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Anleihen aus OsteuropaRumänien: Rendite statt Folklore

Viele Unternehmen zieht es jetzt nach Rumänien, das große Gasvorkommen hat. Anleger können mit Staatsanleihen und Fonds vom Aufstieg des osteuropäischen Landes profitieren.Heike Schwerdtfeger 13.06.2023 - 07:43 Uhr

Seit dem Ukrainekrieg hat sich Rumänien den Ruf als Powerhouse des Ostens erworben.

Foto: imago images

Jahrzehntelang schwärmte Fondsmanager Roman Kostal von Rumänien, weil er dort als Kind in der Natur unvergessliche Momente erlebt hatte. Der gebürtige Tscheche war mit Familie und Freunden in wildromantischer Natur an der Donau und am Schwarzen Meer unterwegs. Er wandelte in den Karpaten in Transsylvanien auf den Spuren des Grafen Dracula und war auch mal in einem Pferdewagen dort unterwegs. Heute blickt Kostal mit anderen Augen auf das Land: Er sieht dort erfreuliche Renditen und gute wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen. Die schätzt der Manager, der seit vielen Jahren in Frankfurt lebt und mitverantwortlich ist für Rentenfonds des Anbieters TBF Global Asset Management, inzwischen besonders.

Auch Deutschlands Staatsspitze hat Rumänien schätzen gelernt. Ende Mai lobte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) die Entwicklung des Landes bei einem Besuch. Im April war Bundeskanzler Olad Scholz (SPD) dort und bekräftigte beim Treffen mit dem rumänischen Staatspräsidenten Klaus Iohannis in Bukarest, dass Deutschland Rumänien bei dem Ziel unterstützt, bald Vollmitglied im Schengenraum zu werden.

Ein Verzicht auf Waren-, Kapitalverkehrs- und Personenkontrollen beim Grenzübertritt würden den Austausch beschleunigen. Braucht ein Laster aktuell etwa drei Tage von Rumänien nach Deutschland, würde sich die Zeit bei offenen Grenzen stark verkürzen. Aber die erwachte Begeisterung von Politik und Fondsmanagement hängt vor allem auch damit zusammen, dass Rumänien in den kommenden Jahren dick ins Energie-Geschäft einsteigen wird. „Auf importiertes Gas in Höhe von etwa einem Fünftel des Gesamtbedarfs könnte Rumänien künftig verzichten, wenn sie die eigenen Gasvorkommen ausbeuten“, sagt Fondsmanager Kostal. Nicht zuletzt wegen der gesicherten Gas- und Energieversorgung übersiedeln immer mehr deutsche Unternehmen nach Rumänien.

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Seit dem Ukrainekrieg hat sich das Land den Ruf als Powerhouse des Ostens erworben. Autozulieferer Leoni etwa hat seit dem Ausbruch des Krieges Teile der Produktion und die Mitarbeiter nach Rumänien umgesiedelt. Renault, Rheinmetall, Coca-Cola, De Longhi, Stihl und Nokian Tyres gehören zu den ausländischen Unternehmen mit den höchsten Investitionen in Rumänien. „Das Land wird nicht nur zu einer Werkbank, es hat auch genug Strom und Gasvorkommen. Energieknappheit ist kein Thema“, sagt Kostal.

Das Wirtschaftswachstum sollte sich von etwa drei Prozent in diesem Jahr bis 2024 auf vier Prozent erhöhen. EU-Gelder stützen den Aufschwung zusätzlich. Etwa 1,6 Milliarden Euro flossen für den Ausbau erneuerbarer Energie. Schaffen es die Rumänen, die Maastricht-Kriterien einzuhalten, winken auch noch Milliarden aus Strukturfonds und Wiederaufbaufonds. „Deshalb lohnt es sich für Rumänien und die Politiker, dass sie die Anstrengungen beim Schuldenabbau, den Investitionen und der Bekämpfung der Korruption wirklich durchhalten“, sagt Kostal. 

Die Regierung schmiede relativ stabile Koalitionen, sie habe das Budget unter Kontrolle. Zwar könnte die  nationalkonservative Partei der Rumänen bei der Parlamentswahl 2024 mit etwa 16 Prozent der Wählerstimmen rechnen. Aber die regierende Koalition aus drei Parteien hätte zumindest nach heutigen Umfragen noch eine große Mehrheit. Das Haushaltsdefizit ist von 2021 bis 2023 von 9,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf 4,7 Prozent zurückgegangen. Künftig könnte sich der Finanzierungsbedarf des Landes halbieren.

Wenn sich die Kreditaufnahme verringert, steigen die Kurse rumänische Staatsanleihen. Die Ratingagentur S&P bescheinigt Rumänien ein Bonitätsrating von BBB- für Fremdwährungsanleihen in Euro. Hier gibt es die Chance, dass sich die Einstufung verbessert. Auch das würde Kursgewinne nach sich ziehen. Schon jetzt haben die Anleihen aber das Prädikat Investmentgrade, werden also als vergleichsweise ausfallsicher eingestuft.

Superreiche sind schon da

Durch die starken Investitionen aus dem Ausland sollten künftig auch die Steuereinnahmen steigen. Auch Superreiche zieht es nach Rumänien: Do Investment etwa, entstanden aus der Vermögensverwaltung der Flugzeugbauer-Familie Silvius Dornier, hat in Rumänien früh große Ackerflächen gekauft, die verpachtet werden. Do Investment spekuliert nicht darauf, dass diese Flächen künftig als Bauland für Gewerbegebiete ausgewiesen werden und dadurch der Bodenwert steigt, teilt das Unternehmen der WirtschaftsWoche mit. 

