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Aus der weiten Welt

Das Ende des arabischen Frühlings

Klaus Methfessel Ehem. Leiter der Georg-von-Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten und ehem. Chefredakteur WirtschaftsWoche Global

Vor einem Jahr begeisterte uns der Arabische Frühling, als eine Massenbewegung mithilfe von Mobilfunk und Internet, von Facebook, Youtube und Twitter die Despoten in Tunesien und Ägypten stürzte. Jetzt schauen wir entgeistert angesichts des Treibens gewaltbereiter Islamisten in Deutschland. Wie passen die beiden Phänomene zusammen? Ein Experte hat es mir erklärt.

Salafisten Koran Quelle: dpa

Ein Gespenst geht um in Deutschland – das Gespenst des Islam. Salafisten - fanatische Muslime, die für einen islamischen Gottesstaat kämpfen - treten offen in unseren Innenstädten auf, verteilen kostenlos den Koran und schrecken sogar vor dem Angriff auf Polizisten nicht zurück. 4000 Salafisten sollen in Deutschland leben, Tendenz steigend.

Ein Jahr ist es gerade her, dass in vielen arabischen Staaten eine Revolution die alten Machthaber hinwegfegte. Die Massenbewegung wurde getragen von der „bildungshungrigen Generation Facebook“, die sich mithilfe von Mobilfunk und Internet friedlich versammelten und ihrem Protest mit Facebook, Youtube und Twitter Ausdruck verliehen und so die Despoten in Tunesien und Ägypten stürzten, wie der deutsch-ägyptische Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad in seinem Buch „Krieg oder Frieden – Die Arabische Revolution und die Zukunft des Westens“ schreibt.

Wie passen diese beiden Phänomene zusammen – auf der einen Seite das Auftreten rückwärtsgewandter fundamentaler Islamisten bei uns, auf der anderen Seite die Bilder vom Arabischen Frühling, die uns vor einem Jahr so begeistert hatten?

Salafisten-Debatte stellt Islamkonferenz in den Schatten

Vor wenigen Tagen hatte ich Gelegenheit, mit einem exzellenten Kenner über die Lage in Ägypten zu sprechen. Der Experte, ein gebürtiger Ägypter, der in Deutschland lebt, ist Politologe mit Spezialisierung auf den arabischen Raum, möchte aber aufgrund seiner beruflichen Stellung bei einer deutschen Behörde nicht namentlich zitiert werden. Der Einfachheit halber will ich ihn Hassan Ahmed nennen.

Hassan Ahmed korrigierte mein optimistisches Bild vom Arabischen Frühling. Nach den Massenprotesten auf dem Tahrir-Platz in Kairo, die zum Fall des Mubarak-Regimes geführt hatten, schien es mir nur naheliegend, dass in Ägypten eine säkulare, der westlichen Kultur zugeneigte Bewegung entstanden und das Land auf einem laizistischen Kurs sei. Doch was in Ägypten und den anderen Ländern des arabischen Raums stattgefunden hat, ist nach Ahmeds Einschätzung keine wirkliche Revolution mit tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen. An der Staatsspitze ist es zwar zu personellen Veränderungen gekommen, aber die korrupten und autoritären Strukturen bestehen fort.

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