immobilienblase, die im ganzen Land platzte, machte auch vor Stockton nicht halt. Im Gegenteil: Die Stadt wies die zweithöchste Rate von Haus- und Grund-Verpfändungen auf.

Bürgermeisterin Ann Johnston, die im Januar 2009 ihr Amt antrat, musste überall den Rotstift ansetzen. In der Verwaltung wurde fast jeder zweiter Job abgebaut, bei der Polizei und Feuerwehr wurde jede vierte Stelle gestrichen. 90 Millionen Dollar konnten eingespart werden. Doch gleichzeitig drehte sich die Negativ-Spirale weiter. Noch mehr Menschen wurden arbeitslos, die Steuereinnahmen brachen weiter ein – und die Kriminalität nahm dramatisch zu. Die Zahl der Morde stieg 2010 um fast 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, das US-Magazin "Forbes" wählte Stockton im vergangenen Jahr zur "elendsten Stadt der USA".

Infrastruktur in erbärmlichen Zustand

Was aus Obamas Wahlversprechen wurde
Die Schließung von Guantánamo  Die USA zogen nach den Anschlägen vom 11. September in den „Krieg gegen den Terror“ – und verloren ihren moralischen Kompass. So wurde unter anderem der US-Navy-Stützpunkt Guantánamo Bay auf Kuba um ein Internierungslager erweitert, indem in Spitzenzeiten mehr als 1000 Insassen festgehalten wurden. Ohne Gerichtsverfahren, ohne ihre Rechte als Kriegsgefangene.  Laut FBI-Bericht wurden Häftlinge und deren Angehörige bedroht, mit Schlafentzug mürbe gemacht und mit Koran-Schändungen provoziert. Und: Waterboarding, eine Verhörmethode, bei der der Eindruck des Ertränkens erzeugt wird, sei regelmäßig angewendet worden, so das FBI.  „Wir werden Guantánamo schließen“, versprach Barack Obama im Wahlkampf 2007/2008. Quelle: dapd
Die Schließung von Guantánamo  Unmittelbar nach seiner Vereidigung zum US-Präsidenten ließ Barack Obama alle laufenden Militärgerichtsverfahren gegen Insassen des kubanischen Lagers für 120 Tage aussetzen, um sie zu überprüfen. Zudem ordnete er die Schließung des Militärgefängnisses auf Guantánamo Bay innerhalb eines Jahres an.  Dazu ist es nie gekommen. Zuerst verweigerte der Senat die Bewilligung von Geldern zur Schließung, anschließend gibt es weder im In- noch im Ausland große Bereitschaft, die Gefangenen aufzunehmen. Noch heute werden mindestens 170 Gefangene auf Guantánamo Bay festgehalten, Obamas Wahlversprechen ist gescheitert. Quelle: AP
Eine Krankenversicherung für alle Amerikaner  Es ist – zumindest aus europäischer Sicht – unvorstellbar, dass noch 2009, zu Beginn von Barack Obamas Amtzeit, 47 Millionen US-Bürger keine Krankenversicherung besitzen. Arztbesuche können sich diese Menschen nicht leisten; immer wieder bieten Ärzte in Stadt- und Turnhallen ehrenamtlich Massen-Untersuchungen an, um eine Grundversorgung zu gewährleisten. Zustände, wie in einem Entwicklungsland.  Barack Obama will das ändern. Er verspricht, sich an eine Gesundheitsreform zu wagen, an der vor ihm bereits sieben Präsidenten gescheitert sind. Eine Krankenversicherung soll keine Ausnahme für Wohlhabende mehr sein. Quelle: dpa
Eine Krankenversicherung für alle Amerikaner  Nach zwei Jahren und unzähligen Verhandlungen gelingt Barack Obama im März 2010 sein größter innenpolitischer Erfolg: Nach dem Senat billigte auch das Repräsentantenhaus mit 219 zu 212 Stimmen seine Gesundheitsreform.  Sie ist im Vergleich zu Obamas Entwurf abgemildert. Aber: 32 Millionen bislang unversicherte Amerikaner werden bis 2013 eine Absicherung im Krankheitsfall bekommen. Damit wären dann 95 Prozent aller US-Bürger krankenversichert. Die Kosten für den Staat belaufen sich nach Schätzungen der unabhängigen Budget-Behörde in den kommenden zehn Jahren auf rund 940 Milliarden Dollar (696 Milliarden Euro). Sie sollen durch Steuererhöhungen von Besserverdienenden größtenteils gedeckt werden. Quelle: Reuters
Beendigung des Irak-KriegsSchon früh lehnte Obama einen Krieg gegen den Irak ab. „Ich weiß, dass eine Invasion im Irak ohne klare Begründung und ohne starke internationale Unterstützung nur die Feuer des Nahen Ostens anfachen wird, die schlechtesten statt der besten Antriebe der arabischen Welt fördern und den Rekrutierungsarm der al-Qaida stärken wird“, sagte der damals noch weitgehend unbekannte Obama 2002 bei einer Antikriegskundgebung. „Ich bin nicht gegen alle Kriege. Ich bin gegen dumme Kriege.“ Für ihn ist im Wahlkampf fünf Jahre später klar: Der (falsche) Irak-Krieg muss beendet werden. Quelle: Reuters
Beendigung des Irak-KriegsIm Februar 2009, Obama ist gut vier Wochen im Amt, kündigt er den Abzug der US-Truppen innerhalb von 18 Monaten an. Noch im Sommer 2009 verlassen die ersten Kampftruppen die irakische Hauptstadt Bagdad, Ende August 2010 ziehen die restliche Truppen ab. Nur noch wenige US-Soldaten sind zum Schutz der Botschaft und zur Ausbildung des Militärs im Land. Quelle: dpa
Bekämpfung der Staatsschulden  Im Wahlkampf 2008 rissen die USA die Schuldengrenze von 10 Billionen US-Dollar. Die beiden Kriege in Afghanistan und im Irak, sowie Steuersenkungen und Konjunkturprogramme hatten die Staatsverschuldung in die Höhe schießen lassen. Obama versprach im Wahlkampf, die Ausgaben stärker zu überwachen und Staatsschulden abzubauen, indem staatliche Einnahmeneinbußen durch Einsparungen in anderen Haushaltsetats ausgeglichen werden. Quelle: dpa

