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Aus der weiten Welt

Bewegung in Nordkorea

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Was die Hanns Seidel Stiftung der CSU in Nordkorea macht

Landwirt vor Pjöngjang Quelle: dapd

Wie die Seidel Stiftung sind weitere deutsche Parteistiftungen in Nordkorea aktiv. Sie unterhalten Büros in Seoul, obwohl Südkorea seit 1996 OECD-Mitglied und kein Empfänger mehr von deutscher Entwicklungshilfe ist. Aber die Südkoreaner selbst baten die Stiftungen zu bleiben. Zum einen haben sie Beratungsbedarf – sie wollen nicht unsere Fehler wiederholen, wenn bei ihnen die Wiedervereinigung auf der Tagesordnung steht. Zum anderen können die Vertreter der Stiftungen im Gegensatz zu den Angehörigen der Regierung Südkoreas in den hermetisch verschlossenen Norden reisen, wovon sich auch Seoul etwas verspricht.

Die Seidel Stiftung ist schon seit 2003 in Nordkorea aktiv. Südkorea-Repräsentant Seliger, der seit dem Jahr 1998 in Seoul lebt und fließend Koreanisch spricht, ist im Schnitt einmal monatlich in Nordkorea. Er dürfte damit zu den bestinformierten Nordkorea-Experten gehören. Neben den Clean-Energie-Projekten berät die Seidel-Stiftung eine staatliche Farm (500 Hektar, 500 Beschäftigte) in organischem Anbau und organisiert Fortbildungen für landwirtschaftliche Fachkräfte.

Die Hinwendung der Nordkoreaner zum organischen Landbau ist allerdings keiner Weltverbesserungsideologie geschuldet, sondern aus der reinen Not geboren. Die Uno-Sanktionen wirken, Nordkorea erhält aus Südkorea oder anderen Ländern keine Pestizide und keine Düngemittel mehr, ein Grund mit für die katastrophale Versorgungslage der Bevölkerung.

Des Weiteren vergibt die Seidel Stiftung Stipendien zum Studium in Deutschland. In diesem Jahr schickt die Seidel-Stiftung zwei Förster zum Studium der nachhaltigen Forstwirtschaft nach Eberswalde. Stipendien werden allerdings nur in „unkritischen“ Fächern vergeben, Forst- und Betriebswirtschaft etwa oder Medizin. Das soll verhindern, dass Nordkoreaner hier militärisches Knowhow erwerben. Den Antrag auf ein Physik-Stipendium lehnte die Stiftung denn auch ab.

Stipendien für nordkoreanische Physiker? Besser nicht

Neben der Seidel Stiftung sind zwei weitere politische Stiftungen unmittelbar in Nordkorea engagiert. Die Friedrich Naumann Stiftung der FDP organisiert einen Rechtsdialog und berät das Außenwirtschaftsministerium in der Ausarbeitung eines Rechtsrahmen, um ausländische Unternehmen als Investoren anzuziehen. Die Friedrich Ebert Stiftung der SPD hat sich auf Erneuerbare Energien fokussiert.

Die Konrad-Adenauer-Stiftung der CDU ist nicht direkt in Nordkorea engagiert, sie beschränkt sich auf die Vergabe von Stipendien. Damit braucht sie keine Partnerschaft mit der regierenden KP einzugehen. Denn wer in der Volksrepublik tätig sein will, muss eine Regierungsinstitution zum Partner haben. Bei den politischen Stiftungen ist das naturgemäß die KP. Naumann- und Ebert-Stiftung haben diese Kröte geschluckt, sie sind offiziell Partner der Partei der Arbeit Koreas.

Die Seidel-Stiftung hat das Außenwirtschaftsministerium als Partner. Seliger und seine Mitarbeiter haben damit zwar noch keine Kontakte zur normalen Bevölkerung. Ihr Umgang beschränkt sich auf Funktionäre, aber er ist weniger ideologisch geprägt, da er mehr auf der Arbeitsebene stattfindet.

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