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Aus der weiten Welt

China will raus aus der Dollar-Falle

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Zweite Stufe: Investitionen


Deng Xiaoping - Mit ihm fing alles an, seine Reformen machten China zur wirtschaftlichen Großmacht. Nun bekommt auch Chinas Währung globalen Status. Quelle: REUTERS

Zweitens soll der Renminbi auch bei Investitionen genutzt werden. So können ausländische Unternehmen seit zwei Jahren ihren Bedarf an chinesischer Währung auch über die Ausgabe von auf Renminbi lautenden Bonds in Hongkong (sogenannte Dim-Sum-Bonds) beschaffen. Den ersten hatte McDonalds 2010 aufgelegt, inzwischen nutzen auch viele deutsche Unternehmen wie Lanxess oder Volkswagen dieses Finanzierungsinstrument. Insgesamt hat der Renminbi-Offshore-Markt in Hongkong schon einen Umfang von 160 Milliarden Dollar erreicht und wächst kräftig weiter.

Auch Direktinvestitionen werden zunehmend auf Basis von Renminbi finanziert – sowohl die chinesischer Unternehmen im Ausland wie auch die ausländischer Unternehmen in China. Zusätzlich können ausländische Fonds nun auch in bestimmten Segmenten der chinesischen Finanzmärkte aktiv werden. Dennoch ist der Renminbi bislang erst an 16. Stelle der international verwendeten Währungen.

Dritte Stufe: Internationale Reservewährung

Damit der Renminbi zu einer internationalen Reservewährung wird, muss China sein Finanzsystem grundlegend reformieren. Das betrifft den Renminbi, dessen tägliche Schwankung gegenüber einem Währungskorb auf eine schmale Bandbreite von einem Prozent begrenzt ist. Er muss völlig konvertibel werden, um stärker auf Angebot und Nachfrage reagieren zu können. Dies wird nach der Einschätzung des Deutsche-Bank-Managers Hakan Wohlin schon in den nächsten vier Jahren der Fall sein.

Das betrifft zudem die Zinsen, die China künstlich niedrig hält. Dadurch finanzieren die Sparer die Expansion der staatlichen Unternehmen mit Hilfe günstiger Kreditkonditionen und die hohen Profite der Banken. Und das betrifft die Finanzmärkte und den Kapitalverkehr, die weiter liberalisiert werden müssen. So dürfen Ausländer immer noch nicht direkt in chinesischen Aktien investieren und umgekehrt Chinesen nicht im Ausland. Von 40 Positionen des Kapitalverkehrs mit dem Ausland sind nach einer Studie der HSBC-Bank nur 14 völlig konvertibel. Vier sind überhaupt nicht-konvertibel und 22 sind es nur teilweise.    

Bei meiner ersten Recherchereise in China 1989 kam ich übrigens zu dem Schluss, dass die KP-Führung an der Öffnungspolitik festhalten werde. Gezwungenermaßen: Die wirtschaftliche  Entwicklung im Süden war schon so weit fortgeschritten, dass Peking bei einer Rückkehr zum Maoismus der Kulturrevolution mit massiver Opposition in den Küstenprovinzen und einem Auseinanderbrechen des Riesenreiches hätte rechnen müssen.

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Es war Deng Xiaoping, der China wirtschaftlich reformierte und damit zu einer ökonomischen Großmacht machte. Ein Ergebnis davon, das viele unterschätzen und dessen Tragweite auch Deng damals wohl nicht erfasste: Die Wandlung Chinas von einer totalitären zu einer autoritären Diktatur, was den Chinesen nicht nur höheren Lebensstandard, sondern auch größere persönliche Freiheitsgrade bescherte, trotz Machtmonopols der KP.

Und ebenso dürfte Deng damals vermutlich nicht damit gerechnet haben, dass der Redback eines Tages den Greenback herausfordert.

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