Berechnungen des DIW Bund gibt neun Milliarden Euro für Flüchtlinge aus – und profitiert dennoch

Die Bruttoausgaben für Flüchtlinge im Jahr 2016 werden sich laut DIW auf mehr als neun Milliarden Euro belaufen. Trotzdem profitiert Deutschland: Das Wirtschaftswachstum soll 2016 wohl rund einen Viertelprozentpunkt stärker ausfallen als ohne diese Zuwanderer.

Flüchtlinge gehen unter einer Absperrung an der deutsch-österreichischen Grenze zwischen Salzburg und Freilassing hindurch. Quelle: dpa

Bund, Länder und Kommunen müssen nach Berechnungen des DIW-Instituts im nächsten Jahr rund 9,2 Milliarden Euro für die Bewältigung des Flüchtlingsstroms in die Hand nehmen. Dies seien die Bruttoausgaben unter anderem für Sozialleistungen, Unterkunft und Betreuung der Asylbewerber, erläuterten die Berliner Forscher. In diesem Jahr beliefen sich die Kosten auf 5,8 Milliarden Euro. Die Ökonomen räumten aber ein, die wirtschaftlichen und finanziellen Auswirkungen des Flüchtlingsstroms seien nur schwer zu beziffern.

"Trotz der Mehrausgaben wird bei den öffentlichen Kassen sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr unter dem Strich ein dicker Überschuss stehen", sagte DIW-Finanzexpertin Kristina van Deuverden. Klammert man die Einmalerlöse aus der Versteigerung von Mobilfunklizenzen aus, wird der Überschuss beim Gesamtstaat laut DIW in diesem Jahr 18,5 Milliarden Euro betragen und im nächsten Jahr knapp 20 Milliarden Euro. Im Verhältnis zur Wirtschaftskraft liege der Finanzierungssaldo in beiden Jahren bei 0,6 Prozent.


Die Experten sehen die Wirtschaft auf Kurs – trotz schwächelnder Absatzmärkte in China, Brasilien und Russland. DIW-Präsident Marcel Fratzscher warnte jedoch vor deutlichen Risiken für Deutschland und Europa. "Die Gefahr einer langanhaltenden Wachstumsflaute in Europa ist sogar noch größer geworden."

Viele Strukturreformen - auch in Deutschland - seien noch nicht umgesetzt, zentrale Probleme im Bankensektor noch ungelöst und die private sowie öffentliche Verschuldung in vielen Ländern des Euro-Raums hoch.

Über das Mittelmeer nach Europa: Zahlen zu Flüchtlingen


Nach Schätzung des DIW-Instituts profitiert Deutschland aber kurzfristig vom Flüchtlingsstrom. Das Wirtschaftswachstum werde 2016 wohl rund einen Viertelprozentpunkt stärker ausfallen als ohne diese Zuwanderer. Grund seien höhere Ausgaben der öffentlichen Hand, um die Unterbringung, Schulung und Integration der Menschen zu finanzieren. Dadurch steige der Konsum des Staats. Auch der private Konsum dürfte laut DIW zulegen, da die Flüchtlinge einen großen Teil der Finanzhilfen für persönliche Bedürfnisse ausgeben werden.

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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat jüngst gesagt, trotz der Flüchtlingskrise werde der Bund im nächsten und in den folgenden Jahren möglichst keine neuen Schulden machen und die "schwarze Null" halten.

Die Experten sehen die Wirtschaft auf Kurs - trotz schwächelnder Absatzmärkte wie in China, Brasilien und Russland. DIW-Präsident Marcel Fratzscher warnte jedoch vor deutlichen Risiken für Deutschland und Europa. "Die Gefahr einer langanhaltenden Wachstumsflaute in Europa ist sogar noch größer geworden." Viele Strukturreformen - auch in Deutschland - seien noch nicht umgesetzt, zentrale Probleme im Bankensektor noch ungelöst und die private sowie öffentliche Verschuldung in vielen Ländern des Euro-Raums hoch.

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