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Berühmte letzte Worte

Dabei sein ist alles!? - Vergiss es!

Das Olympische Motto ist zur Farce verkommen. Weil Management, Politik und Menschen so verkommen sind. Es wird Zeit, in Management und Politik Tacheles zu reden.

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Ein Skispringer fliegt über das Symbol der olympischen Ringe Quelle: dpa/dpaweb

Früher, als es noch Ehre gab, Rückgrat und Ideale, galt: "Das Wichtigste an den Olympischen Spielen ist nicht der Sieg, sondern die Teilnahme, wie auch das Wichtigste im Leben nicht der Sieg, sondern das Streben nach einem Ziel ist. Das Wichtigste ist nicht, erobert zu haben, sondern gut gekämpft zu haben." - AD 1894

Heute interessiert sich niemand mehr für den guten Kämpfer. The Winner takes it all. Wen wundert's da, dass wir keine guten Kämpfer mehr haben!? In Management, Politik und Gesellschaft. Nur noch miese Siegertypen. Menschgewordene Ellbogen. Fleischgewordene einarmige Banditen.

Heute ist Fairness Schwäche, ist Empathie Schwäche, Altruismus Schwäche. Werte, Rückgrat, Moral und Ethik nur Schwäche, Schwäche, Schwäche. Hinderlich bei der 'Karriere' in Unternehmen, Politik, Medien und Gesellschaft.

Management, Wirtschaft und Politik zelebrieren den Betrug an Marke und Image, der eigenen Historie, der Gutgläubigkeit der Menschen. Für wen bloß sind noch Werte wichtiger als der Sieg, das Geld und der Ruhm? Wie lange kann das noch gutgehen?

Ich zum Beispiel will schon heute nicht mehr in diesen Kreisen dabei sein. Will ihnen kein Licht mehr sein, in dem sie sich sonnen können. Kein Publikum, das sie bestätigt in ihrem verwerflichen Tun. Will nicht ihre Profite mehren, ihre Quote oder ihre Pension.

Ich will kein Sponsor in Sotchi sein. Will nicht Homophobie und Repression unterstützen, um mehr vom gefärbten Wasser zu verkaufen. Keine Wagen liefern für das Volk.

Will nicht dabei sein, wenn sie zynisch "Open Happiness" in die Welt hinausrufen, aber den Regenbogen rot tränken.



Will nicht dabei sein, wenn Frau Schavan Deutschland in der Welt vertritt. Und bestimmt nicht im Vatikan, wo sie ihrem Gotte, gegen dessen Gebot sie verstoßen hat, noch näher ist.

Will nicht auf der faulen Haut und schlechtgelaunt wie Tanja Schumann im Dschungel herumliegen, sondern leisten für meinen Lohn. Will nicht Zuschauer langweilen mit bloßer Anwesenheit, nur weil ich das Geld brauche.

Will nicht dabei sein, wenn von Gauck und von der Leyen wieder Krieg ausgeht in diesem, unserem Lande.

Will nicht dabei sein, wenn Heckler & Koch - wegen der Arbeitsplätze(!?) - illegal Waffen an die Welt verkauft.

Nicht dabei sein, wenn Uli Hoeneß, Alice Schwarzer, Andre Schmitz ihre wahren Charaktere zeigen. Und nicht dabei sein, wenn diese die 1,30-Euro-'Betrüger' anprangern.

Nicht mehr dabei sein, wenn ADAC-Engel batterie-manipulieren.

Das olympische Motto ist allüberall eine Farce. Weil es uns im besten Falle egal ist.


