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Aus der weiten Welt

Syrien: Kampf um das sensible Herz des Nahen Ostens

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Interessen von Israel und USA

Die größten Ölreserven der Welt
Eine Frau trocknet Wäsche auf einer Erdöl-Pipeline Quelle: ASSOCIATED PRESS
Libyen Quelle: REUTERS
Logo von Rosneft Quelle: ITAR-TASS
Ölraffinerie in den Vereinigten Arabischen Emiraten Quelle: AP
Ktar Quelle: REUTERS
Kuwait Quelle: REUTERS
Irak Quelle: REUTERS

Interessen in Syrien verfolgt auch Israel, das seit 1967 die Golan-Höhen besetzt hält. Zwischen Israel und Syrien gibt es bislang keinen Friedensvertrag. Weil Syrien palästinensische Gruppen unterstützt, steht Assad bei der halben Million palästinensischer Flüchtlinge in Syrien im Ruf eines verbündeten Kämpfers. Israel und die Vereinigten Staaten haben ebenfalls ein Interesse an der Schwächung Assads, weil er mit dem Iran verbündet ist, dessen Atomprogramm sie verhindern wollen. Einen Vorwand für ein Eingreifen könnte Assad selbst liefern, wenn er in seinem Todeskampf versucht, den Libanon und die Grenze nach Israel zu destabilisieren.

Langer Stellvertreterkrieg möglich

Direkte ausländische Interventionen sind derzeit noch wenig wahrscheinlich. Die Internationalisierung des syrischen Bürgerkriegs ist in Form eines Stellvertreterkrieges aber schon voll entbrannt. Saudi Arabien und die Golfemirate stärken die Aufständischen mit Waffenlieferungen und Geld, der Iran stützt das strauchelnde Regime in Damaskus mit der Entsendung von Revolutionsgarden.

Es ist nur eine Frage der Zeit, wann auch der Libanon, der Irak und die Türkei in den Konflikt einbezogen werden. Syrien droht zu „einem blutigen Stellvertreterkampffeld zwischen regionalen und globalen Interessen“ zu werden, schreiben Lin Noueihed und Alex Warren. „Syrien ist zu zentral für die Zukunft des Nahen Ostens und den kalten Krieg mit dem Iran, um von den konkurrierenden Parteien im Ausland ignoriert zu werden.“ 

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Auf Dauer hat Assad zwar keine Überlebenschance. Aber wie die politische Landkarte des Nahen Ostens in Zukunft aussehen wird, hängt von vielen Faktoren ab. Wie umfassend interveniert der Iran in den Bürgerkrieg? Nutzen Israel und die USA die Schwächung des Iran zu einem Luftangriff auf das iranische Atomprogramm? Und wie verhalten sich die Kurden, deren Nationalismus neue Nahrung erhalten hat, und als Reaktion darauf die Türkei? In jedem Fall droht die Eskalation auf weitere Länder. Der syrische Bürgerkrieg würde einen Flächenbrand entzünden, dessen Flammen bis nach Mitteleuropa schlagen.

Umgekehrt ist auch ein positives Szenario möglich. Der Bürgerkrieg bleibt auf Syrien beschränkt, aus dem der Iran geschwächt und Saudi Arabien gestärkt hervorgehen. Das würde die Chance bieten für einen dauerhaften Frieden mit Israel und für den Libanon. Der Nahe Osten würde sich wieder beruhigen, aber die Vorzeichen hätten sich geändert: Statt der säkularen Regimes aus der Zeit vor dem arabischen Frühling würden die arabischen Länder in Zukunft stark von einem politisch konservativen, sunnitischen Islam geprägt sein. Den Kampf der Kulturen, den Samuel Huntington bereits Anfang der 90er Jahre prophezeite, hätte Europa dann unmittelbar vor seiner Haustür.

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