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Atomkatastrophe Wirre Verbraucherpolitik aus Brüssel

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Es handelt sich wohl um einen typischen Fall von Aktionismus. Die EU will beweisen, dass sie reagiert – und die Mitgliedsstaaten ziehen mit. Offiziell heißt es, dass die höheren Richtwerte keinerlei Gefahr für den Menschen darstellen. Und dass – im Gegenteil – die normalerweise sehr niedrigen Werte die Atomkraftwerksbetereiber dazu zwingen würden, möglichst wenig Strahlung in die Umwelt dringen zu lassen. Doch eine Politik, die Verbraucher versichert, sieht anders aus.

Als Trost bleibt den Konsumenten, dass sie nur in seltenen Fällen auf japanische Lebensmittel stoßen werden. Nur 0,1 Prozent der deutschen Lebensmittelimporte stammen aus Japan, ein verschwindend geringer Anteil. Japan darf nur vier Erzeugnisse tierischen Ursprungs in die EU ausführen, und zwar Fischereierzeugnisse, Muscheln und Heimtierfutter. Letztere sind ohnehin nicht für den menschlichen Verzehr gedacht. Obst und Gemüse können uneingeschränkt in die EU eingeführt werden, sind jedoch nicht sehr stark nachgefragt. 2010 erreichten lediglich 9000 Tonnen japanisches Grünzeug Europa.

Chance vertan

Die Verunsicherung der Verbraucher sehen die Grünen im Europäischen Parlament als Beweis dafür, dass die Grenz-werte verschärft werden sollten. Die Fraktion hatte dies bereits im Februar, noch vor der Katastrophe von Fukoshima gefordert, hatte damit unter den Europa-Abgeordneten aber keine Mehrheit gefunden.

Die EU-Kommission pocht darauf, dass nun auch die höheren Werte sicher seien. Sie seien von der Weltgesundheitsorganisation anerkannt, betont Gesundheitskommissar John Dalli. Das Bundesamt für Strahlenschutz teilt die Einschätzung.

Aber solche Beschwichtigungen reichen in diesen Tagen womöglich nicht aus, wenn sich Verbraucher fragen, was tatsächlich auf ihren Tellern landet. Und Brüssel hat eine Chance vertan, Politik zu machen, die die Bürger in ganz Europa tatsächlich nach verfolgen können. 

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