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BBC-Umfrage (Fast) Alle mögen Deutschland

Die Bundesrepublik hat einen positiven Einfluss auf die Welt, findet die große Mehrheit einer internationalen BBC-Umfrage. An Bundeskanzlerin Angela Merkel liegt das nicht.

Das Image Deutschlands in der Welt ist besser als erwartet. Quelle: dpa

Angela Merkel in Nazi-Uniform, Hakenkreuze auf der Deutschlandfahne und anti-deutsche Parolen: Wer die Protestbilder aus Griechenland und Zypern, aus Madrid und Rom vor Augen hat, der kann sich über die neueste Studie der britischen BBC nur wundern: Deutschland ist einer Umfrage zufolge das Land, dessen Einfluss Menschen in aller Welt am positivsten sehen. Mit einer Zustimmung von 59 Prozent landete Deutschland mit deutlichem Vorsprung auf Platz 1 vor Kanada und Großbritannien. Im Vorjahr hatte Japan noch an der Spitze gelegen. Das Land rutschte auf Platz vier ab. Die BBC hatte 26.000 Menschen in 25 Ländern der Erde nach ihrer Sichtweise auf 16 Länder befragt. Auf dem letzten Platz landete der Iran, knapp hinter Pakistan. Deutschland wird von 59 Prozent "überwiegend positiv" gesehen - drei Prozentpunkte mehr als noch vor einem Jahr.

Berlusconi schürt antideutsche Kampagne
Italiens Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi und seine Partei Forza Italia (FI) wollen im Europa-Wahlkampf mit kritischen Parolen über Deutschland punkten. Berlusconi griff den sozialdemokratischen EU-Spitzenkandidaten Martin Schulz scharf an und verunglimpfte dabei auch dessen Landsleute mit der Aussage, die Deutschen hätten die Existenz von Konzentrationslagern nie anerkannt. Die FI plakatiert indes den Slogan „Più Italia, meno Germania“ („Mehr Italien, weniger Deutschland“). Die SPD protestierte umgehend, auch in der CDU gibt es Kritik. Forza Italia macht die deutsche Sparpolitik für die Rezession der italienischen Wirtschaft verantwortlich. Berlusconis Partei fordert, sich dem Kurs zu widersetzen. Schulz sagte dazu dem „Spiegel“: „Es ist empörend, dass eine Schwesterpartei der CDU in Italien mit antideutschen Parolen Wahlkampf macht.“ Aus Berlusconis Umgebung wurde die Kritik als „politische Instrumentalisierung“ abgetan. Berlusconi attackierte Schulz und die Deutschen mit Rückgriffen auf die grausame deutsche Geschichte: Er habe im Jahr 2003 für Schulz unfreiwillig Werbung gemacht, als der dem damaligen EU-Parlamentarier vorwarf, dieser sei die ideale Besetzung für die Rolle eines KZ-Aufsehers, sagte der ehemalige italienische Ministerpräsident bei einer Parteiveranstaltung am Samstag in Mailand. „Ich wollte ihn nicht beleidigen, aber, um Gottes Willen, für die Deutschen haben die Konzentrationslager nie existiert“, zitierte die Nachrichtenagentur Ansa den erneuten Ausfall Berlusconis. „Die Katyn-Lager, ja doch, die deutschen nicht“, fügte der rechtskräftig verurteilte Steuerbetrüger demnach hinzu. In Katyn hatten sowjetische Truppen im Frühjahr 1940 Tausende polnische Soldaten ermordet. Konzentrationslager gab es dort nicht. Quelle: dpa
In Griechenland geht die Angst vor neuen Sparauflagen um. Nachdem Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am Mittwoch verlauten ließ, Griechenland werde nach 2015 ein drittes Hilfspaket benötigen, kochten die Emotionen in den griechischen Medien hoch. Die Athener " Zeitung der Redakteure" (im Bild) ahnte sogleich "neue, unerträgliche Sparauflagen für das griechische Volk" voraus. Schäuble, so hieß es, arbeite bereits an einem neuen Kreditvertrag für Griechenland. Die Zeitung "Real" titelte gar: "Herr Schäuble, bringen Sie das gestohlene Geld zurück". Das Blatt "Ta Nea" sieht einen Zusammenhang zwischen dem Besuch des EZB-Direktors Asmussen in Athen und Schäubles Äußerungen - Asmussen habe bereits Einzelheiten eines neuen Hilfskonzepts im Gepäck, wurde gemutmaßt. Der EZB-Direktor wies diese Spekulationen im Anschluss an sein Treffen mit dem griechischen Finanzminister Stournaras zurück. Quelle: Screenshot
Noch relativ freundlich geht das britische Wirtschaftsmagazin "The Economist" mit den Deutschen ins Gericht. Als zögerlichen Herrscher bezeichnete das Magazin Deutschland im Juni 2013. Deutlich schärfer blies der Wind dagegen in den letzten Monaten aus Südeuropa...
Angela Merkel auf dem Cover der griechischen Zeitschrift Crash Quelle: Handelsblatt Online.
Europäische Politiker in einer Titelgeschichte der griechischen Zeitschrift Crash Quelle: Handelsblatt Online.
Cover der griechischen Magazins crash Quelle: dpa
Neben Bundeskanzlerin Angela Merkel ist auch IWF-Chefin Christine Lagarde zum Hassobjekt in Griechenland geworden. Hier werden die beiden Politikerinnen als Krähen dargestellt, die Griechenland bestehlen wollen. Soldaten versuchen, die beiden Frauen mit den Hitler-Bärten abzuwehren.

