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US-Präsident Donald Trump Quelle: imago images

Danke, Donald! (Teil 3)

Trumps Protektionismus sorgt für ein Umdenken beim Freihandel. Diese Chance darf die Post-Merkel-Generation nicht verpassen – trotz der Grünen.

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Danke, Donald – Teil 1. Es gibt uncoolere Abgänge. Angela Merkel hat das Ende ihrer politischen Karriere selbstbestimmt eingeläutet. Der Verzicht auf die erneute Kandidatur für den Parteivorsitz ist der Anfang vom Ende. Die beiden Wahlschlappen in Bayern und Hessen waren schlicht zu heftig. Vor kaum zwei Jahren hätte noch nicht jeder auf dieses Ende gewettet. Im Gegenteil, gebeutelt von der Flüchtlingskrise, erhielt sie unverhofft Rückenwind aus den USA.

Ausgerechnet Präsident Donald Trump verschaffte ihr wenige Wochen nach seiner Wahl ein Zwischenhoch. Die Wirren im Weißen Haus wirkten ziemlich abschreckend auf eine wachsende Zahl von Konservativen, die sich endlich auch in Deutschland eine harte Hand an die Macht gewünscht hatten. So viel Unberechenbarkeit wollte man dann noch nicht. Lieber eine berechenbare Frau Merkel, die von manchen gar zur letzten Retterin des liberalen Westens hochstilisiert wurde. Doch jetzt rettet sie höchstens noch die eigene Rente.

Danke, Donald – Teil 2. Ähnlich erging es Europa. Nach Brexitschock und Trump-Trauma feierte das vereinte Europa wieder ein Comeback. So mancher deutsche Wähler fand die Idee einer starken EU gar nicht mehr so abwegig. Der amerikanische Freund wirkte ja plötzlich ziemlich unzuverlässig. Er attackierte die alten Verbündeten beinahe täglich. Da konnte Gegenwind nicht schaden. Das Brüsseler Bollwerk erschien als probates Schutzmittel und nicht nur als Bürokratiemonster. Und der frisch gewählte französische Präsident Emmanuel Macron sorgte für viel Europaeuphorie. Doch auch davon ist nicht mehr viel zu spüren. Spätestens seit die italienischen Populisten einen fahrlässigen Haushalt vorlegten, ist die alte Angst wieder da.

Danke, Donald – Teil 3. Trumps protektionistische Tiraden gefährden die Weltkonjunktur und führen bei den Deutschen gerade zu einem Umdenken. Laut einer Umfrage des Allensbacher Instituts glauben 59 Prozent, dass die deutsche Wirtschaft von der Globalisierung profitiert. Das sind immerhin sechs Prozentpunkte mehr als noch vor drei Jahren.

Eine offene Wirtschaft hat wieder mehr Rückhalt in der Bevölkerung. Diese Steilvorlage sollte die Politik nicht verspielen und für neue Anläufe im Freihandel nutzen. So darf etwa das CETA-Abkommen mit Kanada am Siegeszug der Grünen nicht scheitern. Deutschland ist eine stabile Exportnation, die die Merkeldämmerung überleben wird – aber nicht die Abschottung der Märkte.

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