"Wir sehen erste Gemeinden und Städte, die Konkurs gehen. Wir werden mehr davon sehen", wagt USA-Experte Josef Braml eine düstere Prognose. "Die zweite Zeitbombe, die neben der untragbaren Verschuldung Washingtons tickt, sind die Belastungen der Bundesstaaten. Es gibt viele Staatsangestellte, die nicht abgesichert sind für die Zukunft. Sie haben zwar Rentenansprüche. Aber die Einzelstaaten haben keine oder kaum Rücklagen."

Betroffen sind vor allem die bevölkerungsreichen Bundesstaaten wie Kalifornien, Florida und Illinois, aber auch Minnesota und Connecticut. Staaten, die überwiegend von Demokraten regiert werden. "Die großen Länder sind keine Zugpferde mehr – mit einer Ausnahme: das republikanische Texas", sagt Wissenschaftler Martin Thunert. Zwischen Dallas und Houston profitieren Unternehmen und Bürger von Ölvorkommen, einer hohen Universitätsdichte und niedrigen Steuern. "Texas macht eine ziemlich angebotsorientierte Politik. Behörden und Richtlinien werden eher als störend empfunden", sagt Thunert. "Da hat auch keiner schlaflose Nächte, wenn ein Teil der Bürger mal nicht krankenversichert ist."

Republikaner sehen sich bestätigt

Für die Republikaner ist Texas der Beweis, dass sich der Staat größtenteils aus der Wirtschaft und aus dem Leben des Einzelnen rauszuhalten hat. Das Problem: In Staaten, in denen die Rahmenbedingungen nicht stimmen, droht der Verfall. Insbesondere die Infrastruktur ist nahezu im ganzen Land im erbärmlichen Zustand. Ein Drittel aller Hauptstraßen sind in keinem guten Zustand, 36 aller städtischen Autobahnen gelten als ständig überlastet. Viele öffentliche Schulen sind dringend sanierungsbedürftig. Die Stromversorgung ist wegen der oberirdisch liegenden Kabel extrem anfällig. Und: Mehr als ein Viertel der 600.000 Brücken im Land gelten nicht mehr als bedingungslos sicher, 160.000 gelten sogar als einsturzgefährdet. Dennoch setzt etwa der Bundesstaat Texas nur sieben Ingenieure für die Überwachung seiner mehr als 7400 Dämme ein.

Die größten Infrastruktur-Mängel in den USA

"Die Infrastruktur ist ein großes Problem. Da müssen die USA viel machen. Doch die Politik blockiert sich", sagt Thunert. "Die Republikaner glauben, dass solche Sachen die Probleme der Einzelstaaten sind. Sie machen es dem Bund schwer, die Infrastruktur zu bereinigen."

Eine Besserung der Lage ist nicht in Sicht. Zumal auch das Ausland immer weniger bereit ist, Amerikas Leben auf Pump zu finanzieren.

