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Annäherung Süd- und Nordkorea gehen aufeinander zu

Nordkorea nutzt die Asien-Spiele in Südkorea, um eine hochrangige Delegation ins Nachbarland zu schicken. Der Schritt ist angesichts der Spannungen von großer Bedeutung.

Die übelsten Diktatoren der Welt
Kim Jong-Un Quelle: dapd
Gurbanguly Berdymuchammedow Quelle: REUTERS
Teodoro Obiang Quelle: REUTERS
Nursultan Nasarbajew Quelle: dpa/dpaweb
Paul Kagame Quelle: dapd
König Mswati III. Quelle: REUTERS
Islam Karimow Quelle: REUTERS

Nach monatelanger Eiszeit machen Süd- und Nordkorea einen wichtigen Schritt aufeinander zu. Bei einem überraschenden Besuch der inoffiziellen Nummer Zwei hinter Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un, Hwang Pyong So, und anderen Spitzenfunktionären des Landes in Südkorea einigten sich beide Seiten am Samstag auf die Fortsetzung von „hochrangigen Gesprächen“. „Nordkorea erklärte, dass es den innerkoreanischen Dialog fortsetzen will“, teilte das Vereinigungsministerium in Seoul mit. Die hochrangigsten Kontakte zwischen beiden Seiten seit fünf Jahren kamen am Rande der Asien-Spiele in Inchon zustande.

Neue Gespräche sollen jetzt zwischen Ende Oktober und Anfang November stattfinden. Den Zeitpunkt könne der Süden bestimmen, hieß es. Mit der Einigung gab Nordkorea dem Drängen Südkoreas in den vergangenen Wochen nach, die Gespräche fortzusetzen, die im Februar stattgefunden hatten und eigentlich bald danach fortgesetzt werden sollten. Die Spannungen hatten sich jedoch seitdem wieder erhöht.

Unter anderem hatte Nordkorea in den vergangenen Monaten ungewöhnlich viele Raketen getestet. Das kommunistische Regime in Pjöngjang hatte seinerseits Südkorea wiederholt vor den gemeinsamen Militärübungen mit den USA gewarnt.

53.000 Nordkoreaner arbeiten für die Kapitalisten
Kein Durchkommen gibt es derzeit für die Südkoreaner, die an ihre Arbeitsplätze jenseits der Grenze wollen. Der Norden verweigert ihnen seit Mittwoch die Einreise in den gemeinsam betriebenen Industriekomplex Kaesong. Quelle: AP
Der Industriekomplex liegt in Nordkorea etwa zehn Kilometer von der Grenze zu Südkorea entfernt. Er wurde 2004 als Projekt der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit der beiden Staaten gegründet. Während der vorangegangenen Krisen auf der koreanischen Halbinsel hatten beide Seiten stets darauf geachtet, das Symbolprojekt nicht dauerhaft zu beschädigen. Quelle: dpa
Doch jetzt ist die Grenze dicht. Wie lange die Sperre andauern soll, ist völlig unklar. Zuletzt war südkoreanischen Arbeitern im März 2009 wegen eines US-südkoreanischen Manövers kurzzeitig die Einreise verweigert worden. Nach einem Tag wurde die Sperre wieder aufgehoben. Quelle: REUTERS
Die Journalisten stürzten sich auf die Arbeiter, die üblicherweise nach Kaesong fahren. Ein Regierungssprecher in Seoul bezeichnete die Entscheidung Pjöngjangs als „sehr bedauerlich“. Priorität habe aber zunächst die Sicherheit der Südkoreaner, die sich noch in dem auf nordkoreanischer Seite gelegenen Industriekomplex befinden. Quelle: REUTERS
Die Regierung in Seoul geht laut Sprecher davon aus, dass alle ihre Staatsbürger sicher zurückkehrten. Dennoch wurden die Truppeneinheiten in Grenznähe von den Vorfällen unterrichtet. Es sei ein Notfallplan erarbeitet worden, erklärte Verteidigungsminister Kim Kwan Jin am Mittwoch. Sollte sich eine „ernste Lage“ ergeben, sei auch eine Militäraktion denkbar, um die Sicherheit der südkoreanischen Arbeiter zu gewährleisten. Quelle: dpa
Rund 860 Südkoreaner sollen sich noch im Norden aufhalten. 484 Pendlern wurde die tägliche Einreiseerlaubnis verweigert. Quelle: dpa
Wie dieser Geschäftsmann wechseln die Südkoreaner üblicherweise das Nummernschild an ihren Autos und befestigen die Lizenz, die es ihnen erlaubt sich in der Sonderwirtschaftszone aufzuhalten. Quelle: REUTERS

Zu der Besuchergruppe aus Nordkorea gehörten auch zwei Sekretäre der herrschenden Arbeiterpartei, Choe Ryon Hae und Kim Yang Gon. Choe wurde erst im September durch Hwang Pyong So als Stellvertreter von Machthaber Kim in der mächtigen Nationalen Verteidigungskommission ersetzt. Beide gelten als enge Vertraute Kims, der selber seit Monaten von der Bildfläche verschwunden ist.

Offizieller Anlass des eintägigen Besuchs war die Abschlussfeier der Asien-Spiele. Kim Yang Gon äußerte jedoch schon zum Auftakt, dass der Besuch eine „Gelegenheit für beide Koreas sein sollte, ihre Beziehungen zu verbessern“. Die Besucher wurden nach ihrer Ankunft in Inchon von Südkoreas Vereinigungsminister Ryoo Kihl Jae in einem Hotel begrüßt. An weiteren Gesprächen nahm neben Ryoo unter anderen der Nationale Sicherheitsberater Kim Kwan Jin teil.

Offiziell hieß es, dass Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye zu einem Treffen mit der Delegation bereit gewesen sei. Doch weil der Zweck des Besuchs die Teilnahme an der Abschlussfeier gewesen sei, habe es keine Zeit mehr dazu gegeben. Nach der Abschlussfeier der Spiele flog die Delegation wieder nach Pjöngjang zurück. Nordkorea hatte in der Vergangenheit schon mehrmals eine Mannschaft zu internationalen Sportveranstaltungen nach Südkorea entsandt.

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Über den Verbleib Kim Jong Uns herrschte unterdessen auch nach dem Besuch der Delegation in Inchon weiter Unklarheit. Kim Yang Gon habe ihm erzählt, dass Kim Jong Un „keine Probleme mit der Gesundheit“ habe, sagte Südkoreas Vereinigungsminister Ryoo am Sonntag. Trotz der Erklärung blieb unklar, warum Kim Jong Un seit Anfang September von der Bildfläche verschwunden ist. Nordkoreas Staatsfernsehen hatte zuletzt berichtet, Kim fühle sich unwohl, führe aber weiter das Land an. Medien in Südkorea berichteten, Kim habe angesichts seines Übergewichts Probleme mit den Füßen und leide vermutlich unter Gicht.

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