Der Plan sei ein anderer: „Aufgrund der weltweiten Verknappung an Anbauflächen sowie geeigneten Standorten betrachten wir den Erhalt von gutem Ackerland stets als oberstes Ziel“. Die Münchener wollen ihre Investitionstätigkeit dort fortsetzen, weil sie nach eigenen Angaben „vom Land als Agrar- und Investitionsstandort sehr überzeugt“ sind.

Privatanleger können ebenfalls profitieren. Der von Kostal mitgelenkte Rentenfonds TBF Fixed Income hat zwar nur rund drei Prozent seiner Gelder in rumänische Staatsanleihen investiert. Die bringen aber immerhin zwischen 5,0 und 6,5 Prozent Zinsen. Bei sinkendem Zinsniveau und sinkender Verschuldung winken Kursgewinne; das macht die Papiere jetzt so interessant. Da es sich um Anleihen handelt, die in Euro aufgelegt wurden und nicht in der Lokalwährung Rumänischer Leu, verhageln Kostal Währungsschwankungen nicht die Rendite.

Türkei

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von Philipp Mattheis

Anleger können rumänische Staatsanleihen an der Börse Stuttgart auch direkt kaufen. Dort gibt es sie für viele unterschiedliche Laufzeiten. Eine Rumänien-Anleihen in Euro, die bis Oktober 2025 zurückgezahlt wird, gibt es ab einer Stückelung von 1000 Euro. Sie rentiert mit 4,1 Prozent. 

Wer sich an eine Währungsanleihe in Rumänischem Leu heranwagt, bekommt bei ähnlicher Laufzeit sogar 6,6 Prozent Rendite. Sollte die Währung gegenüber dem Euro aufwerten, winkt ein zusätzlicher Währungsgewinn. Eine bis April 2031 laufende Anleihe in Rumänischem Leu gibt es ab einer Mindestanlage von 5000 Leu (umgerechnet rund 1000 Euro) mit einer Rendite von aktuell 6,9 Prozent. Eine so lange Laufzeit birgt allerdings auch höhere Risiken.

Fonds statt Einzelanleihen

Als Alternative zur Direktanlage gibt es diverse Osteuropa-Anleihefonds. Wer Fonds mit einer höheren Konzentration an Rumänien-Anleihen sucht, wird beim Erste Bond Danubia (ISIN: AT0000831409) fündig, der von der österreichischen Erste Asset Management gelenkt wird. Der hat allerdings einen Haken.

Der Fonds war 1997 einer der ersten, die sich nach Osteuropa wagten. Fondsmanager Anton Hauser investiert überwiegend in Staatsanleihen Ost-, Südosteuropas, den ehemaligen Sowjetstaaten und der Türkei. Da er dabei neben Anleihen in Euro oder Dollar auch auf Anleihen in Lokalwährungen setzt, war die Wertentwicklung in der Vergangenheit schlecht. Entsprechend durchwachsen fallen auch die Noten für den Fonds von Ratingagenturen wie Morningstar oder Scope aus.

Russische und türkische Anleihen, Verluste bei Rubel und Lira setzten dem Fonds zu. Noch Ende 2022 lag der Russland-Anteil bei 14 Prozent. Seitdem ist er auf unter zwei Prozent gesunken. Der Rumänien-Anteil ist mit 18 Prozent inzwischen der höchste unter den Osteuropa-Rentenfonds. Weitere Staatsanleihen im Fonds stammen zu 17 Prozent vom tschechischen Staat, zu 13 Prozent aus Polen und zu 12 Prozent aus Ungarn. Um die drei Prozent stecken in Litauen- und Lettland-Anleihen. Bei rund fünf Jahren Laufzeit kommt über alle Anleihen im Fonds gerechnet aktuell im Schnitt eine Rendite von 6,5 Prozent heraus.

Den Rumänischen Leu hat Fondsmanager Hauser etwa zur Hälfte gegen den Euro abgesichert und das Portfolio dadurch vor möglichen Währungsverlusten teilweise geschützt. Mit 0,72 Prozent Gebühren ist der Fonds günstig.

15 Prozent Rumänien gibt es im Raiffeisen-Osteuropa-Rent (ISIN: AT0000740659), der vorwiegend in Anleihen in den jeweiligen Landeswährungen investiert. Der größte Anteil der Anleihen im Fonds stammt aus Tschechien (18 Prozent), Polen (16), Rumänien (15), Ungarn (13) und aus der Türkei (8 Prozent). Im Schnitt werden die Anleihen im Fonds nach fünf Jahren zurückgezahlt. Bis dahin werfen sie etwa sieben Prozent Rendite ab. Währungsschwankungen können diese Rendite allerdings teilweise beeinflussen.

Die Aussichten für die Fonds sind nach schwierigen Jahren nicht schlecht. Ihre Russland-Anteile haben die Fonds abgebaut. Zuletzt standen die osteuropäischen Anleihemärkte im Zeichen der Wahl in der Türkei. Inzwischen kommt Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan den Investoren entgegen: Er hat die US-Finanzexpertin Hafize Gaye Erkan zur Zentralbankchefin ernannt.

Finanzminister wird der angesehene Ökonom Mehmet Şimşek, der diese Rolle schon einmal bis 2018 innehatte. Der Spielraum für Verbesserungen ist groß: Die türkische Lira hat ein Allzeittief erreicht. Neben Rumänien könnte auch die Türkei im laufenden Jahr positiv überraschen.

Lesen Sie auch: Die Neue und das schwere Erbe – das ist die neue Chefin der türkischen Zentralbank

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