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Aus der weiten Welt

Südkorea behütet seine Wirtschaft

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Die Kaufentscheidung ist patriotisch korrekt

Demonstranten protestieren gegen die WTO in Seoul, im Jahr 2005. Quelle: REUTERS

Dazu passt, dass die Koreaner unterschwellig immer noch eine Mentalität der patriotisch korrekten Kaufentscheidung pflegen. Zwar nicht mehr so ausgeprägt wie in den 90er Jahren, als Koreanern, die ein ausländisches Auto fuhren, schon mal die Steuerfahndung an den Hals gehetzt wurde. (Weshalb diejenigen, die es sich leisten konnten, die Autos lieber leasten, weil sie dann nicht als Eigentümer galten.) Doch im Geschäftsleben besteht nach wie vor ein gewisser sozialer Druck: Bei offiziellen Geschäftstermin fährt man politisch korrekt mit dem Equus von Hyundai oder dem Chairman von Sangyong vor, die Ehefrau dagegen hat einen BMW oder Mercedes. Und für den Staat ist patriotischer Protektionismus unverändert selbstauferlegte Pflicht: Regierung und Staatskonzerne kaufen ausschließlich koreanische Modelle.

Wer sich dann noch wundert, warum nicht nur die öffentlichen Verkehrsbetriebe keine Busse von Daimler oder Fiat einsetzen, sondern auch private Firmen nur koreanische nutzen, findet die Erklärung in einer kleinen technischen Vorschrift: Danach haben die Busse hier fünf Zentimeter schmaler zu sein. Einen Sinn hat diese Norm nicht, sie dient weder der Sicherheit der Fahrgäste noch dem Schutz der Umwelt, sondern lediglich dazu, ausländische Anbieter abzuschrecken und den Markt allein Hyundai & Co. zu überlassen. Umgekehrt kann aber Hyundai seine schmaleren Busse nun in Europa vertreiben - zollfrei und ohne zusätzlichen technischen Aufwand.

Diese Ungleichbehandlung ist Ergebnis davon, dass die EU in dem Freihandelsabkommen auf die gegenseitige Anerkennung technischer Normen und Vorschriften, ein sogenannte "Mutual Recognition Agreement" (MRA) verzichtet hat. Im Abkommen findet sich lediglich ein Konfliktlösungsmechanismus mit dem Ergebnis, dass man mit den Koreanern über solche Streitpunkte mühsam einzeln verhandeln und sie zu Kompromissen überreden muss. Und in der Erfindung solcher Normen sind die Koreaner äußerst kreativ. Schon geht bei der Europäischen Handelskammer in Korea die Sorge um, dass die Koreaner für Elektroautos ebenfalls spezielle Normen vorlegen werden, die mit den europäischen nicht kompatibel sind.

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Was lehrt uns das, auch im Hinblick darauf, dass die EU auch mit anderen Staaten wie Japan und Indien Freihandelsabkommen abschließen will, weil die WTO-Verhandlungen zur Doha-Runde in einer Sackgasse stecken? Erstens sind solche Freihandelsabkommen nur die zweitbeste Lösung, weil Handelserleichterungen immer nur den beteiligten Ländern zugute kommen. Dann droht ein handelspolitischer Flickenteppich zu entstehen, der den Welthandel verkompliziert, weil überall andere Vorschriften gelten. Zweitens geht es nicht ohne MRA, insbesondere bei Ländern, die wie Korea massiv Industriepolitik zugunsten ihrer nationalen Konzerne betreiben. Alles andere ist naiv.

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