Argentinien Staatspleite wegen Peanuts?

Das Argentinien-Schauspiel taugt mehr fürs Theater als für die Finanzbühne. Ruhe könnte erst nach den Wahlen im kommenden Jahr einkehren – so die Hoffnung der Investoren.

Argentinien und die

Weil Argentinien die Zinsen in Höhe von 539 Millionen Dollar an eine Gruppe von Hedgefonds nicht zahlt, nimmt das Unheil seinen Lauf: Die Ratingagentur S&P wertete Argentiniens Bonität auf "SD“ für Selected Defaults ab, also einen teilweisen Zahlungsausfall.

Da Argentinien eigentlich insgesamt bei den Hedgefonds nur mit insgesamt rund 1,8 Milliarden Dollar in der Kreide steht, demgegenüber aber Devisenreserven in Höhe von 28 Milliarden Dollar auf der Habenseite stehen, wäre es auch eine irrwitzige Pleite.

Staatspleiten sind die Regel

Jetzt prüfen offenbar schon argentinische Banken, ob sie nicht einspringen sollen. Sie würden leiden, denn meist gilt eine Sippenhaft im Finanzsystem. Wer aus Argentinien kommt, hat es künftig bei Lieferanten oder Investoren schwerer. Sie müssten mehr Sicherheiten stellen, der Aufwand steigt. An der Argentinischen Börse ist schon weit mehr Wert durch Kursverluste entstanden, als die Schuld gegenüber den Gläubigern ausmacht.

Ein paar Banken haben offenbar jetzt auch die Nase voll von dem unwürdigen Gezerre der Politiker - allen voran Staatspräsidentin Christina Kirchner und der 42-jährige Finanzminister Axel Kicillof. Vielleicht wären die Hedgefonds auch zufrieden, wenn ein paar argentinische Rinderzüchter die Schuld mit Steaks begleichen oder die Weinbauern ihren guten Rotwein abtreten würden, um ihr Land vor der Pleite zu bewahren.

Experten warnen vor Panikmache

Die Auseinandersetzung ist unnötig. Argentinien stand kurz davor, als normaler Schuldner an den Kapitalmarkt zurückzukehren, nachdem es von dort nach der Pleite 2001 verbannt worden war. Aber jetzt ist schon wieder nichts mehr normal. Experten warnen allerdings auch vor Panikmache. „Die Situation ist komplett anders als bei der vergangenen Pleite Argentiniens, damals waren die Probleme viel größer“, sagt Charles Biderman, Fondsmanager des Aktienfonds Comgest Growth Latin America, dem britischen Fachmagazin "Citywire".

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