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Anti-IS-Allianz "Das Muttergeschwür des IS zu zerstören, ist nicht genug“

Wie geht es im Irak weiter im Kampf gegen den IS? Auf einer Konferenz in Washington berät die internationale Gemeinschaft über die weiteren Schritte. Angestrebt wird ein entscheidender Schlag gegen die Terrormiliz.

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Frank-Walter Steinmeier und John Kerry: In Washington treffen sich die Vertreter der Anti-IS-Koalition. Quelle: AP

Die internationale Gemeinschaft hofft auf die baldige Rückeroberung der zweitgrößten irakischen Stadt Mossul vom Islamischen Staat (IS). Bei einer Konferenz in Washington berieten Vertreter von mehr als 40 Staaten über ihre Strategie.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier äußerte die Hoffnung, die Einnahme von Mossul würde dem IS einen „entscheidenden Schlag“ versetzen. Einen konkreten Termin für die erwartete Militäroffensive gibt es aber weiterhin nicht. Problematisch ist vor allem, dass sich in der Stadt noch rund 800.000 Zivilisten aufhalten sollen. Deswegen glauben aktuell nicht einmal irakische Offiziere daran, dass das noch in diesem Jahr möglich sein soll.

An dem Treffen in Washington nahmen auch Außen- und Verteidigungsminister von Staaten teil, die im Irak militärisch aktiv sind. Mossul wird seit Juni 2014 vom IS gehalten. Die Terrormiliz, die auch in Syrien große Gebiete besetzt hält, hat in den vergangenen Monaten aber mehrere irakische Städte und Gebiete wieder an reguläre irakische Einheiten verloren. Laut dem Conflict Monitor der Beratungsfirma IHS hat der IS allein seit Jahresbeginn zwölf Prozent des von ihm kontrollierten Gebiets verloren, 2015 waren es 14 Prozent.

Die Akteure im Syrien-Konflikt

Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums wurden seit Beginn der Offensive insgesamt 45 Prozent der Territorien zurückerobert.

Steinmeier sagte, die Einnahme von Mossul würde den IS auch in Syrien schwächen, weil die Strukturen der Miliz in beiden Ländern miteinander verbunden seien. Zu den Aussichten sagte er: „Ob es gelingt, wann es gelingt, ist offen.“

Auch US-Außenminister John Kerry hatte sich am Mittwoch auf keinen Termin für den Beginn des Angriffs festlegen lassen. Experten erwarten die Offensive in den nächsten Monaten. Zudem wird befürchtet, dass der IS noch mehr Selbstmordanschläge in Auftrag gibt, um seine Schlagkraft zu beweisen.

Hinzu kommt die Sorge, dass der Kampf um Mossul eine neue große Fluchtbewegung zur Folgen haben könnte. Nach UN-Schätzungen könnten bis zu 1,5 Millionen Menschen gezwungen sein, ihre Heimat zu verlassen. Heute schon gibt es im Irak mehr als 3,3 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene. Auf einer Geberkonferenz am Mittwoch hatte die internationale Gemeinschaft für den Irak mehr als zwei Milliarden US-Dollar (etwa 1,8 Milliarden Euro) zusammengebracht - insbesondere um die Not der Menschen zu lindern.

Terroristische Einzeltäter in Europa

Deutschland stellt bis Ende nächsten Jahres 160 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung. Damit summiert sich die deutsche Irakhilfe auf annähernd eine halbe Milliarde Euro. Hinzu kommt ein ungebundener Kredit von 500 Millionen Euro. Das Geld soll unter anderem für humanitäre Hilfe und die Minenräumung in Städten und Gegenden ausgegeben werden, die einst vom IS besetzt waren.

US-Verteidigungsminister Ashton Carter unterstrich die militärische Entschlossenheit der USA im Kampf gegen die Terrormiliz. „Wir werden uns nicht ausruhen“, sagte er am Mittwoch nach einem Treffen mit Verteidigungsministern aus Ländern der Anti-IS-Koalition. Es sei absolut notwendig, den IS in Syrien und im Irak zu zerstören. „Aber das Muttergeschwür des IS zu zerstören, ist nicht genug.“ Es müsse mehr getan werden - in Libyen, in Afghanistan, aber auch beim Schutz der eigenen Länder.

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