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Afrika Nicht nur Öl und Metalle

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studenten in botsuana

Eine High-Tech-Wüste ist Afrika südlich der Sahara allerdings nicht mehr. Das zeigt der Mobilfunkmarkt mit Wachstumsraten von 50 bis 100 Prozent im Jahr. Viele Afrikaner haben die Festnetz-Ära einfach übersprungen. Jetzt läuft der Kampf um Lizenzen und Marktanteile ohne deutsche Beteiligung. Im Geschäft sind Südafrikaner, Briten, Franzosen und Portugiesen.

Der Wettlauf der Investoren hat für Afrika aber auch problematische Seiten. Kritiker empfinden das Auftreten der Chinesen als neuen Kolonialismus, gerade weil sich die asiatische Großmacht keinen Deut darum schert, wie korrupt oder blutrünstig ihre Verhandlungspartner sein mögen. Beispiel Sudan: Während der Internationale Strafgerichtshof einen Haftbefehl gegen den Präsidenten Omar Al-Baschir wegen mutmaßlichen Völkermords in der Provinz Darfur ausstellt, baut China die Wirtschaftsbeziehungen immer weiter aus und sichert sich so seine erheblichen Ölimporte aus dem Bürgerkriegsland. Mit dieser Politik bieten die Chinesen jenen afrikanischen Machthabern eine bequeme Alternative, die sich nicht den Good-Governance-Regeln des Westens unterwerfen wollen.

Viele Afrikaner argumentieren aber ganz ökonomisch gegen das Vordringen Chinas: Billigprodukte aus Asien zerstören das heimische Gewerbe – ganz wie vor 100 Jahren. Die Alternative wäre allerdings Abschottung vom Weltmarkt, und das will niemand mehr.

Der Westen muss sowieso aufpassen, wie seine Kritik an schlechten Regierungspraktiken und der moralischen Nonchalance der Chinesen in Afrika ankommt. „Wenn Sie einen Partner haben, der ständig auf Sie herabschaut und ständig Anweisungen gibt, wie Korruption bekämpft werden soll, wie man mit Freiheit und Menschenrechten umgehen soll, dann ist das keine Partnerschaft“, klagt Ruandas Präsident Paul Kagame, der als Kriegsherr in den Neunzigerjahren die Verantwortlichen für den Völkermord in seinem Land gestürzt hat und seit vielen Jahren in den mörderischen Bürgerkrieg im großen Nachbarland Kongo eingreift.

Neuer Kolonialismus

Aus welchem Land Investitions- oder Hilfsgelder fließen, ist dem Präsidenten nicht so wichtig: „Ich muss nur dafür sorgen, dass eine Investition meinen Leuten und meinem Land nicht schadet.“ Hauptsache, das private Kapital kommt überhaupt: Kagame will Ruanda im Eiltempo zu einem technologischen Dienstleistungszentrum in der Region umbauen. Zwischenerfolg: Im Weltbankbericht -„Ease of doing business“ steht Ruanda inzwischen auf Rang fünf unter den afrikanischen Staaten.

Viel schlechtere Noten kassiert Kagames Ruanda dafür regelmäßig, wenn internationale Organisationen die Bürgerrechte in afrikanischen Ländern vergleichen. Kagame ist kein Demokrat, aber das ist keine Ausnahme unter den afrikanischen Staatschefs. Immerhin gibt es unter den Diktatoren Leute wie Kagame oder den Äthiopier Meles Zelawi, denen man Verantwortungsbewusstsein und vernünftige Ideen für die Wirtschaftsentwicklung ihrer Länder zubilligen kann. Auch in Äthiopien wird die Opposition gewaltsam unterdrückt, während Gesundheitswesen und Bildung Fortschritte machen. Der IWF prognostiziert den armen Äthiopiern für die kommenden Jahre ein überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum.

Also keine Berührungsängste gegenüber den Diktatoren? Afrika-Experte Monnerjahn ist da vorsichtig: „Langfristig wird jedes Unternehmen auch in Afrika von Grundsätzen der Ethik und Nachhaltigkeit profitieren.“ Und auch dort finden sich heute Demokraten: zum Beispiel in Ghana oder in Botsuana – zwei Länder mit eingespielten demokratischen Traditionen und einer vorbildlichen Wirtschaftspolitik.

Am Ende können auch deutsche Unternehmen von der chinesischen Invasion profitieren: „Wenn Sie für die Logistik Ihres Unternehmens eine Straße brauchen, ist es Ihnen egal, wer sie gebaut hat“, sagt Monnerjahn. Und die Afrikaner sollten sich über den Wettlauf der Ansiedlungswilligen freuen. Mehr Investitionen verbessern nicht nur die Infrastruktur und das Produktionspotenzial. Wichtiger noch: Die Afrikaner haben endlich eine Wahl – und so ein Mittel gegen eine zu große Abhängigkeit vom Westen, von China oder welchem Wirtschaftspartner auch immer. Die Deutschen sind darum mit Sicherheit willkommen – wenn sie nur wollen. 

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