Einfach kompromisslos nicht dabei sein


Auch Litauens Präsidentin verzichtet auf Sotschi
Dalia GrybauskaitLitauens Staatspräsidentin Dalia Grybauskaite verzichtet genau wie Barack Obama auf eine Reise zu den Olympischen Winterspielen im russischen Sotschi. Angesichts der Menschenrechtslage in Russland sowie des jüngsten politischen und wirtschaftlichen Drucks Moskaus auf die Ukraine, Georgien, Moldawien und auch Litauen sehe sie „keine politische Möglichkeit“ für einen Olympia-Besuch, sagte Grybauskaite kurz vor Beginn des EU-Gipfels am Donnerstag in Brüssel. Sie kritisierte zudem die zunehmende Militarisierung der im Westen an Litauen angrenzenden russischen Exklave Kaliningrad um das frühere Königsberg. Quelle: dpa
Barack ObamaDie USA senden keine hochrangigen Staatsvertreter zu den Olympischen Winterspielen ins russische Sotschi. Erstmals seit 2000 werde kein Präsident, Ex-Präsident oder First Lady zu den Spielen geschickt, hieß es am 17. Dezember. Das Weiße Haus teilte lediglich mit, der Terminplan von Präsident Barack Obama lasse seine Teilnahme nicht zu. Russland steht wegen seines umstrittenen Gesetzes gegen „homosexuelle Propaganda“ international massiv in der Kritik. Es sieht hohe Strafen für jene vor, die Minderjährige über homosexuelle Lebensformen informieren oder Schwulen- und Lesbenparaden abhält. Zwar ging das Weiße Haus in seiner Ankündigung nicht direkt auf das Gesetz ein. Doch Sprecher Shin Inouye sagte, die Delegation spiegele die Vielfalt der USA wider. Amerika setzt stattdessen prominente Sportler auf die Liste amerikanischer Vertreter, unter ihnen homosexuelle Athleten wie die frühere Top-Tennisspielerin und Schwulenrechtlerin Billie Jean King oder die Medaillengewinnerin im Eishockey, Caitlin Cahow. Quelle: REUTERS
François HollandeAuch Frankreichs Präsident François Hollande und Außenminister Laurent Fabius verzichten auf eine Reise zu den Olympischen Winterspielen nach Sotschi. Es sei nicht vorgesehen, dass sich hohe Vertreter des Staates dazu nach Russland begäben, sagte Fabius am 15. Dezember in einem Interview. Weder Hollande noch er selbst wollten im Februar nach Sotschi reisen. Fabius nannte allerdings keine Gründe für die Entscheidung. „Ich wünsche den Spielen viel Erfolg“, ergänzte er lediglich. Frankreich entsendet Sportministerin Valérie Fourneyron zur Eröffnungsfeier. Quelle: REUTERS
Viviane RedingAuch EU-Kommissarin Viviane Reding fährt nicht nach Sotschi. Via Twitter nannte sie deutlich die Menschenrechtslage in Russland als Grund für ihre Entscheidung. „Ich werde sicher nicht nach Sotschi fahren, solange Minderheiten auf diese Weise von der derzeitigen russischen Regierung behandelt werden“, schrieb die Luxemburgerin. Reding ist Vizepräsidentin der Europäischen Kommission und Justiz-Kommissarin. Quelle: dpa
Joachim GauckDie Olympischen Sommerspiele und die Paralympics in London 2012 hatte Bundespräsident Joachim Gauck besucht. Auf die Reise nach Sotschi aber verzichtet er. Er wolle seine Absage allerdings nicht als Boykott verstanden wissen. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Focus“ plant Gauck seit Monaten einen Staatsbesuch in Russland. „Gauck möchte bei seinem ersten Besuch in Russland respektvoll einiges ansprechen“, sagte der sportpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Rolf Mützenich. „Das ist in dieser Form in Sotschi nicht möglich.“ Die deutsche Bundesregierung wird bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi mit Innenminister Thomas de Maizière vertreten sein. Der CDU-Politiker wolle sich Wettbewerbe anschauen und die deutschen Athleten unterstützen. Der vom Verteidigungs- ins Innenministerium zurückgekehrte de Maizière ist in seinem Amt auch für den Sport zuständig. Die Details der Reise sollen erst im Januar festgelegt werden. Quelle: dpa
Angela Merkel Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ist nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ verärgert über die Entscheidung des Bundespräsidenten, nicht zu den Olympischen Winterspielen im russischen Sotschi zu fahren. Von der Entscheidung Joachim Gaucks habe die Leitungsebene des Kanzleramts aus den Medien erfahren, heißt es den Angaben zufolge in der Umgebung Merkels. Nach Angaben des Präsidialamts soll dagegen das Kanzleramt informiert worden sein, bevor die Absage öffentlich wurde. Auch die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ berichtet über Kritik im Kanzleramt am Vorgehen Gaucks. Das Bundespräsidialamt habe das Kanzleramt nicht informiert, andernfalls hätte man dem Bundespräsidenten von diesem Schritt abgeraten. Gauck - so die Einschätzung - fördere eine Polarisierung in den deutsch-russischen Beziehungen. Ob und wie Kanzlerin Angela Merkel (CDU) das Sportereignis besuchen wird, blieb zunächst offen. Es gebe derzeit noch keine Planungen zu einer möglichen Reise der Kanzlerin, sagte eine Regierungssprecherin. Diese Frage komme erst zu einem späteren Zeitpunkt auf die Tagesordnung. Quelle: dpa


