Aus der weiten Welt

China fordert mit dem Yuan den US-Dollar heraus

Klaus Methfessel Ehem. Leiter der Georg-von-Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten und ehem. Chefredakteur WirtschaftsWoche Global

Nachdem China als Fabrik der Welt die westliche Konkurrenz das Fürchten gelehrt hat, will das Land nun auch internationale Finanzgroßmacht werden und Dollar und Euro in die Schranken weisen.

Fabers düstere Prognose für China
Marc Faber Quelle: Andreas Chudowski für WirtschaftsWoche
Rio de Janeiro Quelle: dapd
Kupfermine in Chile Quelle: IVAN ALVARADO
Taipeh 101 Quelle: dpa/dpaweb
Casino in Macau Quelle: REUTERS
Louis Vuitton in Shanghai Quelle: AP
Transformator Quelle: REUTERS
Stahlarbeiter Quelle: REUTERS
MACDONALD'S Quelle: AP

Das chinesische Jahr der Schlange hat kaum begonnen, da erschreckt uns die HSBC-Bank mit der Prophezeiung: „In der Zukunft wird 2013 als das Jahr des Renminbi erinnert werden.“ So jedenfalls lautet die Headline einer Anzeige, die die HSBC derzeit in internationalen Medien geschaltet hat. Mit einem kleinen optischen Geck: Eine züngelnde Schlange, die gespaltene Zunge dabei, ähnlich wie bei dem Euro-Zeichen €, in Form eines Y mit zwei Querstrichen, dem Zeichen für die chinesische Währung Yuan, den die Chinesen Renminbi („Volkswährung“) nennen.

Der Yuan die Währung des Jahres? Das könnte man für einen Witz halten: Selbst seinen eigenen Handel mit dem Rest der Welt wickelt China erst zu 14 Prozent in Yuan ab. Und rechnet man alle internationalen Zahlungsströme zusammen, liegt der Yuan heute bloß an 14. Stelle, noch hinter dem russischen Rubel und dem thailändischen Baht.

Der Aufstieg des Yuan und die Folgen für Dollar und Euro

Doch die HSBC-Bank ist nicht irgendein kleines Institut mit zu viel Fantasie: Sie ist die China-Bank schlechthin. Sie wurde 1865 als The Hongkong and Shanghai Banking Corporation Limited gegründet, um den wachsenden Handel zwischen Europa, China und Indien zu finanzieren. Beschränkte sich ihr Operationsgebiet damals in erster Linie auf das Britische Kolonialreich, so ist sie heute eine der größten Banken der Welt und vermutlich die internationalste überhaupt. Wenn sie sich zum Yuan äußert, muss man das ernst nehmen.

Dass sich international etwas durch den Yuan verändert, hat auch Frank Sieren zum Thema seines neuen Buches gemacht. Es heißt: „Geldmacht China. Wie der Aufstieg des Yuan Euro und Dollar schwächt“. Es ist soeben im Carl Hanser Verlag in München erschienen, es kostet 19,90 Euro, für Yuan ist es hier noch nicht zu haben. Sieren kennt sich aus in China, er lebt seit bald 20 Jahren in Peking, hat als Korrespondent für die WirtschaftsWoche und die Zeit geschrieben und ist jetzt ein Kolumnist des Handelsblatts. Dazu hat er einige Bücher über Chinas wirtschaftlichen und politischen Aufstieg geschrieben.

Lesenswert in seinem neuesten Buch ist vor allem der Teil über Chinas Stellung im internationalen Finanz- und Währungssystem, der sich mit seiner historischen Entwicklung bis heute befasst: Die Bedeutung des spanischen Silberdollars für den China-Handel im 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts, die Vormacht der Briten mit Goldstandard und Pfund Sterling im 19. Jahrhundert und deren Ablösung durch die USA nach dem Ersten Weltkrieg. Wir erfahren, wie Chinas Kommunisten unter Mao Tse-tung nach der Machtübernahme China das Bankensystem unter ihre Kontrolle brachten, es nach sowjetischem Vorbild verstaatlichten und die Beziehungen zu den internationalen Finanzmärkten kappten.

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