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Atom-Verhandlungen Irans steiniger Weg in die moderne Welt

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Scharfmacher in Teheran

Was dann passierte, beleuchtet die anhaltende Brüchigkeit der Vereinbarungen vom Genfer See. Einer der scharfmacherischen Teheraner Parlamentarier teilte die Neuigkeit unverzüglich der staatlichen Nachrichtenagentur Fars mit. Die veröffentlichte das und provozierte die wahrscheinlich einkalkulierte Gegenreaktion. David Horovitz, Chefredakteur des Online-Portals „Times of Israel“ in Jerusalem, prangerte die vermeintliche Doppelzüngigkeit des iranischen Außenministers noch am selben Tag an und behauptete, durch IR8 werde Urangas 20-mal so schnell zu waffenfähigem Material verarbeitet wie mit den bisherigen iranischen Zentrifugen. Damit hätte die Lausanner Vereinbarung, wonach der Iran zwei Drittel seiner 20.000 bisherigen Zentrifugen abschafft, jeden Wert verloren. Ob das stimmt, ist unklar – aber auf alle Fälle haben sich die Gegner des Abkommens weltweit gegenseitig mit Munition versorgt.

Sicher ist nur, dass sich solche Episoden wiederholen werden, bis das endgültige Abkommen unterzeichnet ist – und vielleicht auch danach. Für die Weltpolitik wird das Regime in Teheran nicht wirklich zu einem vertrauenswürdigen Partner, und für die Islamische Republik Iran bleibt Amerika der „große Satan“ – die Parolen „Tod Amerika“ und „Tod Israel“ sind in Teheran seit Jahrzehnten in Amtsgebäuden wie in Hotellobbys in Stein gemeißelt zu lesen.

US-Präsident Barack Obama dagegen hegt noch Hoffnung: Das Nuklearabkommen, so der Präsident, „ist die Gelegenheit für jene Kräfte im Iran, die aus dem rigiden Rahmen ausbrechen wollen, in dem sie so lange eingesperrt waren. Kein radikaler Bruch wird das, aber für uns die Chance zu einer neuartigen Beziehung.“

Viel besser könnte es auch keiner der deutschen Manager und Unternehmer sagen, die sich jetzt in die Startlöcher begeben, um in einem wieder etwas weltoffeneren – und vor allem nicht von Sanktionen überzogenen – Iran an alte geschäftliche Verbindungen anzuknüpfen. Nur: Sie sagen dazu nicht sehr viel. Und das aus guten Gründen.

Zwölf Jahre Streit um das iranische Atomprogramm

Handelsbeziehungen zum Iran der Mullahs

Handelsbeziehungen zum Iran der Mullahs brachten deutsche Unternehmen schon in schlechtes Licht, als es noch keinerlei Sanktionen gab. Und die Tatsache, dass in den Jahren nach 2002 – damals verdichteten sich die Meldungen über das geheime und unheimliche Atomprogramm des Iran – deutsche Lieferanten immer wieder durch den Versuch auffielen, sich an den gerade verhängten Sanktionen vorsichtig vorbeizumogeln, sorgte am Ende in Einzelfällen auch für happige Geldstrafen durch amerikanische Gerichte.

Für große börsennotierte deutsche Unternehmen kam das Aus im Irangeschäft 2010 und 2011, als die EU Sanktionen der Vereinten Nationen zu geltendem Recht machte. Praktisch zur gleichen Zeit zwangen die USA fast alle Banken der Welt, ihr Geschäft mit dem Iran aufzugeben. Finanziell ließen sich Handelsgeschäfte mit iranischen Firmen jetzt nur noch über einige kleine Sparkassen abwickeln, die mit den USA nichts zu tun hatten, sagt ein Deutscher mit jahrzehntelangem Insiderwissen im Orientgeschäft.

Wobei das nie ganz stimmte: Ostasiatische Banken aus Ländern, die nach wie vor iranisches Öl importierten, boten sich weiter als Vermittler von Geschäften mit Teheran an, das Gleiche galt für einzelne Banken und private Finanziers aus arabischen Golfstaaten. Doch diese halblegalen Geschäfte wurden im Lauf der Zeit immer teurer und haben sich am Ende oft nicht mehr gelohnt.

Deutsch-iranische Handelskammer

Es gab Ausnahmen, und das erklärt auch, warum der deutsche Export in den Iran vergangenes Jahr nach einer langen Durststrecke wieder zaghafte Zuwächse verzeichnet. „Das waren vor allem Automobilzulieferer“, berichtet Michael Tockuss, Geschäftsführer der Deutsch-Iranischen Handelskammer in Hamburg, eines privatrechtlich organisierten Vereins, der lange Zeit auf bessere Zeiten warten musste.

Die dürften jetzt anbrechen, meint Tockuss, vor allem deutsche Maschinen- und Anlagenbauer hätten jetzt alle Chancen im Iran. Die Automobilzulieferer wie etwa Bosch handelten schon unter dem Sanktionsregime ganz offiziell mit den iranischen Töchtern ausländischer Automobilkonzerne – Renault zum Beispiel und FiatChrysler. Die Maschinen- und Anlagenbauer dagegen sehnen sich nach dem Tag, an dem das Embargo gegen Ausrüstungen der iranischen Öl- und Gasindustrie fällt.

Gewiss: Anfragen der WirtschaftsWoche bei großen und mittleren Unternehmen ergaben in den Tagen seit der Vereinbarung von Lausanne eher ausweichende bis abwartende Antworten. Wegen der Gefahr politischer Verwicklungen halten sich die Unternehmen über ihr Irangeschäft gern bedeckt, so viel sie sich auch von einem der Weltwirtschaft wieder geöffneten Iran versprechen.

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