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Afrika Ägypten wirbt um Investoren

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Im Technischen Quelle: dpa/dpaweb

44 Prozent der erwachsenen Ägypter im Alter von mehr als 14 Jahren waren nach Unesco-Angaben 2005 Analphabeten; nur in 3 der 21 Mitgliedstaaten der Arabischen Liga war das Ergebnis schlechter, selbst in den afrikanischen Staaten südlich der Sahara sah es im Durchschnitt besser aus. Niemand in Kairo glaubt, dass sich in den vergangenen Jahren viel verändert hat. „Wenn ein Taxifahrer fünf Mal so viel verdient wie ein Grundschullehrer, dürfen Sie sich über die vielen Analphabeten nicht wundern“, sagt ein junger ägyptischer Ökonom im Staatsdienst. Doch Wirtschaftswachstum und unternehmerfreundliches Klima in Ägypten sind unter Präsident Mubarak und seinem Ministerpräsidenten Ahmad Nazif generell mit Gehaltskürzungen für den immer noch aufgeblähten Staatsdienst erkauft worden.

Schulbildung mangelhaft

Inzwischen scheint aber die Einsicht zu wachsen, dass zumindest die mangelnde Schulbildung der ägyptischen Unterschicht zum Hemmschuh für weiteres Wachstum wird. Der neue Bildungsminister Ahmed Zaki Badr hat die Einstellung besser ausgebildeter und gut bezahlter Lehrer versprochen.

Die meisten Ägypter sehen darin aber keine Bildungspolitik, sondern Teil des Versprechens, Geld unter die Armen zu bringen. Der inzwischen 82-jährige, gesundheitlich angeschlagene Präsident Mubarak hat vor ein paar Wochen bei einem seiner seltenen Auftritte im Fernsehen versprochen, den staatlich festgesetzten Mindestlohn zu erhöhen – von 35 auf 1200 ägyptische Pfund im Monat. Viel Eindruck auf die zunehmend protest- und streikbereite Unterschicht hat das nicht gemacht. Der bisherige Mindestlohn entsprach fünf Euro, der neue 170 Euro. Der amerikanische Nahostexperte Joel Beinin von der Stanford University beobachtet in Ägypten eine wachsende Zahl von Streiks – „die größte derartige Bewegung in der gesamten arabischen Welt seit dem Zweiten Weltkrieg“.

Ägyptens wirtschaftlich liberales und politisch autoritäres System braucht dringend neue Energie. So wie bisher wird es nicht lange weitergehen: Nächstes Jahr müsste sich Präsident Mubarak der Wiederwahl stellen. Ob er es tun wird, weiß derzeit wahrscheinlich noch nicht einmal er selbst.

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