WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Aufwertung von Chinas Währung Peking wird den Yuan nicht aufwerten

Seite 2/2

Oft haben Chinas Politiker, allen voran Premier Wen, in den letzten Jahren versprochen, den Trend umzukehren. Doch außer einigen Ansätzen ist bisher wenig passiert. So will Peking etwa rund 85 Milliarden Euro in den Aufbau einer Krankenversicherung auf dem Land stecken. Das Ziel: Die Menschen dort sollen nicht mehr jeden Arztbesuch aus der eigenen Tasche bezahlen müssen und so mehr Geld für den Konsum übrig haben.

Was China braucht

Um nachhaltig umzusteuern und sich damit unabhängiger von einer unterbewerteten Währung zu machen, ist allerdings viel mehr nötig – es wäre ein schmerzhafter Entzug mit einer Reihe von tief greifenden Strukturreformen. China bräuchte:

eine echte Landreform, bei der die Bauern ihre Parzelle verkaufen und verpfänden dürfen. Ein solcher Schritt würde Kaufkraft auf dem Land freisetzen.eine Liberalisierung des Dienstleistungssektors. Dort könnten Millionen neuer Jobs entstehen, die ebenfalls für steigende Kaufkraft im Inland sorgen.eine Lockerung des Zinsregimes. Staatlich verordnet liegen die Zinsen für Bankguthaben unterhalb der Inflationsrate, damit die großen Banken ausreichend Spielraum haben, den großen Staatsmonopolen wie China Mobile oder den Rohstoffkonzernen mit billigen Krediten die Expansion zu finanzieren. Die Zeche zahlt der Kleinsparer, der kein Geld für den Konsum übrig hat.eine Finanzmarktreform, bei der die Partei ihren Griff auf die Banken lockert.  Bislang vergeben die staatlichen Banken ihre Darlehen vor allem an große Staatsbetriebe. Kleine und mittlere, oft privat geführte Unternehmen, wo Millionen neuer Jobs entstehen könnten, haben kaum Finanzierungsmöglichkeiten.eine Reform des veralteten Meldesystems. Chinas Bürger dürfen zwar vom Land in die Städte ziehen, sich dort aber nicht offiziell melden. Damit haben sie keinen Zugang zu den Sozialsystemen der Städte. Die Kinder der Migranten dürfen nicht einmal Schulen und Kindergärten besuchen.um, wie angkündigt, Industrien mit höherer Wertschöpfung und einer größeren Forschungsintensität zu schaffen, müsste Peking das Bildungssystem von politischen Fesseln befreien und den Sektor für den privaten Wettbewerb öffnen.

Wenig Reformeifer

Mitte Oktober beginnt in Peking die alljährliche Tagung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei. Dort soll auch der neue Fünf-Jahres-Plan beraten werden. Er tritt 2011 in kraft und soll dem Vernehmen nach vor allem auf ein ausgeglicheneres Wachstumsmodell abzielen. Mit Spannung erwarten Beobachter, welche Reformen das ZK hierzu beraten wird. Allzu weit dürfte die Partei aber nicht gehen. Denn machte sie ernst, würde sie letztlich ihre eigene Macht beschneiden müssen – es wäre der Beginn politischer Reformen, und davor schreckt Peking zurück.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%