Einzig die Griechen finden, dass Deutschland der Welt nicht gut tut. 52 Prozent glauben, die Bundesrepublik verändere die Welt zum Schlechten. In Spanien hingegen, wo die Merkel'sche Euro-Rettungspolitik scharf kritisiert wird, sagen mehr als zwei Drittel der Befragten,  dass Deutschland einen positiven Einfluss auf die Welt hat. Noch höher sind die Zustimmungsraten in Frankreich (81 Prozent) und Großbritannien (78 Prozent). Sind die wütenden Demonstranten mit ihren anti-deutschen Plakaten und Rufen also nur eine schrille Minderheit? Ja, und nein.

Angela Merkel genießt in vielen Ländern Europas keinen guten Ruf. Sie gilt als egoistisch, wenig mitfühlend und konzeptlos. Spricht man mit Italienern, Spaniern und Griechen sind diese erstaunt bis erschüttert, dass Merkel und ihr Finanzminister die beliebtesten deutschen Politiker sind, wie das ZDF-Politbarometer etwa regelmäßig feststellt. Nein, Angela Merkel sollte sich durch die BBC-Umfrage nicht bestätigt sehen. Vielmehr scheint es so, dass die Menschen unterscheiden zwischen Deutschland und seinem Einfluss auf die Welt und der Politik der deutschen Bundeskanzlerin.

Die Bundesrepublik wird weltweit bestaunt und bewundert für ihre Wirtschaftskraft, für Disziplin, Pünktlichkeit und den deutschen Qualitätsprodukten. Ob Amerikaner, Zypriote oder Russe: Die Menschen möchten mehrheitlich liebend gerne ein deutsches Auto fahren, eine deutsche Waschmaschine haben und deutsches Werkzeug. Dieser gute Ruf - und die Erfahrung mit den Deutschen als Arbeitgeber oder Geschäftspartner - färbt auf die Bundesrepublik.

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Das zeigt sich auch in der BBC-Umfrage: Nirgendwo sonst ist Deutschland beliebter als in Ghana. In dem westafrikanischen Staat ist die deutsche Wirtschaft sehr präsent. Das Auswärtige Amt spricht von einer "steigenden Nachfrage nach deutscher Technologie" und freut sich, dass das Bundesministerium im Januar 2011 das Delegiertenbüro der Deutschen Wirtschaft eröffnen konnte.

Wirtschaft und der gemeinsame Handel verbinden. So sehr, dass nicht mal Merkels Krisenpolitik einen Keil zwischen Deutschland und seinen Partnern treiben kann.

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