Das amerikanische Wort in der Welt verliert an Gewicht

Von der Taube zum Falken
Irak-KriegObama war stets ein Gegner der Irak-Invasion, und im Wahkampf 2008 versprach er, den Krieg zu beenden. Er hielt Wort: Ende 2011 zogen die letzten US-Kampftruppen aus dem Irak ab.  Quelle: dpa
Afghanistan-KriegNachdem er noch einmal die Truppenanzahl verstärkt hatte, legte Obama erstmals einen Plan für das Ende des Afghanistan-Kriegs vor: Bis zum Jahr 2014 sollen US-Kampftruppen das Land am Hindukusch verlassen haben. Quelle: dapd
Kampf gegen den TerrorMit ähnlicher Härte wie Vorgänger George W. Bush geht Obama gegen Al-Kaida vor: Durch Drohnen-Attacken und Kommandoaktionen in Afghanistan, Pakistan und im Jemen wurde die Führungsstruktur des Terrornetzwerks geschwächt. Obamas Devise: Mit Al-Kaida kann man nicht verhandeln. Quelle: AP
Osama bin LadenEs ist der größte außenpolitische Erfolg des US-Präsidenten: Im Mai spürten ein Spezialkommando der US-Armee den Al-Kaida-Chef in Pakistan auf und tötete den Staatsfeind Nummer eins. Obama ordnete den riskanten Einsatz persönlich an, gegen den Rat seiner engsten Berater. Quelle: dapd
GuantanamoZwar beendete Obama kurz nach seiner Amtsübernahme wie versprochen die Folter als Verhörmethode der CIA und stoppte sowohl die Entführungen von Terrorverdächtigen aus anderen Ländern als auch die geheimen Gefängnisse des Geheidienstes. Doch ein Wahlversprechen ist noch immer offen: Der Präsident schaffte es nicht, das Gefangenenlager Guantanamo zu schließen. Oder er wollte es nicht. Quelle: dapd
Iran-KonfliktObama spart nicht mit kräftiger Rethorik, wenn es darum geht, den Iran vor dem mutmaßlichen Bau einer Atombombe zu warnen. Doch Teheran setzt sein Programm unbeirrt fort – und die US-Regierung muss zuschauen. Cyber-Attacken mit dem Computervirus Stuxnet, das aus US-Laboren stammen soll, immerhin haben Irans Atomanlagen offenbar empfindlich geschädigt.  Quelle: dpa
Nahost-Politik                               Die politischen Gegner werfen Obama vor, sich im Iran-Konflikt nicht klar genug um die Sorgen Israels zu kümmern. Überhaupt ist das Verhältnis zwischen dem US-Präsidenten und dem jüdischen Staat nicht unkompliziert: Der Amerikaner und Israels Premier verstehen sich nicht, die Lage im Nahostkonflikt hat sich in Obamas erster Amtszeit nicht gerade verbessert.   Quelle: Reuters

"Ich denke, dass Chinas und Japans Vertrauen in die wirtschaftliche und politische Lage der USA schwindet", sagt Josef Braml. "Ich sehe Diversifizierungs-Bestrebungen der Asiaten, die Währungsreserven nicht mehr alle ins amerikanische Dollar-Körbchen zu legen, sondern in der eigenen Region zu belassen und damit mittel- bis langfristig den Renminbi neben dem Euro als weitere Alternative zum Dollar aufzubauen. Ein weiteres Zeichen: China und Japan haben vereinbart, Handelsgeschäfte nicht mehr über den Dollar, sondern in ihren eigenen Währungen abzuwickeln."

Druck auf China, etwa durch Kritik an der Abschottung des Landes wie sie Präsidentschaftskandidat Mitt Romney zuletzt häufiger geäußert hat, sei da kontraproduktiv. "Wie oft können Sie Ihrem Banker, dem Sie eine Menge Geld schulden vor das Schienbein treten, ohne Ärger zu bekommen? Im Ernst: Es gibt eine große gegenseitige Abhängigkeit zwischen den USA und China. Die Länder müssen sich arrangieren und aufpassen, dass das leckgeschlagene Boot, in dem sie beide sitzen, nicht kentert", sagt Braml.

