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Aus der weiten Welt

Syrien: Kampf um das sensible Herz des Nahen Ostens

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Wirtschaftliche Misere

Welche EU-Staaten am meisten importieren
Ölraffinerie: Großbritannien bezieht ein Prozent seiner Ölimporte aus dem Iran, und damit 11.000 Barrel pro Tag. Quelle: Reuters
Ölfässer in Hamburg: Auch Deutschland stillt ein Prozent seines Öldurstes mit iranischen Importen. Hier entspricht das 17.000 Barrel pro Tag. Quelle: dpa
Eine Shell-Ölraffinerie in Rotterdam: Ihren Bedarf an Rohöl decken die Niederlande zu zwei Prozent mit iranischen Importen, was einer Menge von 33.000 Barrel pro Tag entspricht. Quelle: dpa
Tankstelle des Mineralölkonzerns Total Quelle: dpa-dpaweb
Benzinpumpen an einer Tankstelle in Spanien: Das Land deckt 13 Prozent seines Ölbedarfs aus Iran-Importen. In Barrel pro Tag macht das 137.000. Quelle: Reuters
Das Logo des italienischen Tankstellennetzes Agip: Ebenfalls zu rund 13 Prozent deckt Italien seinen Ölbedarf mit Importen aus dem Iran. Das bedeutet 183.000 Barrel pro Tag. Quelle: ap
Griechische Fahnen vor der Akropolis: Unter den EU-Staaten deckt Griechenland den größten Teil seines Bedarfs mit Ölimporten aus dem Iran - nämlich rund 14 Prozent. Quelle: dapd

Privilegiert waren die beim Staat Beschäftigten. Die Gehälter in der Privatwirtschaft erreichten nur drei Viertel der des staatlichen Sektors. Aufgrund der Verdreifachung der Bevölkerungszahlen seit 1970 wurde Wohnraum knapp, Immobilienpreise und Mieten verteuerten sich so, dass viele junge Syrer es sich nicht leisten konnten, eine Familie zu gründen, sondern weiter bei den Eltern leben mussten.

Die wirtschaftliche Misere war nicht die Hauptursache, aber ein wesentlicher Grund für die Unzufriedenheit der Syrer, vor allem der Jugend. Die Bevölkerung sah, wie sich eine kleine Schicht sunnitischer Kaufleute und die alawitische Machtelite bediente und reicher wurde, während sie hart um ihre Existenz kämpfen musste.

Religiöse Minderheiten fürchten sunnitische Mehrheit

Dennoch kam der arabische Frühling erst mit Verzögerung nach Syrien. Denn im  Unterschied zu Tunesien, Libyen und Ägypten, wo die Diktatoren schnell fielen, gibt es in Syrien neben der mehrheitlich sunnitischen Bevölkerung (75 Prozent) einflussreiche ethnische und religiöse Minderheiten, die um ihre Religionsfreiheit und politische Gleichberechtigung nach dem Fall des Assad-Regimes fürchten.

Für die Minoritäten waren die säkularen Vorstellungen der autokratisch regierenden Baath-Partei durchaus attraktiv, fürchteten sie doch,  in einem konservativer geprägten, sunnitisch-islamischen Syrien zu Bürgern zweiter Klasse zu werden.

Einflussreichste Minderheit sind die Alawiten, zu denen auch der Assad-Clan gehört. Sie haben viel zu verlieren, wenn das Regime zusammenbricht. Über Inhalt und Riten dieser Religionsgemeinschaft ist wenig bekannt, sie versteht sich als eine Art Geheimreligion, die Gläubigen schwören bei ihrer Initiation, die Lehren ihrer Religion geheim zu halten. Die Alawiten sehen sich als eine Abspaltung der Schiiten, zu denen sie gute Beziehungen pflegen und von denen sie auch als Muslime anerkannt werden. Die Sunniten bekämpfen sie dagegen als Häretiker. Von den Osmanen wurden die Alawiten als Ungläubige verfolgt und mit hohen Steuern belegt.

Die Alawiten machen etwa zwölf Prozent der syrischen Gesamtbevölkerung aus. Sie lebten bis Mitte des 20. Jahrhunderts als Kleinbauern zurückgezogen in Bergdörfern. Die Franzosen, die Syrien aufgrund eines Völkerbund-Mandats bis 1947 regierten, hatten ihnen sogar ein autonomes Territorium zugestanden.

Christen in Syrien

Aus dem Alawiten rekrutieren sich viele Offiziere und der überwiegende Teil der Machtelite. Zwar wurden auch viele Sunniten zum Militärdienst eingezogen, aber das Offizierschor besteht wesentlich aus Alawiten, ebenfalls die Republikanische Garde, eine Eliteeinheit unter dem Kommando von Baschars Bruder Maher. Die nominal 400.000 Mann starke Armee ist allerdings durch Verluste und Desertionen geschwächt.

Des Weiteren leben in Syrien Christen maronitischer, griechisch-orthodoxer, syrisch-orthodoxer und armenischer Konfession. Sie machen etwa zehn Prozent der Bevölkerung aus. Viele fühlten sich durch das Assad-Regime geschützt, als sie sahen, wie Christen nach dem Fall der säkularen Regimes zuerst im Irak und dann in Ägypten verfolgt wurden und viele daraufhin auswanderten.

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