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Afrika Nicht nur Öl und Metalle

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Alastair Newton, Senior Political Analyst bei Nomura International in London, sieht schon eine „Dekade Afrikas“ anbrechen: „Die Zahl der Diktaturen und der gewalttätigen Auseinandersetzungen ist in den vergangenen 20 Jahren spürbar zurückgegangen“, argumentiert er, „und wichtiger noch: Es entsteht eine Mittelschicht, die eine bessere politische Führung, mehr Gesundheitsvorsorge und Bildung einfordert. Diese Leute werden Afrikas Entwicklung vorantreiben.“

Sie sind auch ideale Konsumenten für Produkte, die im Norden der Welt auf gesättigte Märkte treffen. Die Exportnation Deutschland scheint das jedoch nicht zu würdigen. Der Anteil Afrikas an den deutschen Ausfuhren beträgt derzeit rund zwei Prozent. Die Waren gehen aber vor allem in die arabischen Länder Nordafrikas und allenfalls noch in die Republik Südafrika. Nur 0,2 Prozent der deutschen Exporte landen in den vielen Ländern zwischen Sahara und Südafrikas Nordgrenze.

Das ebenso imponierende wie bedenkliche Gegenbeispiel ist China. Systematisch haben sich die Wirtschaftsstrategen aus Fernost seit Jahren den Zugriff auf die riesigen afrikanischen Rohstoffvorkommen gesichert – in jüngster Zeit konzentrieren sie sich auf Agrarprodukte, die weltweit immer begehrter werden. Chinesische Unternehmen haben von Januar bis Oktober 2009 in Afrika Verträge im Umfang von 33 Milliarden Dollar unterschrieben.

Gleichzeitig steigerte aber das Riesenreich seine Direktinvestitionen um beachtliche 77,5 Prozent auf 875 Millionen Dollar. Dabei geht es den Chinesen nicht nur um Importquellen. Afrikanische Länder sind ideale Absatzmärkte für Produkte made in China, die anderswo in der Welt mangels technologischer Raffinesse schwer verkäuflich sind. Das Afrika-Geschäft ist für die Volksrepublik allerhöchste Chefsache. Kredite in Höhe von zehn Milliarden Dollar für mehrere Staaten brachte Premierminister Wen Jiabao vergangenen November zum Treffen des China-Afrika-Forums in Ägypten mit. Kaum überschaubar ist inzwischen die Zahl der Entwicklungshilfeprojekte. Chinesen bauen Straßen und Versorgungseinrichtungen, finanzieren aber auch Schulen, Krankenhäuser, medizinische Projekte und Stipendien für Studenten aus dem schwarzen Süden an Hochschulen im Reich der Mitte.

Schlechte Erfahrungen

Die Wohltaten lohnen sich. Seit 2001 hat sich der chinesische Handel mit Afrika verzehnfacht. Und was für Waren setzt das asiatische Riesenland dort ab? Vor allem Maschinen, Elektrotechnik und Autos. Eine Palette, die aussieht wie die klassischen Trümpfe der deutschen Exportwirtschaft. Tatsächlich haben die Chinesen 2008 Deutschland als wichtigsten Lieferanten von Maschinen in Afrika abgelöst, bei den Autos liegen sie hinter Japan und Deutschland auf Platz drei.

Doch es sind nicht nur die Chinesen, die Geschäfte machen: Auch die Ausfuhren aus den notorisch exportschwachen USA nach Afrika steigen. Wenn der Trendsich fortsetzt, werden die Amerikaner Deutschland den zweiten Rang nach China auf den afrikanischen Importmärkten dieses Jahr abnehmen.

Schlafen die deutschen Unternehmen? Michael Monnerjahn, Sprecher des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft, sieht das nicht so. Deutsche Firmen seien durchaus in Afrika präsent, doch einige Unternehmen „haben in den Siebziger- und Achtzigerjahren schlechte Erfahrungen gemacht und zum Beispiel in Nigeria viel Geld verloren“.

Der Analyst Newton sieht ein grundlegenderes Problem: „Die deutsche Industrie ist richtig gut, wenn es um High-Tech-Ausrüstungen, Maschinen und Konstruktionen geht“ – also um Produkte, die in Afrika vielfach zu teuer sind. Überdies hängen viele wohlhabendere afrikanische Länder von nur einem Rohstoff ab, wie Angola mit seiner Ölförderung: „Das sind im Grunde Ein-Produkt-Wirtschaften, kein guter Markt für viele deutsche Branchen“, so Newton.

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