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Quelle: REUTERS

Wird Trump von den Mullahs gerettet?

Trumps Anhänger merken bald, dass Handelskriege keine Jobs zurückbringen. Dann bleibt dem Präsidenten nur eine Option. Man sollte ihn vorher stoppen.

Amerikanische Waschmaschinen gelten als Wunder der Technik. So oder ähnlich beschreiben ironiebegabte Einwanderer den Weg zu sauberen T-Shirts und Jeans in den USA. Das Land schickte Astronauten zum Mond und erfand das iPhone, aber in Sachen Wäsche leben die Amerikaner in der Steinzeit. Mit einer Art Rührstab-Methode quälen die US-Top-Lader jedes Kleidungsstück zielsicher zu Tode.

Dank Donald Trump ändert sich daran so schnell auch nichts – mit einer Ausnahme. Seine Strafzölle auf moderne Maschinen aus Südkorea und Co. haben die amerikanischen Hersteller dazu genutzt, die Preise anzuheben – nachdem diese in den vergangenen Jahren gesunken waren. Was Protektionismus anrichtet, lässt sich hier schöner als in jedem Lehrbuch nachvollziehen.

Der haarige Handelskrieger zieht inzwischen eine Blutspur durch Amerikas Preislandschaft. Was er als tolle Steigerung der Zolleinnahmen verkauft, legen am Ende seine Wähler beim Shoppen zusätzlich auf den Tisch. Und das ist eine gute Nachricht. Nur der Unmut von Konsumenten und Arbeitern macht Trump wirklich Angst. Tatsächlich läuft es auch an der Jobfront nicht. Durch die Schlachten mit China ist noch keine einzige Stelle zurückgekommen, wie er es im Wahlkampf versprochen hat. Stattdessen weichen immer mehr Lieferanten nach Vietnam aus. Derweil steigen die Preise für die Endverbraucher weiter, und US-Firmen dürften bald von den chinesischen Gegenmaßnahmen getroffen werden.

Alle Scharmützel, die Trump angezettelt hat, führten bislang zu nichts. Abgesehen von einem Vertrag mit Südkorea kann er wenig vorweisen. Sein Abkommen mit Kanada und Mexiko wird im Kongress bekämpft, die Deals mit Japan und der EU liegen in weiter Ferne. Der Streit mit China dürfte sich nicht so schnell legen.

Manch einem Trump-Fan könnte schon morgen dämmern, dass er für eine sinnlose Strategie teuer bezahlt. Wird das zum Massenphänomen, bräuchte der Präsident eine neue Story, um Hardcore-Patrioten zu besänftigen – zum Beispiel einen Krieg gegen Iran.

Auch wenn er solche Absichten derzeit bestreitet, sollte die internationale Gemeinschaft alles unternehmen, um den Oberfalken auf diplomatischem Weg zu stoppen. Halbherzige Appelle helfen nicht. Da braucht es jetzt schnell eine konzertierte Großaktion – eine gute Übung für das ohnmächtig wirkende Europa.

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