WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Afrika-Gipfel Obama: „Ein neues Afrika entsteht“

Die USA wittern in Afrika das große Geschäft. Obama will die US-Firmen zur Tränke treiben. Andere Themen werden beim Afrika-Gipfel in Washington kleingeschrieben - auch die Menschenrechte.

Die USA will Milliarden in Afrika investieren. Quelle: dpa

US-Präsident Barack Obama und Dutzende afrikanische Staats- und Regierungschefs haben zum Ende ihres dreitägigen Treffens über die Hauptgefahren für wirtschaftlichen Fortschritt in Afrika beraten: die schlechte Sicherheitslage und Regierungskorruption. Obwohl der Kontinent mit großen Herausforderungen konfrontiert sei, entstehe ein neues Afrika, sagte Obama im Außenministerium in Washington.

Die Diskussionen über Sicherheit in Afrika sollen sich nach den Worten Obamas darauf konzentrieren, dass die afrikanischen Regierungen über stärkere eigene Friedensmissionen und Anti-Terror-Einheiten verfügen und dadurch nicht mehr auf teure Hilfe von außen angewiesen sind.

Während des dreitägigen Gipfels in Washington hatte Obama immer wieder das Potenzial des Kontinents für die US-Wirtschaft betont und am Dienstag auch Investitionen amerikanischer Konzerne in Höhe von 33 Milliarden Dollar über die nächsten Jahre angekündigt. Allerdings fürchten US-Regierungsvertreter, dass das Geld dort durch Konflikte, wie etwa den blutigen Aufstand der Terrororganisation Boko Haram in Nigeria, oder die Korruption innerhalb der Behörden versickern könnte.

Fünf Präsidenten als Hoffnung Afrikas
Äthiopien: Hailemariam Desalegn BoscheHoffen: Die Industrialisierung ist in vollem Gange, im vergangenen Jahr eröffnete die erste chinesische Schuhfabrik. In der Hauptstadt Addis Abeba steht die erste Medikamentenfabrik Afrikas. Außerdem investiert das isländische Unternehmen Reyhjavik Geothermal rund 4 Milliarden Dollar in ein Geothermieprojekt zur Gewinnung von Erdwärme. Bangen: Das Binnenland im Osten Afrikas hat mehr als 94 Millionen Einwohner, rund ein Sechstel mehr als Deutschland. Einer von drei Äthiopiern muss mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen, das ist ein geringer teil im Vergleich zu anderen Sub-Saharastaaten. Allerdings sind nur 39 Prozent der Bevölkerung alphabetisiert. Quelle: dpa
Nigeria: Goodluck Ebele JonathanHoffen: Nigeria ist die größte Volkswirtschaft Afrikas, die Wirtschaftsleistung beträgt ein Siebtel von der in Deutschland. Das westafrikanische Land hält 2,5 Prozent der weltweiten Gasvorkommen und ist mit einigen Unternehmen schon im Portfolio von Fondsmanagern. Bangen: Die Terrorsekte Boko Haram sorgt im Nordosten Nigerias für Angst und Schrecken. Die Handelszentren sind von den Kämpfen jedoch nicht betroffen. Quelle: action press
Kenia: Uhuru KenyattaHoffen: Kenia ist auf dem Weg, das wirtschaftliche Drehkreuz der Sub-Sahara zu werden. Nicht nur für Öl und Gas, sondern auch für Logistik und Produktion. H&M lässt in dem ostafrikanischen Land Kleidung nähen. IBM hat hier sein erstes afrikanisches Forschungszentrum eröffnet und hofft, in Kenia das Bezahlen per Smartphone voranzutreiben. Bangen: 70 Prozent der Bevölkerung sind jünger als 25 Jahre und neun von zehn können lesen und schreiben. Nur, wenn mehr ausländische Investitionen kommen, wird es genug Arbeit für die jungen Afrikaner geben. Quelle: dpa
Demokratische Republik Kongo: Joseph KabilaHoffen: Sie heißt "Inga" und ist das weltgrößte Wasserkraftwerk. Wenn das Werk läuft, könnte es günstig Strom erzeugen, für 2 Cent pro Kilowattstunde. Elektrizität ist die knappste Ressource in Afrika. Ab 2020 soll die Produktion voll ausgeschöpft werden. Bangen: Der bewaffnete Konflikt hält an und die Bevölkerung hat gerade einmal eine durchschnittliche Lebenserwartung von 50 Jahren. Quelle: AP
Mosambik: Armando Emílio GuebuzaHoffen: Das Nachbarland von Südafrika belegt zwar nur Platz 178 von 187 im "Doing Business Report" über das Geschäftsklima. Aber Mosambik hat eine der größten Kohlevorkommen der Welt und könnte das Ruhrgebiet Afrikas werden. Außerdem investiert Finnland aktuell zwei Milliarden Dollar zur Erschließung von Waldflächen. Bangen: Das politische Risiko ist hoch, gerade vor den Wahlen im Oktober dieses Jahres. Die Bevölkerung hofft auf eine Beteiligung am Wirtschaftswachstum, bisher liegt das jährliche Durchschnittseinkommen bei 650 Dollar. Quelle: imago/Xinhua

Auf dem Kontinent sind Experten zufolge sechs der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt zu Hause, in etlichen Ländern gibt es eine rapide wachsende Mittelschicht mit wachsender Kaufkraft.

Doch sei das US-Handelsvolumen mit dem ganzen Kontinent in etwa so groß wie jenes mit Brasilien, sagte Obama am Dienstag. Lediglich rund ein Prozent der amerikanischen Exporte landeten in Afrika südlich der Sahra. „Wir müssen besser werden, viel besser“, sagte er. „Ich will, dass Afrikaner mehr amerikanische Produkte kaufen und Amerikaner mehr afrikanische Produkte kaufen.“

Neben den USA haben jedoch längst andere Akteure auf der Weltbühne das ökonomische Potenzial Afrikas erkannt, allen voran Europa, Indien und China. Vor allem die Volksrepublik hungert nach den reichen Öl- und Gasvorkommen des Kontinents und investiert dort in den Bau der für deren Export nötigen Straßen, Brücken und Häfen.

Obama schien vor diesem Hintergrund bemüht, den afrikanischen Staaten die USA als den im Vergleich mit China besseren Handelspartner schmackhaft zum machen. „Wir blicken nicht nur wegen der Rohstoffe auf Afrika. Wir erkennen Afrika wegen seiner größten Ressource an - seinen Menschen, seinen Talenten und seinem Potenzial“, versicherte er.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%