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Der BMW ist jetzt eine Bombe

Der Populismus erreicht die Wirtschaft. Autos werden zu Bedrohungen, Privatsender zu Profitzensoren. Verbale Abrüstung war nie so dringend wie heute.

Im 20. Jahrhundert waren die Amerikaner hart im Nehmen. Damals hatten sie noch keine Angst vor Autos. Wenn der US-Präsident von einer „Bedrohung der nationalen Sicherheit“ sprach, ging es um echte Gefahren. Das entsprechende Gesetz stammte aus dem Kalten Krieg. Danach wurden damit meist vermeintliche Terroristen aus Iran bekämpft. Der Hass zwischen Supermacht und Mullah-Staat kannte keine Grenzen. Ein Ölembargo sollte das Böse in Teheran ruinieren.

Seit vergangenem Wochenende kennt auch Angela Merkel das Gefühl, ein Mullah zu sein. Die Administration von Donald Trump benutzt nun das alte Gesetz, um europäische Autos als eine Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA einzustufen. Das soll künftige Zölle rechtfertigen. Deutsche BMWs und iranische Bomben sind nun faktisch gleich gefährlich, Massenvernichtungswaffen auf vier Rädern.

Das ist natürlich Blödsinn, aber es passt in die Zeit. Die verbale Eskalation ist das Stilmittel der Stunde. Der Aufmarsch der Rechtspopulisten führt zu einer Verrohung der Sprache. „Volksverräter“, „Lügenpresse“ sind hierzulande nur zwei von vielen Worten aus dem Vokabular der Hetze. Viele fragen sich, ob auf die Gewalt der Worte irgendwann echte Gewalt folgt.

„Worte können sein wie winzige Arsendosen“, schrieb einst der deutsche Romanist Victor Klemperer, „sie werden unbemerkt verschluckt, sie scheinen keine Wirkung zu tun, und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da.“ Das gilt auch für die Welt der Wirtschaft. Donald Trump treibt im Handelsstreit mit der EU die verbale Eskalation auf die Spitze. Entsprechend geschockt reagiert die Kanzlerin. Sie hat dafür nur ein Wort übrig: „Erschreckend.“ Kein Wunder, wo soll da noch Platz für Argumente sein?

Das Wettrüsten mit Worten beherrschen aber nicht nur Trump und Co. Eine publik gewordene Workshop-Unterlage der ARD, mit der die Pressestelle in kontroversen Diskussionen den Deutungsrahmen setzen soll, liest sich stellenweise wie eine Anleitung zur Manipulation. Im „Framing Manual“ werden aus Privatsendern „medienkapitalistische Heuschrecken“, die „Profitzensur“ betreiben.

Offensichtlich war verbale Abrüstung nie so dringend wie heute. Erst wenn Autos wieder Autos sind, Privatsender wieder Privatsender und die Presse wieder Presse heißt, können Menschen normal miteinander reden und Lösungen für Konflikte finden. Vorher sollten sie öfters mal schweigen.

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