Balzli direkt
Quelle: imago images

Die zweigeteilte Welt kommt schneller als gedacht

Beat Balzli
Beat Balzli Ehem. Chefredakteur WirtschaftsWoche Zur Kolumnen-Übersicht: Balzli direkt

Russland besiegelt sein Schicksal als Pekings Vasall und beschleunigt die Zweiteilung der Welt – schlechte Nachrichten fürs deutsche Exportmodell.

  • Teilen per:
  • Teilen per:

Sie denkt die Sachen vom Ende her, hieß es über Exkanzlerin Angela Merkel. Ob das tatsächlich immer so war, daran gibt es inzwischen ernsthafte Zweifel. Neben der von der SPD unterstützten Unterfinanzierung der Bundeswehr rächen sich nun vor allem der Ausstieg aus der Atomenergie und die forcierte Abhängigkeit von russischen Energieimporten. Nach dem barbarischen Überfall Russlands auf die Ukraine stricken Kanzler Olaf Scholz und Wirtschaftsminister Robert Habeck hektisch an einem Plan für eine neue Energieversorgung.

Denn klar ist, Russland wird für lange Zeit Europas Paria sein und kein Geschäftspartner mehr. Die Reihen des Westens waren lange nicht so geschlossen. Das Paket mit den Wirtschaftssanktionen wirkt effektiver als erwartet, auch wenn es manches Schlupfloch gibt. Das Größte liegt in Asien. Moskau hat auf absehbare Zeit nur noch in Peking zahlungskräftige Freunde. Mit dem Krieg gegen die Ukraine besiegelt Putin sein Schicksal als einer der Vasallen in Chinas Hemisphäre.

Die jüngste Entwicklung verstärkt einen Trend, der schon länger anhält. „Wir laufen eindeutig Gefahr, dass die beiden großen Wirtschaftsmächte China und Amerika der Versuchung erliegen, ihre Volkswirtschaften zu entkoppeln, was im schlimmsten Fall auf eine Aufspaltung der globalisierten Wirtschaft in zwei konkurrierende Räume hinauslaufen könnte“, meinte vor wenigen Wochen der Luxemburger Außenminister Jean Asselborn am Gipfeltreffen der Weltmarktführer in Schwäbisch Hall. Der eine sei geführt von China, der andere von den Vereinigten Staaten. „Dies entspricht nicht unserer Vision des internationalen Handels.“

Tatsächlich steht der Multilateralismus auf dem Spiel. Die Eskalation in Europas Osten wirkt wie ein Katalysator. Zwar wirkt China nicht glücklich mit dem Vorgehen des Kremlchefs, zumal die Ukraine viel Weizen liefert. Doch wer so isoliert ist wie Putin, wird künftig ein gefügiger Partner und Rohstofflieferant sein. Und der gemeinsame Feind USA schweißt zusammen.

Es droht eine verhärtete Front, die sich durch eine zweigeteilte Welt zieht und Deutschlands Exportmodell bremst. Womit wir wieder bei Angela Merkel wären. Sie lavierte pragmatisch zwischen den Blöcken statt den moralisch überlegenen Weg zu wählen – damit am Ende kein Geschäft platzt. Im neuen Lagerdenken gibt es dafür kaum Raum.

Mehr zum Thema: Der Ukraine-Krieg treibt den Ölpreis auf immer neue Höhen. Das belastet die gesamte Volkswirtschaft. Kann der Ölpreis die Konjunktur kippen lassen und den Traum vom Post-Corona-Aufschwung beenden?

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%