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Atomgipfel in Washington Sorge vor nuklearem Terror und IS-Miliz

Auf dem Gipfel für nukleare Sicherheit in Washington wird erstmals auch über den IS beraten. Ein Paria der Weltgemeinschaft nutzt das Treffen für eine neue Drohgebärde.

US-Präsident Barack Obama und Indiens Premierminister Narendra Modi Quelle: dpa

Zerstörerisches Atommaterial in den Händen von Terroristen oder Schurkenstaaten - diese Gefahr überschattet kurz nach den Brüsseler Anschlägen den Gipfel für nukleare Sicherheit in Washington. Nach den Bombenexplosionen in der belgischen Hauptstadt war bekannt geworden, dass die IS-Attentäter auch einen belgischen Atomforscher ausspioniert hatten. In der Folge wurde darüber spekuliert, dass von ihm womöglich radioaktives Material für eine sogenannte schmutzigen Bombe erpresst werden sollte. Und auch neue Drohgebärden Nordkoreas begleiten das Treffen in Washington.

„Nuklearer Terrorismus ist eine der größten Bedrohungen unserer gemeinsamen Sicherheit“, so sieht es die US-Regierung. Vize-Sicherheitsberater Ben Rhodes führte das Vorgehen des IS in Belgien als Beleg dafür an, wie wichtig das Thema ist.

Tatsächlich berät der Gipfel in Washington am Freitag erstmals in diesem Format auch über den Kampf gegen die Terrormiliz - es ist der Haupttag der zweitägigen Beratungen, an denen Delegationen aus über 50 Ländern teilnehmen. „Am Ende des Gipfels werden wir einen internationalen Fokus darauf richten, welche zusätzlichen Schritte wir im Licht der schrecklichen Tragödie in Brüssel unternehmen müssen“, sagte US-Präsident Barack Obama. Für Deutschland sitzt Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) mit am Tisch.

Obama hatte 2009 in Prag beim ersten der bislang vier Gipfel das Fernziel einer atomwaffenfreien Welt ausgegeben, das aber eine Vision geblieben ist. So treibt auf staatlicher Ebene weiter Nordkoreas Atomprogramm die Weltgemeinschaft um. Obama setzte ein Zeichen, indem er in Washington Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye und Japans Premierminister Shinzo Abe traf - und mit ihnen den Schulterschluss gegenüber der Bedrohung aus Nordkorea demonstrierte.

Offenkundig als Reaktion darauf schoss das nordkoreanische Militär nach Angaben aus Seoul prompt wieder eine Rakete in Richtung offenes Meer ab. Oliver Meier von der Stiftung Wissenschaft und Politik sagte dazu in der ARD: „Nordkorea ist sicherlich das größte Risiko im Moment, einfach weil es so unberechenbar ist und man nicht genau einschätzen kann, welche Ziele das Regime verfolgt.“

Die gefährlichsten Atommächte der Welt
Die US-Initiative "Nuclear Threat" hat zum zweiten Mal den globalen " Nuclear Materials Security Index" veröffentlicht. Demnach verfügen derzeit 25 Länder der Welt atomwaffenfähiges Spaltmaterial, das sind sieben weniger als noch im Jahr 2012 (minus 25 Prozent). Der Index bewertet jedoch nicht die Vorkommnisse von Nuklearmaterial, sondern den Umgang damit. So geht es beispielsweise um Lagerung und Transport sowie Menge und Verwendung. Australien ist hierbei weltweit Spitzenreiter. Von 100 möglichen Punkten gingen 92 nach Down Under. Im Jahr 2012 waren es noch 90 Punkte. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
Den vierten Platz belegt die Bundesrepublik Deutschland. Insbesondere die Sicherheit beim Transport der gefährlichen Stoffe bringt Deutschland Punkte: 85 von 100 möglichen Punkten bekommt die BRD im Nuclear Materials Security Index. Im Jahr 2012 waren es noch 82 Punkte. Quelle: dpa
Erst deutlich später im Ranking, nämlich auf Platz 18, folgt Russland mit Platz 66 von 100 Punkten. Damit zählt das größte Land der Erde zu den gefährlichen Atommächten. Quelle: REUTERS
Gleichauf mit Russland liegt Usbekistan mit ebenfalls 66 von 100 Punkten. Immerhin hat sich das Land seit der letzten Erhebung 2012 um fünf Punkte verbessert. Grund ist die Verringerung der waffenfähigen Materialien. Quelle: AP
Noch eine Spur sorgloser geht China mit radioaktiven Materialien um. Im Jahr 2012 bekam das Reich der Mitte noch 65 Punkte, 2014 waren es 64. Quelle: REUTERS
Wegen des Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern ist es um die Sicherheit im Gazastreifen nicht gut bestellt. Doch auch vom Umgang Israels mit radioaktiven Materialien sind die Macher des Nuclear Materials Security Index' nicht überzeugt. Sie vergaben 57 von 100 möglichen Punkten an das Land. Immerhin eine Steigerung um zwei Punkte im Vergleich zu 2012. Quelle: dpa
Pakistan bekam nur 46 Punkte für die Sicherheit von waffenfähigen Nuklearmaterialien. Quelle: dpa

China kündigte am Rande des Atomgipfels an, gemeinsam mit den USA die Suche nach nuklearem Material an den Landesgrenzen intensivieren zu wollen. Beide Länder würden schon seit Jahren eng zusammenarbeiten, um „nuklearen Terrorismus“ und die „illegale Verarbeitung von nuklearen und radioaktiven Substanzen“ zu unterbinden, sagte Li Wei, der Vizechef der chinesischen Zollbehörde, in Washington.

Russland ist an den Gesprächen in Washington nicht beteiligt. Für Freitag waren ferner auch Gespräche Obamas mit den Vetomächten des UN-Sicherheitsrats und Deutschland geplant über Fortschritte bei den Abmachungen mit Teheran zum iranischen Atomprogramm.

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