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Außenhandel Profitieren vom arabischen Boom

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Siemens-Gepäckband für den Ausbau des Dubaier Flughafens Quelle: LAIF/REA

Ihre Enttäuschung wird sich folglich gegen die neuen Machthaber richten. Für ausländische Exporteure oder gar Investoren deuten sich Probleme nicht nur wegen schrumpfender Märkte an, sondern auch wegen möglicher neuer Unruhen und des Aufstiegs antiwestlicher politischer Kräfte.

Das sehen nicht nur Außenstehende so. „Wir hoffen, dass diese Zeit des Wandels zu einem Abschluss kommt, sonst wirkt sich das negativ auf die arabischen Volkswirtschaften aus“, warnt Imad Shehab das Berliner Publikum. Der Libanese ist Generalsekretär der Generalunion der Arabischen Handelskammern, gilt aber wie viele libanesische Geschäftsleute als Günstling des syrischen Regimes, das die Aufstandsbewegung im eigenen Land auf mörderische Weise niedergeschlagen hat. Syrien wird dieses Jahr zum ökonomischen Schlusslicht des Nahen Ostens werden, und das trifft natürlich auch den kleinen Nachbarn Libanon mit seinen bedeutenden Banken und Handelshäusern.

Neue Möglichkeiten

Was aber noch lange kein Grund zum Pessimismus ist, meint zumindest Thomas Bach, in Personalunion Präsident der Handelskammer Ghorfa und des Deutschen Olympischen Sportbundes: „Wir haben doch viele neue Chancen: In allen arabischen Ländern wird jetzt politisch die Zivilgesellschaft wichtiger und in wirtschaftlicher Hinsicht das private Unternehmertum.“ Woraus für Bach folgt, dass nicht mehr die mühsamen Verhandlungen zwischen deutschen Wirtschaftsleuten und den autoritär organisierten Staaten zum Geschäftserfolg führen werden, sondern die unmittelbaren Kontakte Business to Business: „Zu Deutsch: Die Menschen auf beiden Seiten können unmittelbar miteinander kommunizieren.“

Grundlage für die bessere Kommunikation wäre aus Bachs Sicht erst einmal mehr Zusammenarbeit in Sachen Bildung und Ausbildung. Dabei spielt Deutschland bei der Ausbildung von Wissenschaftlern und Führungskräften keine große Rolle im Nahen Osten: Der von vielen Herrschern am Golf ersehnte Export von Bildungseinrichtungen in die Region ist bislang eine Domäne amerikanischer Einrichtungen. „Unsere Universitäten könnten sich ein bisschen mehr anstrengen und aufgeschlossener auf die arabische Welt schauen als bisher“, sagt Bach.

Denn mit Ingenieuren und Wissenschaftlern, die persönlich oder intellektuell auch in Deutschland zu Hause sind, steigen natürlich die Chancen deutscher Unternehmen. Zwar mag es den Kataris oder Saudis fast egal sein, ob Chinesen oder Amerikaner, Südkoreaner oder Deutsche bei ihnen viel Geld mit dem Flughafen-, Eisenbahn- und Straßenbau verdienen. Ähnliche Projekte in ärmeren arabischen Ländern, die sich vielleicht schon kommendes Jahr vom wirtschaftlichen Einbruch des Jahres 2011 erholen werden, sind ohne viel Beratung und den Aufbau neuer Beziehungen zu den Entscheidungsträgern schwer realisierbar.

Mittelständler, die in Arabien Erfolg haben wie der Pharmahersteller Goehler in Jordanien, erzählen alle von ihrem guten persönlichen Draht zu Geschäftspartnern und Mitarbeitern. Fragt sich nur, ob das reicht, wenn die dramatische politische Entwicklung weitergeht. Während ihrer Berliner Tagung erfuhren die arabischen und deutschen Manager, dass Jordanien überraschenderweise bald dem Golf-Kooperationsrat GCC beitreten werde, dem Bündnis der Golf-Monarchien rund um Saudi-Arabien. Weil die GCC-Herrscher seit vielen Jahren von wirtschaftlicher Integration sprechen – vom gemeinsamen Binnenmarkt bis zur Währungsunion –, ohne dass jedoch viel passiert, kann der jordanische König kaum mit positiven wirtschaftlichen Folgen seines Beitritts rechnen. Eher schon mit dem Schutz durch die saudische Armee vor eventuellen Aufständen im eigenen Land, bezahlt mit einem Ende der vorsichtigen Verwestlichung seines Landes, in dem es viel liberaler und moderner zugeht als in Riad oder Abu Dhabi.

Arabien hat in diesem Jahr einen Frühling der Hoffnungen erlebt, sagt der Rechtsanwalt Florian Amereller, dessen Sozietät in Kairo und Dubai europäische Unternehmen vertritt: „Ich habe über islamisches Recht promoviert, aber hier geht es eher um das Klima: Auf den Frühling folgt in Arabien ein sehr heißer Sommer, in dem vieles verdorren kann.“

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