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Auslaufmodell Obama Eine Weltmacht zieht sich zurück

Er trat an, um Amerika und die Welt zu verändern. Jetzt muss Barack Obama noch zwei Jahre im Weißen Haus aussitzen. Ist ein geschwächter US-Präsident ein schlechtes Omen für die Welt?

Der Zerfall Amerikas in Bildern
2011 begann Seph Lawless damit, sich mit dem urbanen Zerfall zu beschäftigen. Er fotografiert verlassene Fabriken, Kirchen, Krankenhäuser - und Shopping Malls. Von dem einstigen Konsumtempel der Ohio’s Randall Park Mall sind nur noch Ruinen übrig.
Nachdem er gut 3000 Fotos geschossen hatte, begann Lawless den Zerfall der Shopping Malls in seinem ersten Buch, " The Autopsy of America" zu dokumentieren.
Sein neues Buch " Black Friday: The Collapse of the Modern Mall" beschäftigt sich mit den einstigen Symbolen für Konsum und Kapitalismus. Von vielen sind nur noch traurige Ruinen übrig, wie hier in der Ohio's Randall Park Mall, früher eine der größten Malls in ganz Amerika.
Wo früher gut gelaunte Shopping-Liebhaber ihren Kaffee tranken, finden sich heute nur noch Scherben.
"Ich hoffe, dass die Leute meine Bilder sehen und das Ende der größten Wirtschaftsmaschine der Welt erkennen - die Vereinigten Staaten von Amerika", so Lawless.
Hier blüht nichts mehr. Nirgendwo werde der Zerfall Amerikas so deutlich wie an den Shopping Malls, meint Seph Lawless.
Auch die Rolling Acres Mall in Akron, Ohio, hat ihren früheren Glanz verloren.

Wladimir Putin hat ihn in der Ukraine-Krise vorgeführt. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) erwischte Barack Obama auf dem falschen Fuß. Und dann die Ohrfeige der Amerikaner bei den Kongresswahlen - 2014 war das schwärzeste Jahr für den US-Präsidenten.

Zwar raffte sich der Präsident zum Jahresende nochmals auf, startete spektakuläre Initiativen - wie zuvor während seiner ganzen Amtszeit nicht. Überraschend beendet Obama etwa die Eiszeit mit Kuba, bewahrt Millionen illegale Immigranten vor Ausweisung - alles im Alleingang, ohne Zustimmung des Parlaments. Es ist, als wolle Obama sich und der Welt beweisen, dass er noch keine „lame duck“ - keine lahme Ente - ist.

Amerikaner haben genug vom Krieg

Doch die Liste der Pleiten ist lang und überschattet seine Amtszeit: Da ist das Debakel beim Start der Gesundheitsreform, da sind die gescheiterten Nahost-Verhandlungen - und am Ende noch die Unruhen in Ferguson wegen Polizeigewalt gegen Schwarze. Millionen Afro-Amerikaner sind von „ihrem“ Präsidenten tief enttäuscht.

IWF fordert USA zum Handeln auf

Freunde und Verbündete, aber vor allem wohl auch Gegner und Feinde der USA fragen sich: Ist Obama schwach? Zieht sich die Weltmacht USA zurück, ist die Ära, in der Amerika als „Weltpolizist“ galt, endgültig vorbei?

„Ich glaube nicht, dass es den großen Wunsch im Lande gibt, Weltpolizist zu sein“, sagte der Kolumnist Jerry Hagstrom jüngst in Washington. Die Amerikaner hätten einfach genug von Kriegen und „chaotischen Geschehnissen“, die Tausende Menschenleben und Milliarden Dollar kosten.

USA schaut oft nur hilflos zu

Oppositionelle Republikaner werfen Obama immer wieder Schwäche vor. Tenor der Kritik: Der Rückzug der Supermacht sei Schuld daran, dass es in der Welt drunter und drüber geht. Vor allem durch sein Zögern und Zaudern im Syrien-Konflikt trage er Mitschuld am Aufstieg der Terrormilizen.

Verbal zumindest hält Obama am globalen Führungsanspruch fest, doch in der Realität sind die USA längst nicht mehr Akteur bei den großen Konflikten und Krisen in der Welt, sondern Zuschauer. In der Ukraine-Krise musste Obama hilflos erleben, wie Russland sich die Krim einverleibt.

Entwicklung der Einfuhren von Ausrüstungstechnik in die USA

Auch in das Gemetzel in Syrien greift er weder ein noch gelingt es ihm, sich in drei Jahren Bürgerkrieg einen verlässlichen Partner zu organisieren. Noch immer zieren sich die Militärs mit Waffenlieferungen an die Rebellen, wissen nicht, welche Oppositionsgruppen sie unterstützen und ausbilden sollen. „Wir haben noch keine Strategie“, sagte Obama im August als Reaktion auf die IS-Offensive.

Nicht nur Obama-Kritiker meinen, dies sei ein Satz, den ein US-Präsident niemals sagen darf. Der Haken: Bis heute haben die USA noch kein durchschlagendes Rezept gegen die Terrormilizen gefunden. Der deutsch-amerikanische Historiker Richard F. Wetzell drückt es so aus: „Die USA sind einfach nicht mehr die Weltmacht, die sie einmal waren.“ Eines dürfe man dennoch nicht übersehen. „Obama hat verdammt schlechte Karten gehabt“, meint der Experte am Deutschen Historischen Institut in Washington. Die Frage laute: Was hätte Obama tun sollen? Krieg führen um der Krim willen? Selbst die härtesten Falken unter den Republikanern schütteln da den Kopf.

Es fehlt das Geld für militärische Abenteuer

Mit Bodentruppen in Syrien eingreifen? Auch das fordert bisher in Washington kaum jemand, die Mehrheit der Amerikaner hat schlichtweg von Kriegen die Nase voll - vor allem von Kriegen wie im Irak und in Afghanistan, die nicht gewonnen werden. Und nicht zuletzt: Die USA können sich militärische Abenteuer auch finanziell nicht mehr leisten.

„Leading from behind“ hat Obama sein Führungskonzept einmal genannt. Frei übersetzt heißt das: vom Rücksitz aus führen. Obama verlangt, dass sich auch andere Nato-Länder in Konflikten engagieren. Doch am Ende, meinen Kritiker, müsse die „Weltmacht Nummer eins“ vorangehen und die Richtung weisen.

Geplante neue EU-Sanktionen gegen Russland

Noch hat Obama zwei Jahre Zeit. Bis Januar 2017 ist er im Amt. Dass die Sanktionen Russland zum Einlenken bringen, glaubt in Washington kaum jemand mehr. Wie lange sich das Regime von Baschar al-Assad in Syrien noch hält, steht in den Sternen.

Einen Trumpf hat Obama noch im Ärmel: Sollte - trotz der jüngsten Enttäuschung bei den Wiener Verhandlungen - doch noch eine Einigung mit dem Iran in Sachen Atomstreit gelingen, wäre das ein historischer Fortschritt.

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Doch dazu braucht Obama auch die Unterstützung Russlands - und nach Tauwetter mit Moskau sieht es derzeit wahrlich nicht aus. Schlimmer noch: Schon formieren sich im Kongress die Kräfte, die einem Abkommen mit Teheran skeptisch gegenüberstehen, die gar noch härtere Sanktionen wollen.

Und wenn der neu gewählte Kongress im Januar zusammentritt, beherrschen die Republikaner beide Kammern - eine weitere schwere erhebliche Schwächung für den Präsidenten. Für das Auslaufmodell Obama sieht es nicht gerade so aus, als würde das Jahr 2015 wesentlich einfacher werden als 2014.

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