Die größten Gläubiger der USA
Der Schuldenberg der USA wächst und wächst. Inzwischen ist die 15-Billionen-Dollar-Marke locker geknackt. Mit rund einem Drittel der Summe steht Washington im Ausland in der Schuld. Staaten und Investoren aus aller Welt halten (Stand Mai 2012) US-Staatsanleihen im Wert von mehr als fünf Billionen US-Dollar. Dem südlichen Nachbar der USA, Mexiko, schuldete die größte Volkswirtschaft der Welt im Mai nach Angaben des US-Finanzministeriums 46,3 Milliarden US-Dollar. Innerhalb von zwölf Monaten haben die Mexikaner ihren Besitz an US-Schuldscheinen fast verdoppelt: Vor einem Jahr hatte Mexiko noch US-Anleihen im Wert von 27,7 Milliarden US-Dollar im Portfolio. Quelle: REUTERS
Obama, Merkel Quelle: dpa
Schweizer Flagge Quelle: REUTERS
Obama, Putin Quelle: dpa
Flagge Großbritannien Quelle: dpa
Meer vor Nassau Quelle: dapd
Brasilien entwickelt sich immer mehr zu einer Wirtschaftsmacht. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs 2010 um 5,5 Prozent. Die heimische Währung hingegen macht Probleme: Der Real verteuerte sich zunehmend gegenüber dem US-Dollar. Zwischen Ende 2008 und Oktober 2010 wurde der Real um 38 Prozent aufgewertet. Die Zentralbank erhöhte daraufhin ihre Dollarbestände um ein Viertel auf über 270 Milliarden Dollar. Das Land besitzt derzeit US-Staatsanleihen im Wert von 243,4 Milliarden US-Dollar, der Wert steigt konstant. Brasilien liegt damit auf Rang 4. Quelle: dapd

Die ökonomischen Probleme der USA haben längst auch politische Konsequenzen. Auf den Konflikt zwischen Israel und dem Iran, auf die bürgerkriegsähnliche Situation in Syrien oder auf die Lösung der Schuldenkrise haben die Vereinigten Staaten erkennbar weniger Einfluss als früher. Ist die Supermacht vom Entscheider zum Beobachter geworden? "Das amerikanische Wort hat in der Welt nach wie vor Gewicht. Aber das Gewicht war schon mal größer", sagt Braml.

„Unterschätzen sollte man die USA nicht“

Fest steht: Die USA halten sich außenpolitisch merklich zurück – solange nicht die Sicherheitsinteressen des Landes bedroht sind. "Die USA sind vom Interventionismus eines George W. Bushs abgerückt. Sie wollen nicht mehr alles alleine machen", sagt Thunert. "Doch unterschätzen sollen man Amerika nicht." Militärisch ist das Land noch immer weltweit führend. Konventionell, aber auch in Bereich des Drohnenkrieges und des Cyberwar.

Doch jenseits der militärischen Überlegenheit gilt: Solange die Wirtschaft schwächelt, die Arbeitslosigkeit stagniert und der Schuldenkollaps droht, sind die USA in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt und bringen sich um ihren guten Ruf.

Bringt Fracking die Wende?

Mit der Fördertechnik Fracking wird bei Pennsylvania Erdgas gefördert Quelle: dpa

Um tatsächlich ein Comeback zu schaffen, brauchen die Vereinigten Staaten viel Glück – oder viel Öl. Dank der Fördertechnik "Fracking", kann Erdgas und Erdöl aus bisher unerreichten Gesteinsschichten gewonnen werden. In North und South Dakota oder in Montana haben Geologen in tiefen Schichten des Landes Öl- und Gasvorkommen in großen Mengen gefunden.

Erschließen die Amerikaner weiter so schnell neue Quellen wie zuletzt, könnte das Land gar zu einem Erdölproduzenten aufsteigen, hofft man in den USA. "Für rosige Szenarien gibt es keinen Anlass", erwidert Braml. "Alles, was man vom Ölrausch hört, ist Wunschdenken." Es sei längst nicht klar, wie viel Öl tatsächlich und zu welchem die Wirtschaft gefährdenden höheren Preisen gefördert werden könne und welche umweltschädigenden Auswirkungen das mit Chemikalien unterstützte Bohren insbesondere auf das Trinkwasser habe.

„Die Zeiten sind vorbei, in denen eine Nation den Ton angibt“

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

"Bis auf Weiteres bleiben die USA, insbesondere deren Transportsektor und Wirtschaft, in höchstem Maße von Erdöl abhängig, das nach wie vor zu einem sehr hohen wirtschaftlichen und militärischen Preis aus instabilen Weltregionen importiert werden muss," erläutert Braml.

Bei Erdgas seien die Aussichten, dass Fracking die Förderung dauerhaft erhöht, in der Tat besser. Aber: "Erdgas war vorher kein Problem und wird es auch in Zukunft nicht sein", so Braml.

Ist damit das Ende der USA als Supermacht besiegelt? "Die Zeiten sind vorbei, in denen eine einzige Nation in allen Bereichen – also militärisch, politisch, kulturell und ökonomisch – den Ton angibt", sagt Michael Thunert. "Amerikas Vorsprung und Macht schmilzen, gleichzeitig sehe ich aber keine andere Nation, die an die Stelle der USA tritt."

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%