Vielleicht sollten wir härter in unseren Urteilen werden, kompromissloser. Nicht mehr jeden mit seinen kleinen Spielchen gewähren lassen. Nicht mehr Job und Privatleben trennen. Nicht Beamtenstatus und private Entgleisung zwei Dinge sein lassen. Nicht öffentlichen Paulus und privaten Saulus differenzieren. Den Menschen im Manager und Politiker als Ganzes sehen. Seine Verantwortung, seine Vorbildfunktion. Für eine bessere Welt. Bessere Menschen. Bessere Vorbilder.

Sie nicht auch noch alimentieren mit Pensionszahlungen, Interview- und Talkshow-Honoraren, Werbeauftritten, Buchveröffentlichungen, ungeteilter Aufmerksamkeit, unserer Anwesenheit in ihren Messen.

Dabei sein ist ein politisches Statement. Eine Wahl, die man getroffen hat. Eine Entscheidung und Priorisierung. Dessen müssen wir uns wieder bewusst werden.

Da das auch die Protagonisten z.B. der Olympischen Spiele oder Fußball-WM wissen, tabuisiert der Kommerz mir nichts, dir nichts z.B. die Politik im Sport. Und die lässt es schulterzuckend lethargisch geschehen.

Das war nicht immer so: die Olympischen Spiele der Neuzeit verfolgten politische(!) Ziele. Sie sollten die Jugend der Welt zum sportlichen Wettkampf animieren und den Frieden in der Welt und die Völkerverständigung unterstützen.

Heute, da der Kommerz über allem steht, will man von der einst sinnvollen Idee plötzlich nichts mehr wissen. Politik, Ethik und Moral stören die Geschäfte mit den Diktatoren, den globalen Ausbeutern, den Fett-, Zucker-, Alkohol- und Waffenschiebern.

Noch gefürchteter in olympischen, wirtschaftlichen und politischen Kreisen ist nur der Boykott.

Auch das war mal anders: Der Boykott war fast schon gute Sitte, um einen Kontrapunkt zu setzen. Um Dinge zum Guten zu wenden. Dem Elend die Stirn zu bieten statt es mit der eigenen Anwesenheit zu adeln.


Ausland




Drehen wir den Spieß einfach um: 'Boykottieren' wir doch unsererseits die Lüge, die Vorteilsnahme und Korruption. Boykottieren wir Kurzfristdenken, Egoismus und Populismus. Boykottieren wir Gigantismus, Umweltzerstörung und Wertevernichtung. Boykottieren wir ihre Protagonisten.

Seien wir doch lieber dort mit dem Herzen dabei, wo unser Bauch, unsere noch nicht korrumpierte Intuition uns sagt, hier ist es richtig. Hier ist es wegweisend und zukunftsfähig. Hier fühlt es sich gut an. Hier denken und handeln Menschen für Menschen.

Unser 'Boykott' könnte Rückgrat, Werte und Moral demonstrieren. Demonstrieren, dass man Ethik über Kommerz und Profit stellt.

Seien wir einfach politisch. Beteiligen wir uns. Sagen wir unsere Meinung. Kämpfen wir für sie. Seien wir wieder die guten Kämpfer. Seien wir wieder stolz auf unsere Spiele. Auf unsere Spieler, seien es Manager, Politiker oder auch - und gerade - wir selbst.

Lasset also die Spiele beginnen! In Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Aus den richtigen Gründen. Mit den richtigen Protagonisten und Prioritäten. Verschwenden wir nicht noch mehr Zeit an die Falschen. Ehren wir die guten Spieler! Nutzen wir den Tag!

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