Afghanistan Taliban zielen auf US-Verteidigungsminister

Bei einem Überraschungsbesuch von US-Verteidigungsminister Mattis in Afghanistan fliegen Granaten: Extremisten beschießen den Flughafen von Kabul. Die USA antworten mit einem Luftangriff. Die Opfer: Zivilisten.

Der Tatort am Mittwochabend: Nach dem Angriff in Kabul halten afghanische Sicherheitskräfte Wache. Quelle: Reuters

KabulAm Rande des Besuchs von Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg und US-Verteidigungsminister James Mattis in Afghanistan sind bei Feuergefechten mehrere Menschen getötet und verletzt worden. Sowohl die Taliban als auch der IS bekannten sich zu dem Anschlag. Ziel sei das Flugzeug von Mattis gewesen, twitterte ein Talibansprecher. Der IS ließ über sein Sprachrohr Amak verlauten, Kämpfer hätten den militärischen Teil des Flughafens angegriffen, darunter „mehrere Flugzeuge“ (in der arabischen Version hieß es: „einen US-Jet“).

Die Extremisten griffen am Mittwoch den Internationalen Flughafen von Kabul mit Mörsergranaten an. Bei einem Gegenangriff der USA wurden versehentlich mehrere Zivilisten verletzt.

Mattis und Stoltenberg waren nicht in Gefahr, sie trafen sich zu diesem Zeitpunkt bereits mit Präsident Aschraf Ghani in der Hauptstadt. Auch das Flugzeug des US-Ministers wurde nicht beschädigt. Eine Afghanin wurde allerdings getötet und elf weitere Menschen wurden verletzt. Vier Angreifer seien in einem anschließenden Feuergefecht getötet worden, teilte das Innenministerium mit.

Das US-Militär erklärte später, es habe mit einem Luftangriff reagiert. „Tragischerweise hatte eine der Raketen eine Fehlfunktion“, hieß es. Mehre Menschen seien verletzt worden. Ob es auch Tote gegeben hatte, war unklar.

Das hochkarätige Ziel des Angriffs machte deutlich, wie gefährlich die Taliban nach wie vor sind. Mattis und Stoltenberg versicherten Afghanistan ihre dauerhafte Unterstützung. Das Land dürfe nicht wieder zum Rückzugsgebiet für internationale Terroristen verkommen, erklärten sie bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Ghani. Stoltenberg und Mattis waren unter anderem nach Kabul gekommen, um die neue, vor einem Monat von US-Präsident Donald Trump verkündete Afghanistanstrategie der USA sowie den verstärkten Nato-Einsatz auch dort vorzustellen.

Die US-Strategie sieht nach Jahren des Abzugs von internationalen Soldaten nun eine Aufstockung von mindestens 3000 US-Soldaten vor. Auch viele Nato-Länder hätten eine Verstärkung ihrer Kontingente versprochen, sagte Nato-Chef Stoltenberg. Eine Gesamtzahl wollte er aber auch in Kabul nicht preisgeben.

Die Sicherheitslage hat sich zuletzt deutlich verschlechtert. Die radikalislamischen Taliban sollen mittlerweile wieder rund elf Prozent des Landes kontrollieren. Weitere 30 Prozent sind umkämpft. „Wir geben diesen Kampf nicht auf“, sagte Mattis.

Unterdessen wurden bei einer weiteren Taliban-Attacke im Westen des Landes zehn Polizisten getötet. Fast 300 Taliban-Kämpfer hätten in der Provinz Farha einen Polizeiposten attackiert, sagte Bezirksgouverneur Hakim Nuri. Die Gefechte, die am Dienstagabend begonnen hatten, dauerten auch am Mittwoch noch an. Die Gegend sei von den Angreifern vermint worden, damit die Soldaten dort keine Verstärkung bekämen, sagte Nuri.

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